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In beeindruckender Manier fährt Kimi Antonelli seinen ersten WM-Titel in der Formel 1 ein. Mit gerade einmal 20 Jahren ist der Mercedes-Plot schon jetzt auf einem Level, welches selbst ein junger Max Verstappen zu Beginn seiner Karriere nicht hatte. Blüht ihm gar eine noch größere Karriere?
Beeindruckend unbeeindruckt. So oder so ähnlich lautet wohl die Analyse der Saison von Kimi Antonelli, die am gestrigen Sonntag auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez ihren Höhepunkt fand. Nach seinem dritten Platz beim Großen Preis von Mexiko ist der Mercedes-Pilot an den noch verbleibenden vier Rennwochenenden nicht mehr von Platz eins des Fahrer-Klassements zu verdrängen - mit gerade einmal 20 Jahren kürt er sich zum jüngsten Formel-1-Weltmeister aller Zeiten und macht den Coup perfekt, den ihm zu Beginn des Jahres noch die aller wenigsten zugetraut hätten.
Selbst nach all den Erfolgen und Siegen, die Antonelli bis dato einsackte - neunmal stand er 2026 bis dato ganz oben auf dem Podest -, ist das Auftreten des jungen Italieners noch immer ein wenig unscheinbar. Er besitzt bei Weitem (noch) nicht das Superstarimage eines Lewis Hamilton, ist nicht so laut und meinungsstark wie ein Max Verstappen und drängt sich nicht so sehr in den Mittelpunkt, wie es einst ein Sebastian Vettel in seinen ersten Jahren bei Red Bull zelebrierte.
Stattdessen ist Antonelli einfach ein "sehr authentischer, ganz normaler Typ", wie es Verstappen am Rande des Rennens in Mexiko recht treffend zusammenfasste. "Kimi hat ein gutes Herz, und das schätze ich sehr an ihm. Er hat auch eine tolle Familie um sich herum, die ebenfalls supernett ist. Und ich finde, das ist einfach eine sehr schöne Eigenschaft - auch für später im Leben, wenn er noch mehr erreicht haben wird", adelte der vierfache Weltmeister seinen neun Jahre jüngeren Kontrahenten.
Der jüngster Fahrer, der je ein Rennen angeführt hat, der jüngste Fahrer, der je die WM angeführt hat, der jüngste Pole-Setter, der jüngste Fahrer, dem ein Wochenend-Grand-Slam gelungen ist, der jüngste Fahrer einer schnellsten Runde bei einem Rennen und nun der jüngste Champion aller Zeiten - die Liste an Rekorden, die Antonelli in diesen Jahr aufgestellt hat, ist beeindruckend lang. Einige dieser Bestmarken werden vermutlich eine lange Zeit bestehen, andere wiederum möglicherweise überhaupt gar nicht mehr gebrochen werden können.
Lediglich der Rekord für den jüngsten Rennsieger aller Zeiten liegt weiterhin bei Verstappen, angesichts der Umstände dürfte das Antonelli jedoch herzlich egal sein. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Mercedes-Pilot mit seinen 20 Jahren noch ganz am Anfang seiner Karriere steht. Der erste Titel dürfte nur der Grundstein einer langen, erfolgreichen Laufbahn in der Königsklasse sein.
"Ein Ausnahmetalent" sei Antonelli, sagte Verstappen unlängst gegenüber der Sport Bild: "Dieses Jahr ist er phänomenal gefahren. Er hat noch nicht 100 Prozent seines Talents ausgeschöpft, und auch der Gewinn der WM wird ihn noch besser machen." Der Niederländer muss es wissen, seinem ersten Triumph im Jahr 2021 ließ er gleich drei weitere folgen. "Wenn du einmal Weltmeister warst, wirst du ruhiger", sagt der Red-Bull-Pilot: "Du hast dein Lebensziel erfüllt, gehst entspannter in Rennwochenenden."
Dabei konnte man in der laufenden Saison schon ein ums andere Mal begutachten, wie viel Talent im Italiener steckt. Vor allem auf mentaler Ebene lieferte Antonelli unheimlich stark ab, hatte seinen deutlich erfahreneren Teamkollegen George Russell fast durchgehend in der Tasche und ließ sich auch in schwierigen Situationen so gut wie überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Vor der Art und Weise, in welcher der Mercedes-Youngster seinen Schuh herunterfuhr und sich nicht vom Weg abbringen ließ, muss man den Hut ziehen.
In seinem erst zweiten Jahr in der Formel 1 war es vor allem Antonellis Konstanz, die für die frühzeitige Titelentscheidung sorgte. Der junge Mann aus Bologna ist stark im Qualifying, fährt im Rennen so aggressiv wie möglich und so vorsichtig wie nötig. Dass Antonelli irgendwann einen WM-Titel gewinnen würde, das prognostizierten viele bereits bei dessen Aufnahme in das Mercedes-Juniorprogramm vor einigen Jahren. Dass ihm der große Wurf jedoch nun schon in einem so jungen Alter mit derart wenig Erfahrung gelingt, ist nicht weniger als eine Sensation.
Auch ein Verstappen, nach landläufiger Meinung der Beste der Besten in der aktuellen Formel 1, feierte seinerseits früh Erfolge in jungem Alter. Der damals noch deutlich hitzköpfiger agierende Niederländer fiel damals aber nicht selten mit unüberlegten Manövern, einem zu aggressiven Fahrstil und grundsätzlich einer gewissen Ungeduld auf, schnell zu viel erreichen zu wollen. So dauerte es nach einem Debüt im Jahr 2015 sechs Saisons ehe er den WM-Titel in die Höhe recken durfte. Erst danach zog mehr Souveränität, Cleverness und auch Ruhe beim mittlerweile vierfachen Champion ein.
Antonelli wiederum hat diesen Schritt nun schon zu einem deutlich früheren Zeitpunkt gemacht. Wie Verstappen richtigerweise feststellte, wird der Titel ihm noch mehr Konstanz, Sicherheit und Abgeklärtheit geben - also genau die Dinge, die ihn bereits in diesem Jahr so stakt machten. Antonelli besitzt neben seinen außer Frage stehenden fahrerischen Qualitäten - mögen diese vielleicht auch (noch) nicht auf dem aller höchsten Level eines sein - eine Coolness, wie sie Verstappen in seinen ersten F1-Jahren bei Weitem nicht hatte.
Stellt ihm Mercedes auch in den kommenden Jahren ein Auto zur Verfügung, was um den WM-Titel mitfahren kann, wird Antonelli zwangsläufig zu den Topfavoriten gehören. Und dann gibt es nur ganz wenige, die dem Mix aus grenzenlosem Talent und schierer Abgezocktheit gewachsen sind.