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(Motorsport-Total.com) - Das Qualifying zum Großen Preis von Mexiko 2026 war ein echter Krimi, denn gleich drei Fahrer kämpften um die Poleposition: Während Max Verstappen bei seinem letzten Versuch einen Fehler machte, verpasste George Russell den besten Startplatz gegen Lewis Hamilton um lediglich neun Tausendstelsekunden.
Russell musste sich knapp gegen Hamilton geschlagen geben Zoom
Es waren winzige Details, die am Samstag zur Entscheidung führten. Möglicherweise musste sich Russell am Ende sogar nur deshalb mit dem zweiten Startplatz zufriedengeben, weil er zu viel Sprit an Bord seines Mercedes hatte. "Ich habe gesehen, wie Lewis, Charles und auch Max vorgegangen sind", erklärte Russell nach dem Qualifying.
"Sie haben keine Vorbereitungsrunde gefahren. Wir haben Vorbereitungsrunden absolviert, um die Reifen auf Temperatur zu bringen. Das ist ziemlich schwierig. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass wir es auch ohne Vorbereitung in der ersten Runde schaffen könnten."
"Das Team wollte aber die Vorbereitungsrunde fahren, weshalb wir letztlich Kraftstoff für eine zusätzliche Runde an Bord hatten", verrät der Mercedes-Pilot. "Das ist eine sehr kleine Menge, aber sie ist größer als der Abstand zur Poleposition."
Der Brite, der auf dem zweiten Platz der Fahrer-WM liegt, könnte dadurch rund 1,5 Kilogramm zusätzliches Gewicht mitgeführt haben. Das macht auf der Strecke etwas mehr als eine Zehntelsekunde aus. Der Rückstand auf Hamiltons Bestzeit war allerdings geringer.
"Deshalb denkt man im Nachhinein natürlich: Hätten wir nur Kraftstoff für eine Runde statt für die zusätzliche Runde an Bord gehabt, hätten wir auf der Pole stehen können", ärgert sich Russell. "Aber ich bin sehr dankbar, überhaupt in dieser Position zu sein, denn die vergangenen Rennen waren schwierig."
Am Ende waren es dennoch nur Kleinigkeiten, die über die Poleposition in Mexiko entschieden. Ein Vergleich der schnellsten Runden von Hamilton und Russell zeigt, wie eng es zwischen Ferrari und Mercedes über die gesamte Runde zuging.
Obwohl Russell vor Kurve 1 etwas früher vom Gas ging, nahm der Mercedes-Pilot mehr Geschwindigkeit bis zum Scheitelpunkt mit. Bis zum Ausgang von Kurve 3 lag er zwischenzeitlich rund zwei Zehntelsekunden vorne. Anschließend beschleunigte der Ferrari besser aus der Kurve heraus, weil Hamilton früher wieder aufs Gas gehen konnte.
Dafür könnte die elektrische Leistungsabgabe verantwortlich gewesen sein, ebenso die Trägheit des Turboladers. Möglich ist aber auch, dass sich das zusätzliche Gewicht des Mercedes bemerkbar machte. Am Ende des ersten Sektors, auf dem Weg zu Kurve 4, lag Hamilton jedenfalls 0,025 Sekunden vorne.
Doch erneut konnte Russell mehr Geschwindigkeit bis zum Scheitelpunkt von Kurve 4 mitnehmen und den Rückstand dadurch vorübergehend in einen kleinen Vorsprung verwandeln. Am Ausgang von Kurve 5 zeigte sich dann wieder das gewohnte Bild: Hamilton beschleunigte aggressiver und machte Zeit gut.
Dasselbe Muster zeigte sich in den Kurven 6 und 7. Russell war auf dem Weg in die Kurven schneller, Hamilton dafür am Ausgang. Der Vorteil des Ferrari betrug dabei nur selten mehr als eine Zehntelsekunde. Im anschließenden ersten Teil der schnellen Kurvenkombination im hinteren Streckenabschnitt war der Ferrari erneut schneller.
Russell machte den Rückstand zwischen Kurve 9 und der engeren Rechtskurve 10 jedoch wieder wett. Hier ist es wichtig, nicht zu viel Geschwindigkeit mitzunehmen. Wer zu aggressiv in die Kurven fährt, kann weit nach außen rutschen und die Streckenbegrenzung überschreiten. Russell hatte erneut mehr Geschwindigkeit am Scheitelpunkt, während Hamilton sauberer aus der Kurve herauskam.
Auf dem zweiten Teil der Gegengeraden, auf dem neu asphaltierten Streckenabschnitt, konnte der Mercedes-Pilot den Ferrari zunächst einholen und anschließend sogar bei der Höchstgeschwindigkeit übertreffen. Am Ende des zweiten Sektors lag Russell nur noch 0,003 Sekunden zurück.
Im dritten Sektor erreichte der Mercedes auf dem Weg zu Kurve 12 eine um sieben km/h höhere Höchstgeschwindigkeit als der Ferrari. Hamilton nahm beim Anbremsen mehr Geschwindigkeit heraus, indem er Gas und Bremse teilweise gleichzeitig betätigte. Damit wollte er seinen SF-26 besser um die Kurve drehen lassen.
Russell ging konventioneller vor und nahm zunächst den Fuß vom Gas, bevor er bremste. Dadurch konnte der Mercedes-Pilot erneut mehr Geschwindigkeit bis zum Scheitelpunkt mitnehmen. Hamilton hatte sein Auto am Kurvenausgang allerdings bereits stärker geradegestellt und konnte deshalb deutlich früher wieder beschleunigen.
