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Fast drei bewegende Stunden Volleyball am Samstagabend im Enni-Sportpark Rheinkamp verlangten von den 350 anwesenden Zuschauern, darunter auch Bürgermeisterin Julia Zupancic und ihre Stellvertreterin Claudia van Dyck sowie Ex-Cheftrainer Martin Schattenberg, einiges an Nerven ab. Guido Lohmann, Vorsitzender des Drittligisten Moerser SC, würdigte taktvoll und treffend noch einmal Volleyball-Ikone Chang Cheng Liu. Der 62-jährige gebürtige Pekinger war bekanntlich vor zwölf Tagen schwer erkrankt verstorben. Darauf folgte dann ein sportlicher Fünf-Satz-Krimi gegen Tabellenführer Münster Volleys, den die Gastgeber am Ende mit einem Tropfen mehr Saft im Tank noch mit 3:2 (25:21, 15:25, 25:23, 20:25, 15:10) nach Hause brachten.
Die ganze Bandbreiter der Emotionalität prägte den Abend. Vorstandschef Lohmann würdigte seinen Freund Chang Cheng Liu nicht nur als einen Topspieler, sondern auch als einen Menschen mit Herz und Charakter, den es heute nicht mehr oft gibt. Das nahm nicht nur Tochter Ying Liu an der Seitenlinie sichtlich mit, die seit ein paar Tagen wieder als Co-Trainerin beim MSC-Team mitarbeitet. Rund ums Topmatch gegen Mitabsteiger Münster filmte dazu Moers Marketing für einen Imagestreifen der Stadt ein paar Szenen. Die Crew war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um Atmosphäre aller Art einzufangen.
Sportlich legte das Team von Trainer Thomaz Santos einen Topstart hin. Umberto Sorrenti präsentierte sich als Punktelieferant bestens aufgelegt. Dazu lieferten Mittelblocker Tim Broshog sowie Libero Andre Illmer in der Feldabwehr gut ab. Mit dem Seitenwechsel nach Satz eins allerdings schien sich bei den Adlern ein Stromausfall breitzumachen. „Mit dem zweiten Satz bin ich ganz und gar nicht einverstanden. Da haben alle auf dem Rücken gelegen“, stellte Coach Santos später zerknirscht fest.
Der Trainer nahm gegen Ende des debakulösen 15:25 allerdings einen wichtigen Wechsel vor. Für Mittelblocker Luis Bartsch, der nach längerer Verletzungspause für seinen ersten Saisonstarteinsatz nicht wirklich bereit wirkte, schickte Santos unerwartet Jascha Pricken aufs Feld. Der 22-Jährige war im Sommer nach einigen Zweitliga-Einsätzen unerwartet wieder in die zweite Mannschaft beordert worden, weil der MSC mit nur drei Mittelblockern in die Saison gehen wollte.
Das bisher aufregendste Spiel der Saison sollte uns weiter Rückenwind geben.
Thomaz Santos, Trainer des Volleyball-Drittligisten Moerser SC
„Gut, dass ich Jascha nun mit dabei hatte“, erklärte der Coach hinterher nach dem Ausfall von Mats Herbe. Und Pricken selber freute sich über mehr als drei komplette Sätze neben Ex-WM-Starter Tim Broshog auf dem Spielfeld. „Ganz zufrieden bin ich allerdings mit mir nicht. Ich hatte nicht viele Bälle. Und es waren auch einige Fehler drin“, erklärte Pricken bescheiden. Die solide Partie des Forstwirts in Ausbildung war allerdings ein Baustein dafür, dass das Team doch noch den Weg zum Sieg fand.
Satz drei war trotz zwischenzeitlicher Fünf-Punkte-Führung wackelig. Ein Münsteraner Aufschlagfehler und Umberto Sorrenti brachten ein 25:23 noch ins Ziel. Doch statt emotionalem Auftrieb folgten auf den Satzgewinn wieder zu viele Patzer. Sei es bei den Aufschlägen, im Block, im Zuspiel oder auch bei gleich drei Netzberührungen mit Punkt für Münster. „Wir hätten auch 3:1 gewinnen können, es waren aber zu viele Fehler gegen einen guten Gegner im Spiel“, befand Teammanager Marco Destefani kritisch.
Im fälligen Tiebreaksatz hatte der MSC dann mehr Körner im Tank. Davide D‘Amato und Jona Pukownik machten letztlich die Matchballchance und den Siegestreffer zum 15:10 für Moers klar. Fünftes Saisonspiel, fünfter Erfolg, auch wenn der MSC in der Tabelle weiter nur Vierter ist. „Die Moral hat gestimmt im Team. Und die Stimmung war einfach nur geil. Das bisher aufregendste Spiel der Saison sollte uns weiter Rückenwind geben“, nahm Trainer Santos die positiven Aspekte mit in die Kabine.
Nach einem spielfreien Wochenende wartet auf die Adler eine harte Doppelaufgabe: Am 7. Oktober (16 Uhr) geht es zu VV Humann Essen II, tags darauf zum Topspiel bei der ebenfalls noch ungeschlagenen Eintracht Spontent in Düsseldorf. Spätestens am 8. Oktober wird sich zeigen, ob der MSC ein ernsthafter Kandidat für Platz eins sein kann.
MSC-Start-Sechs: D‘Amato, Pukownik, Bartsch, Broshog, Scrollavezza, Sorrenti; Libero: Illmer - eingewechselt: Haug, Lübke, Kugel, Pricken.