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"Ich wollte nur auf dem Sofa liegen": Marquez über seine Erschöpfung

Marc Marquez wirkte trotz Samstagserfolgen zuletzt auffallend emotionslos - Im Interview erklärt der Spanier, was das mit seinen Verletzungsfolgen zu tun hat

(Motorsport-Total.com) - Marc Marquez wirkte bei seinen Sprintpodien in dieser MotoGP-Saison zuletzt auffallend emotionslos. Dahinter steckte jedoch ein bewusster Plan: Der Ducati-Pilot wollte seine Energie für den Grand Prix am Sonntag aufsparen.

Marc Marquez jubelte nach den Sprints nur zurückhaltend, und das aus gutem Grund Zoom

Besonders deutlich wurde seine zurückhaltende Reaktion in Österreich und Japan. Auf dem Red-Bull-Ring beendete Marquez den Sprint auf Rang zwei, zeigte bei der anschließenden Siegerehrung aber kaum Emotionen. In Japan fiel sein ernster Gesichtsausdruck noch stärker auf. Dort hatte er gerade seinen siebten Sprint der Saison gewonnen, verzichtete jedoch weitgehend auf ausgelassenen Jubel.

Das Verhalten des amtierenden MotoGP-Weltmeisters sorgte für Verwunderung. Marquez stellte gegenüber Motorsport.com, einer Partnerseite von Motorsport-Total.com, klar, dass seine Miene nichts mit fehlender Freude zu tun hatte. Vielmehr ging es darum, die eigenen Kräfte über das gesamte Rennwochenende einzuteilen.

"Es ist nicht so, dass ich ernst bin. Ich spare meine Energie. Emotionale Höhen und Tiefen kosten viel Kraft. Körperlich können wir damit umgehen, weil wir gut trainiert sind. Während eines Grand Prix steigt der Adrenalinspiegel allerdings stark an und fällt anschließend plötzlich wieder ab. Das ist anstrengend", so Marquez.

Verletzungsfolgen erschwerten den Saisonstart

Wie der Spanier bei einem späteren Gespräch auf Phillip Island erläuterte, entwickelte sich diese Strategie vor allem in der ersten Hälfte der Saison. In dieser Phase hatte er besonders mit den Folgen seiner rechten Schulter zu kämpfen.

Die Probleme gingen auf einen Sturz in Indonesien im Vorjahr zurück, der sich kurz nach seinem Titelgewinn ereignet hatte. Die Verletzung beeinträchtigte ihn zu Saisonbeginn erheblich. Erst eine Operation am Rennwochenende des Frankreich-Grand-Prix brachte eine Lösung für die plötzlich auftretenden Gefühlsstörungen im Arm. Ursache war eine Kompression des Speichennervs, des sogenannten Nervus radialis.

Damit waren die körperlichen Belastungen allerdings nicht vollständig überwunden. Die Verletzungsfolgen im rechten Oberkörper machten zusätzliche Physiotherapie und Regeneration erforderlich. Zugleich ist der Aufwand an den Rennwochenenden durch das 2023 eingeführte Sprintformat deutlich gestiegen.

Wie sehr ihn diese Kombination belastete, beschreibt Marquez rückblickend deutlich: "In der ersten Saisonhälfte war ich sonntags völlig ausgelaugt. Ich bin aufgewacht und wollte eigentlich nur den ganzen Tag auf dem Sofa liegen." Dabei sei es aber nicht darum gegangen, dass er körperlich nicht fit gewesen wäre.

Nicht die körperliche Fitness war das Problem

Seine Trainingsdaten hätten keinen grundsätzlichen Mangel an körperlicher Leistungsfähigkeit erkennen lassen. "Die Daten aus meinen Radeinheiten und anderen Bereichen meines Trainings waren gut. Natürlich hatte ich das Problem mit meinem Arm, aber aus kardiovaskulärer Sicht war ich fit", betont der Weltmeister.

Entscheidend sei vielmehr die zusätzliche mentale Belastung gewesen, die mit körperlichen Beschwerden einhergeht. Wer verletzt ist, muss sich stärker mit dem eigenen Zustand auseinandersetzen. Abschalten falle dadurch schwerer.

Fotostrecke: Der Leidensweg von MotoGP-Star Marc Marquez

"Irgendwann habe ich erkannt, dass die mentale Belastung größer wird, wenn man eine Verletzung oder körperliche Probleme hat. Es ist sehr schwierig, gedanklich abzuschalten. Selbst jetzt, während dieses Interviews, versuche ich, mich voll und ganz auf deine Fragen und meine Antworten zu konzentrieren", gesteht Marquez.

Mehr Zeit im Büro, mehr Energie für das Rennen

Aus dieser Erkenntnis leitete der Spanier konkrete Veränderungen für seinen Alltag an der Rennstrecke ab. Er versucht seitdem, weniger Zeit außerhalb seiner Box oder seines Büros im Fahrerlager zu verbringen. Stattdessen konzentriert er sich stärker auf seine körperliche Verfassung und die Regeneration im Wochenendverlauf.

"Mir wurde klar, dass ich mich besser fühlte und mehr Energie hatte, wenn ich mehr Zeit in meinem Büro verbrachte und mich darauf konzentrierte, auf meinen körperlichen Zustand zu achten. Vielleicht hilft es auch, dass ich fest davon überzeugt bin, dass diese Methode funktioniert", erklärt der 33-Jährige seinen Ansatz.

"Wenn ein Fahrer von etwas überzeugt ist, fällt ihm manchmal alles leichter. Ich bin überzeugt, dass ich weiß, was ich tun muss, um meine bestmögliche Leistung abzurufen."

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