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Asien wankt bedenklich Richtung FIFA-Präsident Infantino

Ein Intimkenner des asiatischen Fußballs ist überzeugt: Die Zwergstaaten stimmen alle für Infantino. Wann präsentiert die UEFA einen Gegenkandidaten?

Hongkong – In der Mongolei kann es schon mal minus 30 Grad kalt werden und monatelang so frostig bleiben. Schön, wenn man dann die FIFA hat. Die hat gerade erst aus ihrem sogenannten „Fast-Forward-Programm“ Geld locker gemacht, damit der mongolische Fußballverband seinen Spielern eine aufblasbare Traglufthalle zum Kicken auf Kunstrasen anbieten kann. 114 Meter lang, 82 Meter breit, 29 Meter hoch.

Antichambrieren in Asien: Gianni Infantino Anfang Oktober mit Hongkongs Fußballchef Pui Kwan-kay.
Antichambrieren in Asien: Gianni Infantino Anfang Oktober mit Hongkongs Fußballchef Pui Kwan-kay. © IMAGO/Zulu Lo/TMHK

Allein über das FIFA-Forward-Programm wurden laut Weltverband seit Gründung in den vergangenen zehn Jahren mehr als fünf Milliarden Dollar an die 211 Mitgliedsverbände ausgeschüttet. Das Projekt in der Mongolei erscheint sinnvoll, Recherchen von The Athletic zufolge würden aber rund 60 Prozent der Nationalverbände Millionen aus dem Forwardfund kassieren, ohne dafür triftige Gründe angeben zu müssen. Tatsächlich würden dabei Transparenzregeln nicht ausreichend beachtet, die sich die FIFA selbst gegeben habe.

Infantino verteilt Wahlgeschenke in Asien: UEFA immer stärker unter Druck

Vergangene Woche hatte der derzeit rastlos durch Südostasien reisende und dort antichambrierende FIFA-Präsident Gianni Infantino sich laut Selbstauskunft das Okay des regierenden FIFA‑Rates (in dem 37-köpfigen Council sitzt auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf) geholt, um die Zahlungen an jeden Mitgliedsverband für 2027 bis 2030 von zehn auf 25 Millionen Dollar anzuheben. „Das Konzept, allen exakt denselben Geldbetrag zu geben, ist völlig absurd“, sagt Nick McGeehan, Direktor der Menschenrechtsorganisation FairSquare.

Für den amtierenden, aber wankenden FIFA-Boss aus dem Wallis ist das Konzept dagegen gut. Kleine Verbände wie das jüngst von Infantino besuchte Bhutan (rund 780.000 Einwohner) dürften es ihm danken, den Betrag seit seinem Amtsantritt vor zehneinhalb Jahren von einer Million auf das bald 25-fache zu erhöhen. Und da jedes Land eine Stimme hat, ist Bhutan genauso wertvoll wie Andorra oder Argentinien. In Bhutan posierte Infantino jüngst stolz in traditioneller Tracht der Einheimischen gemeinsam mit Prinz Jigyel Ugyen Wangcuck und einem Ball.

Gerade in Südostasien sieht Alfons Schunk, deutscher Intimkenner des asiatischen Kontinentalverbandes, große Chancen für Infantino. Denn auch wenn der Dachverband, die Asian Football Confederation (AFC), sich hochoffiziell gegen Infantino positioniert hat, so bröckeln doch deren 47 Nationalverbände von der Front gegen den Italo-Schweizer. „Die vielen Zwergstaaten sind alle für den amtierenden FIFA-Präsidenten“, sagt Experte Schunk. Er glaube nicht, dass etwa einer wie David Beckham sich eine Gegenkandidatur antun wird. „Die UEFA findet niemanden, weil derjenige weiß, dass er verliert.“

Schunk führt aus, er habe Verständnis „für diese kleinen asiatischen Staaten im Gegensatz zu den reichen Golfländern“. Denn: „Die kleinen Länder haben nicht, wie beispielsweise der DFB, Mitgliedsbeiträge, hohe Medienerlöse, starke Sponsoren und Top-Infrastruktur. „Wenn die Fifa und Infantino solchen Ländern vor der Wahl zehn Millionen Dollar als Zuschuss für ein neues Stadion verspricht, können die das Geld sehr gut gebrauchen.“

Oft sei es gar so, dass in kleinen Staaten die Fußballpräsidenten die Flugtickets zu Spielen ihrer Nationalmannschaft und erst recht den Juniorenteams aus eigener Tasche zahlen müssten. In manchen Ländern seien die Jahreserlöse aus Spielen der Nationalmannschaft geringer als die Ausgaben. Deshalb könne er nachvollziehen, dass Infantinos Versprechungen ihm von dort Stimmen einbrächten.

Sollte die Mehrzahl der Asiaten sich, angeführt von Katar und Saudi-Arabien, auf Infantinos Seite schlagen, könnte es ganz, ganz eng in einer Abstimmung werden. Europa sowie Nord- und Mittelamerika kämen, einzelne Abweichler abgerechnet, auf zusammen bestenfalls 89 Stimmen gegen Infantino. Afrika und Südamerika im Gegenzug auf 64 Stimmen für Infantino. Ganz viel hängt an Asien und Ozeanien (zusammen 57 Stimmen). Kein Wunder, dass Infantino dort unentwegt unterwegs ist. Wie man Stimmen fängt, weiß er besser als alle anderen.

Auch der Infantino-kritische ehemalige FIFA-Mediendirektor Guido Tognoni ist skeptisch. „Die UEFA hat im Moment einfach an Tempo verloren. Das muss man sagen“, sagte der Schweizer der ARD. „Und wenn sie jetzt nicht bald an Tempo zunehmen, dann könnte das Ganze noch in einem Fiasko enden.“ Aus der DFB- und der UEFA‑Führung hören sich die Stimmen optimistischer an. Man wird sehen. Am 18. November ist Einsendeschluss für einen Gegenkandidaten für die Wahl am 18. März.

„Times“ entschuldigt sich

Die britische „Times“ hat sich bei Gianni Infantino für eine Berichterstattung entschuldigt. Darauf wies die FIFA per Pressemitteilung hin. Die angesehene Tageszeitung schrieb: „Die Behauptung, Infantino habe ein geheimes zweites Gehalt erhalten, wird zurückgenommen. Es handelte sich lediglich um Spesen und Kostenerstattungen. Diese müssen nach Schweizer Rechnungslegungsrecht im Geschäftsbericht nicht als reguläre Vergütung ausgewiesen werden.“

Die FIFA fügte an, sie akzeptiere legitime Prüfung von Sachverhalten. Bei Falschbehauptungen werde sie jedoch direkt und kraftvoll reagieren.

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