Der Abstand blieb zunächst im Bereich weniger Tausendstelsekunden. Vor Kurve 13 nahm Hamilton etwas mehr Geschwindigkeit heraus, bevor er seinen Vorsprung erneut vergrößerte. In der folgenden Rechtskurve 14 musste er das Gaspedal weniger stark dosieren als Russell.
Durch ein späteres Bremsmanöver vor Kurve 16 konnte Russell den Zeitunterschied erneut zu seinen Gunsten drehen. Hamilton beschleunigte am Kurvenausgang jedoch aggressiver und stellte die Reihenfolge damit wieder her. Diesen Vorteil rettete der Ferrari-Pilot bis zur Ziellinie.
"Ich wusste das ganze Wochenende, dass ich schnell genug für die Poleposition war. Allerdings verliefen die Sessions sehr wechselhaft", sagte Hamilton. "Charles [Leclerc, der sich als Dritter qualifizierte] war natürlich sehr, sehr schnell. Ich denke, entscheidend ist, die Reifen ins richtige Arbeitsfenster zu bringen."
"Man sieht uns auf die Strecke fahren, und zunächst sieht es so aus, als würde alles passen. Aber die Reifen funktionieren nur in einem sehr kleinen Temperaturfenster optimal, bevor sie überhitzen", erklärt der Ferrari-Pilot. "Ich bekomme das immer besser hin."
Lewis Hamilton kommt jetzt mit den 18-Zoll-Reifen zurecht Zoom
"Damit hatte ich meiner Meinung nach in den vergangenen Jahren große Probleme, insbesondere seit wir auf die 18-Zoll-Reifen umgestiegen sind. Ich musste also lernen, anders zu fahren. Das erfordert gewissermaßen andere Fähigkeiten oder zumindest eine andere Herangehensweise an die Kurven."
"Auch die Art und Weise, wie man das Fahrzeug ausbalanciert, ist eine andere", ergänzt Hamilton. "Ich glaube, ich konnte dabei auf ein paar Dinge zurückgreifen, die ich seit 13 Jahren nicht mehr genutzt habe. Letztlich habe ich die Reifen bereits auf der Outlap ins perfekte Fenster gebracht."
"Nachdem ich die Kurven 1, 2 und 3 hinter mir hatte, lief die Runde ziemlich flüssig. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich irgendwo Zeit verloren habe. Es war einfach eine insgesamt gute Runde. Aber ich weiß, dass die anderen verdammt nah dran sind."
Verstappens erste schnelle Runde in Q3 lag lediglich 0,178 Sekunden hinter der späteren Polezeit. Bei seinem zweiten Versuch war er sogar noch schneller unterwegs. Im ersten Sektor war er 0,067 Sekunden schneller als Hamiltons Referenzzeit, im zweiten Sektor stellte er eine persönliche Bestzeit auf.
Doch im Stadionabschnitt geriet seine Runde aus dem Tritt: Verstappen musste sich an Lando Norris und Isack Hadjar vorbeischlängeln. Beide versuchten zwar, ihm Platz zu machen, doch Norris befand sich ungünstigerweise auf der rechten Streckenseite.
Dadurch musste Verstappen Kurve 13 aus einem engeren Winkel anfahren, als ihm lieb gewesen wäre. Bei Kurve 13 handelt es sich um eine Linkskurve, die fast wieder in die entgegengesetzte Richtung zurückführt. Anschließend folgt die Rechtskurve 14. Die Kombination ähnelt eher einer kleinen Haarnadel als einer klassischen Schikane.
Entscheidend ist ein weiter Kurveneingang mit einem späten Scheitelpunkt, um das Auto möglichst gerade auf Kurve 14 ausrichten zu können. Verstappen blockierte dabei das linke Vorderrad. Beim Beschleunigen aus Kurve 14 ließ er anschließend auch die Hinterräder durchdrehen, um den Zeitverlust noch zu begrenzen.
Letztlich gab er den Versuch jedoch auf und nahm noch vor der Ziellinie das Gas weg. "Als ich zu Kurve 12 kam, sah ich ein langsames Auto vor mir. Dadurch verliert man bereits Zeit, weil man in der verwirbelten Luft fährt", erklärte Verstappen anschließend.
"Dann sah ich auch noch das Auto [von Norris], das rechts parkte. Genau das will man an dieser Stelle nicht haben. Ich kam dadurch bereits mit einer etwas anderen Linie zu Kurve 13. Man verliert seine Orientierungspunkte, denn normalerweise weiß man genau, wo man bremsen muss. Wenn dort aber ein Auto steht, kann man diese Punkte nicht richtig erkennen."
"Wenn man sich im Qualifying am Limit bewegt und einem solche Dinge passieren, während der Anfahrtswinkel des Autos gleichzeitig etwas anders ist, dann blockiert man schnell ein Rad", ergänzt der Red-Bull-Pilot. "Für mich wurde der Grip im Verlauf des Qualifyings immer besser."
"Im Training war er katastrophal, deshalb ging es für mich in der Qualifikation nur bergauf. Es gab also nicht viel zu beklagen. Wir waren im Kampf um die Poleposition dabei. Meine letzte Runde hatte definitiv das Potenzial, für die Pole zu reichen. Leider konnten wir sie nicht zu Ende fahren."