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Jürgen Klopp ist auf dem DFB-Campus in Frankfurt ein gern gesehener Gast. Als kürzlich die Europameister von 1996 zum Jubiläumstreffen zusammenkamen, strahlte auch der Bundestrainer mit den in Ehren ergrauten Helden um die Wette. 2028 wird das Mutterland des Fußballs schließlich wieder zum Schauplatz eines solchen Turniers, das Deutschland seitdem nicht mehr gewonnen hat.
Die Kandidaten für einen Coup unter Klopp-Regie werden jetzt gesichtet. Dem Kader für die Nations-League-Partien gegen Serbien in Belgrad (13. November/20.45 Uhr, RTL) und gegen die Niederlande in Berlin (16. November/20.45 Uhr, ARD) kommt eine übergeordnete Bedeutung zu, denn ein XXL-Experiment im Zwei-Schicht-Betrieb wird es nicht mehr geben. „Es wird ein kleiner Kader sein, das ist schon mal klar“, sagte Klopp, der sich am Donnerstag nicht in einer Pressekonferenz, sondern einer Videobotschaft ab 11.30 Uhr erklären wird. Erwartet wird ein 26er-Aufgebot.
Es ist der zweite wichtige Fingerzeig nach Amtsantritt des Hoffnungsträgers und Menschenfängers, der einen mit Risiken und Nebenwirkungen behafteten Umbruch eingeleitet hat. Die Stimmung ist besser als der Tabellenplatz in einer Nations-League-Gruppe, in der die DFB-Auswahl zwei Siege benötigt, um noch das Viertelfinale im März 2027 zu erreichen. Ganz nebenbei genießen diese acht Teams deutliche Vorteile für die EM-Qualifikation.
Dass der DFB-Auswahl ein echter Knipser fehlt, war gerade gegen Griechenland (0:0, 0:1) offenkundig. Als spannendste Personalie gilt daher Niclas Füllkrug, der bei einer Publikumsbefragung sofort dabei wäre. Der in seiner Wohlfühloase beim SV Werder wieder aufgeblühte Mittelstürmer trug zuletzt am 8. Juni 2025 im Spiel um Platz drei gegen Frankreich bei der Nations-League-Finalrunde das Nationaltrikot. Selbstvertrauen, Fitness und Abschlussstärke sprechen zwar für den besten Bundesliga-Torschützen, aber gehört einem 33-Jährigen wirklich mit Blick auf die EM 2028 die Zukunft?
Vor zwei Wochen streute Klopp noch Zweifel: „Wir haben eine Gegenwart, eine mittelfristige Zukunft und eine langfristige Zukunft. In der Gegenwart kann es natürlich funktionieren, mittelfristig unter Umständen auch. Langfristig, ja, also da müssen wir jetzt mal sehen.“ Mehr Entwicklungspotenzial sieht der 59-Jährige in U21-Nationalstürmer Nico Tresoldi, der sich allerdings noch zwischen Deutschland und Italien entscheiden kann. Derweil geht Deniz Undav schon „gar nicht“ mehr davon aus, Berücksichtigung zu finden. „Was soll ich sagen? Ohne Tore ist es schwer, dabei zu sein“, erklärte der Kapitän des VfB Stuttgart, dessen listige Spielweise sich eher nicht mit dem intensiven Pressing-Stil unter Klopps Regie verträgt. Vielleicht ist auch das Geltungsbedürfnis des 30-Jährigen ein bisschen zu groß.
Keinerlei Diskussion gibt es für den Bundestrainer, dass Joshua Kimmich wieder zurückgekehrt. Der DFB-Kapitän bot im Champions-League-Auswärtsspiel mit dem FC Bayern München bei Atlético Madrid (2:0) zusammen mit Tom Bischoff im zentralen Mittelfeld eine Galavorstellung. Die Berufung eines Bayern-Blocks inklusive Torwart Jonas Urbig, Jonathan Tah und Aleksandar Pavlovic ist ausgemachte Sache, auch wenn Serge Gnabry und Jamal Musiala verletzungsbedingt ausfallen. Völlig offen, ob Dribbler Lennart Karl dazukommt, der am Dienstag mit dem Führungstor für sich warb. Selbiges Argument könnte auch der wuchtige Verteidiger Yann Aurel Bisseck anführen, der Inter Mailand in der Königsklasse auf die Erfolgsspur brachte.
Wer der vielen Neulinge aus der ersten Länderspielmaßnahme erhält eine zweite Chance? Eigentlich auf jeden Fall Freiburgs Rechtsverteidiger Philipp Treu, der sich dummerweise vergangene Woche leicht am Knöchel verletzte. Bei seiner ersten Nominierung stand der Newcomer in drei Partien über 90 Minuten auf dem Platz. Überzeugen konnte aus der Sport-Club-Fraktion auch der forsche Flügelflitzer Derry Scherhant. Eher keine erneute Einladung werden Max Rosenfelder und Yannik Engelhardt erhalten. Zuletzt waren auch die Augsburger Finn Dahmen und Hennes Behrens nominiert, der damals verletzte Anton Kade wäre wohl auch dabei gewesen. Ob Klopp das FCA-Trio wieder im Blick hat, ist ebenfalls noch ungewiss. Bangen muss auch das Sturmduo von Eintracht Frankfurt: Während Younes Ebnoutalib gegen den HSV sein sechstes Saisontor erzielte, saß Jonathan Burkardt wegen der Systemumstellung bis zur 74. Minute auf der Bank. Nur wenn Klopp auf Füllkrug und Tresoldi verzichtet, kann wohl Burkardt hoffen. Bei einem kniffligen Personalpuzzle hängt eben alles miteinander zusammen.