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Eyleen Rother ist eine von wenigen Fußball-Schiedsrichterinnen. In männlich geprägten Strukturen muss sie sich nicht nur gegen hitzige Spieler, sondern auch gegen Vorurteile behaupten. Trotzdem macht sie weiter und setzt sich für mehr Frauen im Fußball ein.
Von Sidney Joana Suchsland
"Ich habe doch eine Karte gezeigt, Nummer 29, komm mal bitte her, fahr dich mal ein bisschen runter und dann kannst du mit mir vernünftig reden." Schiedsrichterin Eyleen Rother hat das Sagen auf dem Platz. Knapp 1.590 Schiedsrichter gibt es in Brandenburg – darunter nur 83 Frauen. Eyleen Rother ist eine von ihnen. Als ihr ehemaliger Fußballverein nach neuen Schiedsrichtern sucht, denkt sich die 23-Jährige: "Wenn ich als Frau Fußball spielen kann, dann schaffe ich es auch noch, zu pfeifen." Gesagt, getan. Seit fünf Jahren steht sie als Unparteiische auf dem Fußballplatz. Mittlerweile in der Landesklasse in Brandenburg - also in der 8. Liga.
Dort ist Derby-Tag. Die ersten Herren des MTV Altlandsberg spielen gegen den SV Petershagen. Der Grill raucht, das Bier fließt, aus den Lautsprechern dröhnt die Vereinshymne. Das Publikum: größtenteils männlich. Zusammen mit den Spielern läuft auch Eyleen Rother mit blondem Pferdeschwanz zur Mittellinie. Die Partie verläuft ruhig. Nach Abpfiff wird sie von Spielern und Vereinsvorstand für ihre gute Leistung gelobt. Nicht selbstverständlich für die junge Schiedsrichterin. Oft wird mit zweierlei Maß gemessen, "wenn ein männlicher Schiri einen Fehler macht, ist es nicht so schlimm, aber wenn wir einen Fehler machen, dann schon", so Rother.
Schiedsrichterin Eyleen Rother kontrolliert vor der Partie das Tornetz (Quelle: rbb)
Obwohl Fußball ihre Leidenschaft ist, hat die Brandenburgerin bisher nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Im Gespräch mit dem rbb erzählt sie auch von grenzwertigen Erlebnissen: "Das war bei einem B-Jugend-Spiel. Da wurden Spieler auf dem Platz gewürgt, dann gab es eine Rote Karte [...] und der Spieler, dem ich die Rote Karte gezeigt habe, der hat mir dann fast ins Gesicht geschlagen. Das war wirklich ein Spiel, wo ich das kurz hinterfragt habe, aber wichtig ist dann dranzubleiben und die Unterstützung der anderen zu nutzen."
Die anderen, das sind vor allem ihre Kolleginnen, mit denen sie oft zusammen Spiele pfeift. Eine davon ist Lara-Sophie Günther. Auch ihre Erfahrungen zeigen: Was Eyleen Rother erlebt, ist kein Einzelfall. Für Schiedsrichterinnen ist es immer noch ein hartes Stück Arbeit, sich den nötigen Respekt auf dem Rasen zu erarbeiten. "Es macht viel aus, wenn man da als Frau steht, wir haben da nach wie vor ein bisschen Probleme mit der Akzeptanz von männlichen Spielern", erzählt Günther.
Und das, obwohl es einen großen Bedarf an Schiedsrichtern gibt und nur wenige zur Verfügung stehen. Lara-Sophie erzählt, dass vor allem auch sie den Spielbetrieb in Brandenburg am Laufen halten. Sie fasst es kurz: "Ohne uns geht’s nicht."
Das Schiedsrichterinnen-Gespann um Hauptschiedsrichterin Eyleen Rother (Quelle: rbb)
Mit offenen Armen werden die Frauen trotzdem nicht immer empfangen. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus: "Manchmal sagen sie erst: 'Eine Frau im Fußball, die kann doch nichts' und danach sagen sie: 'Das war aber doch gut' oder sie sagen direkt: 'Cool, dass eine Frau das macht' und respektieren dann auch die Entscheidungen von Anfang an", erzählt Rother.
Der Fußball-Landesverband Brandenburg hat sich im Rahmen des Projekts "Für mehr Frauen im Fußball" das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2028 circa 100 Schiedsrichterinnen zu melden. Um das zu schaffen, sollen unter anderem die Vernetzung und Kommunikation unter den Schiedsrichterinnen verstärkt sowie durch Workshops und Lehrgänge an Schulen mehr Frauen für das Ehrenamt begeistert werden.
Für mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz setzt sich auch Eyleen Rother ein. Im Fußballkreis Ostbrandenburg ist sie für die Unterstützung des Nachwuchses und der Frauen zuständig. Ein Engagement, das ihr am Herzen liegt. Sie wünscht sich, dass Frauen im Schiedsrichterwesen noch mehr bestärkt und respektiert werden.