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5 Sekunden pro Runde! So entsteht die eklatante Regenschwäche von MotoGP-Star Ai Ogura
Ai Ogura kommt im Regen nicht zurecht, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Die Japaner in der MotoGP waren häufig als gute Regenfahrer bekannt. Bei Ai Ogura ist das leider anders. Auf Phillip Island hatte er noch Glück, dass das Rennen abgesagt wurde. Ansonsten hätte wohl ein niederschmetterndes Debakel gedroht. Aus diesem Zustand macht der 25-Jährige keinen Hehl. Irgendetwas muss er sich im Nassen einfallen lassen.

Ai Oguras Befürchtungen werden wahr: 5 Sekunden Rückstand im nassen Qualifying

"Ich kann euch sagen: Ich werde straucheln und sehr langsam sein", kündigte der Trackhouse-Aprilia-Pilot bereits am noch trockenen Freitag schonungslos ehrlich an, als er auf die Wetterprognose für das weitere Wochenende angesprochen wurde. Am Samstagmorgen kam der Regen, und damit das Debakel mit Ansage. "Es war komplett, wie ich es erwartet hatte. Ich wusste, dass ich im Nassen langsam sein würde. Aber mehr als fünf Sekunden [Rückstand] im Q2, das ist doch ein bisschen zu viel", seufzte Ogura.

Ai Ogura in der Startaufstellung des Sprints auf Phillip Island
Ai Ogura gab eine ehrliche Prognose ab, Foto: IMAGO / NurPhoto

Nun ist der Vergleich zu einem überragenden Marc Marquez an der Spitze vielleicht ein wenig unfair, denn der Superstar hängte im Qualifying das gesamte Feld um 1,5 Sekunden ab. Die Aprilia gilt nicht unbedingt als das beste Motorrad im Regen, aber dennoch ist auch der Rückstand auf die Markenkollegen erschütternd. Jorge Martin war 3,7 Sekunden schneller, Teamkollege Raul Fernandez nahm ihm 3,2 Sekunden ab und bei Marco Bezzecchi waren es 2,8 Sekunden. Die Beweislage ist also mehr als klar: Es liegt am Fahrer.

Besonderer MotoGP-Fahrstil wird im Regen zur Bürde

Und das ist bei Ogura nichts Neues. Bereits in den Nachwuchsklassen tat sich der Japaner schwer im Regen, wenn auch nicht in diesem Ausmaß. Es hängt mit dem Fahrstil zusammen, der ihn auf Slicks so stark macht. Ogura nutzt die Schräglagen stärker aus, belastet so mehr die Flanke des Reifens und schont die zentrale Auflagefläche. Unser Experte Tom Lüthi erklärt euch diese Fahrweise hier:

Im Nassen wird dies aber zum Nachteil. Logischerweise können keine solch großen Schräglagen gefahren werden und auch das Schonen des Reifens ist erstmal nicht hilfreich. Im Regen kommt es zu Beginn auf eines an: Reifentemperatur. Diese muss im Gummi erzeugt oder zumindest gehalten werden. Erst wenn die Strecke trockener wird und der Reifen abbaut, ist wieder Management gefragt. Dann sollte er wieder abgekühlt werden.

Ai Ogura im Regen auf Phillip Island
Ogura strauchelt im Regen, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Zu diesem Punkt kommt Ogura aber gar nicht. Denn eine weitere Eigenschaft des Japaners wird ihm zusätzlich zum Verhängnis. "Ich brauche im Vergleich zu anderen Fahrern viel mehr Zeit, um Vertrauen zu finden. Das ist meine Schwäche. Das ist etwas, das ich nicht in einem Tag ändern kann. Das wird Zeit brauchen", stellt er fest. Mit anderen Worten: Ogura kann im Nassen nicht sofort lospushen. Da er das nicht kann, geht die Reifentemperatur in den Keller. Sobald sie unten ist, gibt es keinen Grip und damit kann auch kaum wieder Energie in den Reifen gebracht werden. Ein klassischer Teufelskreis.

Ai Ogura braucht eine Lösung: Kann nicht die gesamte Karriere so weitergehen!

Vor dem - am Ende abgesagten - Rennen auf Phillip Island graute es dem Trackhouse-Piloten daher bereits. "Das wird wie ein Training. Nach vier oder fünf Runden wird mich jeder überholt haben", lautete seine Prognose. Da es im Training am Freitag noch trocken war, wäre er durch seine Q2-Teilnahme immerhin noch von Rang 12 gestartet. Nehmen wir die reinen Rundenzeiten des Qualifyings, so war er aber Stockletzter.

Ai Ogura und Diogo Moreira beim abgesagten Rennen auf Phillip Island
War die Absage wirklich gut für Ai Ogura?, Foto: IMAGO / NurPhoto

Die Demütigung blieb ihm am Ende erspart. Aber vielleicht war die Absage auch eine verlorene Chance, um an der großen Schwäche zu arbeiten. Mit Galgenhumor erkennt Ogura: "Ich muss irgendwas planen. Es kann doch nicht meine ganze Karriere so weitergehen [lacht, Anm. d. Red.]." In einem möglichen Titelkampf ist diese Abhängigkeit von gutem Wetter untragbar. Was getan werden könnte, blieb er uns aber schuldig. Dani Pedrosa trainierte einst beispielsweise mit abgefahrenen Reifen, um den niedrigen Grip im Regen zu simulieren. Bei Ai Ogura scheint es aber so, als läge die Schwäche in der DNA seines sonst so erfolgreichen Fahrstils. Diesen mal eben zu ändern, wenn es nass wird, ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Doch sie muss gelingen, sonst droht er weiter abzuschwimmen.

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