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Die Formel 1 absolviert an diesem Wochenende das zweite von drei USA-Rennen der Saison. Die abwechslungsreiche Strecke in Austin ist seit ihrem Debüt 2012 eine der beliebtesten im Rennkalender bei den Fahrern - zumindest in Bezug auf die Streckenführung. Doch Probleme mit dem Asphalt machen sie seit Jahren zu einer Tortur.
Das wird auch 2026 nicht anders sein, ist Max Verstappen überzeugt. Der vierfache F1-Weltmeister konstatierte, dass der seit einem Jahrzehnt an Bodenwellen reiche Asphalt nochmal eine Spur holpriger geworden ist: "Von dem, was ich in der WEC gesehen habe, war es richtig schlimm holprig. Darauf freue ich mich nicht." Die Langstrecken-WM hatte Anfang September in Texas gastiert, also vor weniger als zwei Monaten.
"Diese Bodenwellen sind einfach inakzeptabel", so der Red-Bull-Fahrer, der schon nach Singapur sarkastisch auf dieses Problem aufmerksam gemacht hatte: "Ich muss wir wahrscheinlich nach dem Wochenende einen neuen Rücken bestellen oder wie ein Robocop werden. Verrückt." Dabei bedient er sich natürlich des Stilmittels der Übertreibung, aber zu seiner Grundaussage steht er: "Das ist alles kein Witz. Wir haben das schon seit Jahren erwähnt und es gerät inzwischen ein bisschen außer Kontrolle", wurde der vierfache USA-Sieger deutlich.
Die Kritik ist alles andere als neu. Schon 2023 hatte Verstappen die Streckenoberfläche als nicht formel-1-tauglich beschrieben, andere Fahrer äußerten in der Vergangenheit ebenfalls Kritik. Auch in der MotoGP, die jeweils im Frühjahr in Austin gastiert, gibt es praktisch alljährlich Beschwerden über den Untergrund. Das grundlegende Problem dabei ist ein geologisches. Die Strecke wurde auf einem ehemaligen Sumpfgebiet errichtet.
Bewehrungsstahl und extra dafür importierte Erde bis zu einer Tiefe von drei Metern, die durch eine Plastikfolie von der Originalerde getrennt ist, wurden beim Bau als Problemlösung verwendet. Allerdings sorgten starke Regenfälle 2015 dafür, dass sich auf dieser Folie das Wasser sammelte und die Strecke nach oben drückte. Obwohl dieser Schadensfall durch die Versicherung des Circuit of the Americas abgedeckt war, entschied man sich damals gegen eine vollumfängliche Sanierung der Strecke.
Stattdessen werden seitdem beinahe jährlich in Austin Bodenwellen abgetragen und einzelne Streckenabschnitte neu asphaltiert. 2026 bekam der Abschnitt von Kurve 9 bis Kurve 11 eine neue Asphaltschicht und es wurden Bodenwellen vor den Kurven 12 und 19 geglättet. Verstappen bezweifelt aber, dass diese einzelnen Korrekturen viel bringen: "Mit der Zeit haben sie hier und da ein bisschen gearbeitet. Aber damit gibt man nur ein Pflaster auf das große Problem. Das liegt unterhalb, und das ist es, was man in erster Linie angehen müsste", sagte Verstappen.
"Das würde natürlich bedeuten, dass man die Strecke komplett aufreißen müsste, und das kostet viel Geld und viel Zeit. Aber das ist ehrlicherweise der einzige Weg, wie man das loswerden könnte. Denn diese Bodenwellen sind nicht natürlich und sie geraten außer Kontrolle", unterstreicht der Niederländer den Handlungsbedarf.
Über die Bodenwellen wurden Verstappens Aussage zufolge bereits im Vorjahr vertikale Kräfte von über neun G gemessen - also dem neunfachen seines Körpergewichts. Zum Vergleich: In den Kurven wirken horizontal 'nur' etwa fünf bis sechs G auf den Fahrer. "Das macht keinen Spaß, vor allem je älter man wird", betont er.
In der Ground-Effect-Ära zwischen 2022 und 2025 waren Rückenbeschwerden in der Formel 1 ein großes Thema. Doch Verstappen findet, dass diese in Bezug auf Bodenwellen mit deren Ende nicht in den Hintergrund gerückt sind. Denn die Formel-1-Boliden können dank des Straight-Modes in der Saison 2026 erst recht tief abgestimmt werden und setzen dementsprechend mitunter hart auf, wenn sie in den Kurven wieder die volle Downforce nach unten drückt.
"Wenn sich die Flügel schließen und die Fahrzeughöhe nach unten geht, wird die Bremsphase zu einem sehr stressreichen Moment und hier ist es an einigen Stellen sehr holprig in der Bremszone. Manchmal muss nur eine Kleinigkeit neben der Ideallinie sein und man weiß nicht, wie es dort ist, weil dort kaum jemand fährt."
Bei Gesundheitschecks seien bei ihm schon Rückenprobleme diagnostiziert worden, wie Verstappen mitteilt: "Das untere Ende meiner Wirbelsäule sieht nicht sehr gut aus. Das sind natürlich auch Schäden, die von den Autos der letzten Jahre kommen. Aber wenn wir nun die Fahrt auf diesem Untergrund akzeptabel finden, dann wird man noch viel mehr Probleme damit haben."
Verstappen ist nicht der Einzige, der sich am Untergrund von Austin stört. Lando Norris pflichtet ihm bei. "Es ist ziemlich schlimm. Es gibt viele Stellen, für die ich Schmerztabletten nehmen muss, bevor ich rausfahre", teilt der amtierende Formel-1-Weltmeister mit. Und das nicht nur wegen des Rückens: "Es ist einfach so holprig, dass man mit seinem Kopf ziemlich stark an der Kopfstütze anschlägt."
Auch George Russell findet, dass die Formel 1 besondere Anforderungen an die Streckenoberfläche stellen müsse: "F1-Strecken sollten alle paar Jahre neu asphaltiert werden, um es ein bisschen konstanter zu gestalten. Denn wir sind jetzt auf Strecken, wo der Asphalt aufreißt, was noch mehr Probleme verursacht." Damit spielt er auf die Rennen in Monaco, Ungarn, Monza und zuletzt auch in Sepang an, wo an der Asphaltdecke im Lauf des Grand-Prix-Wochenendes Schäden aufgetreten waren.
"Wir sind nicht in einem IndyCar oder einem Formel-2-Auto, die mehr Bodenfreiheit haben. Unsere Fahrzeughöhe beträgt zehn Millimeter am Ende der Geraden, da spürt man die kleinsten Bodenwellen. Das Seitenprofil der Reifen ist bei den 18-Zollern jetzt viel kleiner, während der Umfang gleich geblieben und die Felge größer ist. Dadurch haben wir unsere gesamte Dämpfung durch die Reifen verloren", merkt der Mercedes-Fahrer zudem an.