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Mut – dieses Wort wurde in den vergangenen Tagen oder Wochen immer wieder strapaziert bei Borussia Dortmund. Meist war dann aber von fehlendem Mut die Rede. Fehlender Mut, der dazu führte, dass der BVB im Supercup gegen die Bayern nach einer schwachen ersten Halbzeit verlor. Oder gegen Werder Bremen nach 2:0-Führung noch den Ausgleich kassierte. Am Samstagabend, nach dem 2:2 im Bundesliga-Topspiel beim FC Bayern München, war wieder sehr viel von Mut die Rede. Diesmal aber schwärmten alle Spieler, Trainer und Verantwortlichen in Schwarz-Gelb von dem reichlich vorhandenen Mut, der dazu geführt hatte, dass der BVB ein 2:2 in München erspielte und einen Punkt aus der Allianz-Arena entführte.
Mut – das war auch das Thema dieses Abends, und den Ton hatte Niko Kovac schon vor der Partie gesetzt. Der BVB-Trainer hatte sich entschieden, die Partie statt mit einer Fünfer- mit einer Viererkette anzugehen, und hatte damit im Laufe der Woche erst seine eigene Mannschaft und im Spiel dann auch den Gegner überrascht. Die Bayern hatten sich erst in der zweiten Halbzeit so richtig auf die unerwartete Dortmunder Formation eingestellt.
Taktisch war das für diesen Abend genau die richtige Idee, weil der BVB dadurch einen Mann mehr im Mittelfeld hatte – was vor allem im Spielaufbau gegen die Münchener Pressingmaschine half. Ähnlich wichtig aber war die Maßnahme auch als Signal ans eigene Team. Ausgerechnet der Sicherheits- und Stabilitätsfanatiker Kovac opferte einen Abwehrspieler und zeigte seinen Spielern so: Wir fahren nach München, nicht nur, um Schadensbegrenzung zu betreiben und irgendwie glimpflich davonzukommen – sondern mit dem klaren Ziel, dort mitzuspielen und die Partie zu gewinnen. Es ist das eine, das zu erzählen, es ist ungleich wirksamer, das mit einer solchen Maßnahme vorzuleben.
Und das übertrug sich auf die Mannschaft, die ähnlich mutig agierte wie ihr Trainer, die es wagte, den radikal pressenden Münchenern mit einem flachen, kontrollierten Spielaufbau zu begegnen. Und auch während des Spiels half Kovac der Mannschaft mit seinen Entscheidungen. Er widerstand nach dem erneuten Rückstand der Versuchung, zu früh alles nach vorne zu werfen und den Bayern ins offene Messer zu laufen.
Erst als deren prägender Offensivmann Michael Olise verletzt vom Platz musste, setzte der Kroate mit einem zusätzlichen Stürmer das Signal zur Attacke. Das ging auf, der eingewechselte Fabio Silva schoss spät den 2:2-Ausgleich – und deswegen ist dieses Unentschieden letztlich ein Sieg für den oft als zu pragmatisch, zu defensiv, zu vorsichtig gescholtenen Kovac. Er und die Mannschaft haben gezeigt: Sie können auch anders. Das muss nun aber auch Verpflichtung für die Zukunft sein.