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Reizstimmung im DFB-Campus nicht nur wegen der Regionalligareform

Wie löst Präsident Neuendorf den dicken Knoten der geplanten Regionalligareform vor dem Hintergrund der Spannungen in Süddeutschland?

Frankfurt – Ab jetzt wird es ernst: Am Sonntag rückt fast eine halbe Hundertschaft an Landes- und Regionalverbandsleuten des Deutschen Fußball-Bundes Richtung Frankfurt an. Dort beginnt am Montag um viertel vor elf die Sitzung, bei der es um die Wurst geht. Genauer gesagt: um die dringend notwendige Reform der Regionalligen. Über die wird am 18. Dezember bei einem außerordentlichen DFB-Bundestag abgestimmt. Das will gut vorbereitet sein. Notwendig ist nämlich eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Das wird schwierig.

Verzwickter Reformstau, den DFB-Präsident Bernd Neuendorf (links) auch gemeinsam mit Ronny Zimmermann und Ralph-Uwe Schaffert (rechts) lösen will.
Verzwickter Reformstau, den DFB-Präsident Bernd Neuendorf (links) auch gemeinsam mit Ronny Zimmermann und Ralph-Uwe Schaffert (rechts) lösen will. © Gerhard Schultheiß/Gerhard Schultheiß/Jan Huebner

Wenn die Funktionäre am Montag in den geräumigen DFB-Campus einrücken, dürften sie dort in dem langen Wandelgang auf die 1996er-Europameister treffen, die sich zum 30. Jubiläum ebenfalls in Frankfurt treffen, dabei aber sicher mehr Spaß haben werden. Die Atmosphäre unter den Verbandsvertretern ist höchst angespannt. Auch deshalb, weil der vom DFB-Bundestag vor einem Jahr gewählte Boss der Amateurverbandskonferenz, der leitende DFB-Vize Ronny Zimmermann, seit einer Woche als klarer Verlierer einer Kampfabstimmung nicht mehr Chef des Süddeutschen Verbandes ist.

Angespannte Gemengelage vor Funktionärssitzung am DFB-Campus

Den Job des größten Regionalverbandes im DFB verrichtet jetzt Reinhold Brandt aus Südbaden. Das Verhältnis Brandt/Zimmermann hat sich seit der Abstimmung am vergangenen Samstag in Augsburg nicht wirklich entspannt. Er fühle sich „überhaupt nicht geschwächt“, sagt der Badener Zimmermann zwar tapfer, unschwer zu deuten ist aber auch, dass der 65-Jährige eine aus Bayern gesteuerte Intrige gegen sich wahrgenommen hat.

Zimmermann befand sich in seiner Doppelfunktion als Lobbyist für die Amateure zuständiger DFB-Vizepräsident einerseits und Südchef andererseits in einer klassischen Sandwichsituation. Denn DFB-Präsident Bernd Neuendorf, mit dem Zimmermann gut kann, treibt die Regionalligareform mit vier statt bisher fünf Ligen entschieden voran, ganz so, wie es die Staffeln Nord, Nordost und West okay finden würden. Sein bevorzugtes Modell wird Neuendorf am Montag gemeinsam mit Drittliga-Geschäftsführer Manuel Hartmann vorstellen.

Die Regionalligen Bayern und Südwest wollen jedoch am liebsten so weitermachen wie bisher. Bayern könnte sich alternativ auch gut eine Aufstockung der dritten Liga von 20 auf 22 Teams mit fünf statt vier Absteigern vorstellen, damit aus fünf Regionalligen fünf statt vier Vereine aufsteigen können. Das alles wollen die Verbände Süd und Südwest am Sonntagabend auf einer eigenen Sitzung noch besprechen. Zimmermann ist dann nur virtuell aus dem Auto zugeschaltet, weil er vorher noch auf Amateurfußballplätzen unterwegs ist.

Alle miteinander wissen: Den Vorschlag aus Bayern lehnen sowohl Drittligaboss Manuel Hartmann als auch der Darmstädter Tom Eilers als Vorsitzender im DFB-Ausschuss dritte Liga ab. Denn die dritte Liga hat sich freundlicherweise schon vor sieben Jahren bereiterklärt, statt drei fortan vier Absteiger zu genehmigen. Eine Aufstockung auf 22 Teams und ein zusätzlicher fünfter Absteiger kommen nicht in die Tüte. „Das Problem muss auf der Ebene der vierten Liga gelöst werden“, hat Eilers wiederholt erklärt.

Das sieht Ronny Zimmermann genauso und sich somit „an mein Wort aus dem Jahr 2019 gebunden“. Jetzt mit neuen Forderungen an die dritte Liga zu kommen, sei seine Sache jedenfalls nicht. „Dann brauchen wir nicht von Fairplay zu reden. Dann könnte ich nicht mehr in den Spiegel schauen.“

Was immer am Ende auch rauskommen wird in der komplexen persönlichen und inhaltlichen Gemengelage. Auf gar keinen Fall dürfe es dazu kommen, sagt nicht nur Zimmermann, dass Vereine, die so nah beisammen liegen wie die nur sieben Kilometer voneinander entfernten Walldorf und Sandhausen oder die ähnlich nahen Stadien des FSV Frankfurt und der Offenbacher Kickers, von einer Software in verschiedene Regionalligen aufgeteilt werden.

Auch sollen diejenigen Mitarbeitenden, die derzeit die fünf Regionalligen dezentral managen, nach einer Neuordnung nicht auf der Straße stehen. Wenn der DFB künftig wie geplant Spielklassenträger wird, „darf es keine Opfer geben“, darüber ist man sich einig. Zumal es dann ja auch „Leute braucht, die Ahnung haben“, um den Spielbetrieb zu organisieren. Aus dem Bestand der DFB-Mitarbeitenden ist das nicht zu wuppen.

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