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Jürgen Klopp hat es überhaupt nicht gepasst, dass die schwelende Debatte über Joshua Kimmichs Stellenwert bei der deutschen Nationalmannschaft auch während des Duells zwischen dem FC Bayern München und Arsenal Thema war.
Kimmich hatte die Partie wegen eines Trauerfalls in der Familie verpasst, stattdessen - wie auch in den vergangenen beiden Länderspielen - bekleideten Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof das Zentrum beim 2:2 des deutschen Rekordmeisters gegen den Vorjahresfinalisten aus London. In der Halbzeit bei DAZN auf die bisherige Leistung des Duos angesprochen, echauffierte sich der Bundestrainer.
"Das sind Top-Partner, die können überragend zusammen spielen", antwortete Klopp zunächst und wurde mit lauter werdender Stimme dann bezüglich Kimmichs Fehlen deutlich: "Ich finde es heute nur absolut pietätlos, wenn wir da jetzt drüber reden. Wir können das ja nicht machen, ohne dass dann anschließend auch ein Kimmich-Thema daraus gemacht wird."
Klopp betonte, dass Kimmich ein "überragender Mittelfeldspieler" sei, "der in unserem Team immer einen Platz haben wird". Dennoch brauche das DFB-Team "ja mehr als einen Mittelfeldspieler", ergänzte der 59-Jährige: "Das ist eine Diskussion nur in diesem Land, wo es dann heißt, wenn einer mal nicht anfängt, dass er dann nie wieder spielt. Das ist richtig verrückt." Schließlich brauche ein gutes Team "mehr als einen, im Idealfall vier, fünf, sechs, um dann auch auf bestimmte Art Fußball spielen zu können."
Gleichwohl stellte Klopp klar, dass es Pavlovic und Bischof beim 2:0 gegen Serbien und 0:0 in Griechenland "super gemacht" hätten. "Aber das heißt nicht, dass das nicht auch mit Jo Kimmich funktionieren kann oder mit Felix Nmecha oder mit Mika Baur oder mit Jannik Engelhardt. Die haben das auch richtig gut gemacht." Für ihn und sein Trainerteam sei wichtig, "dass wir wissen, wen wir haben und wen wir dann aufstellen – das ist noch mal etwas ganz anderes." Klopp resümierte: "Ein grundsätzliches Thema gibt es da überhaupt nicht."
Im Zuge seines ersten Lehrgangs hatte Klopp ursprünglich 44 Spieler nominiert, die er auf zwei Kader aufteilte. Im ersten Aufgebot stand Kimmich. Nach den enttäuschenden Auftritten bei der Niederlande (1:1) und im Hinspiel gegen Griechenland (0:1) stand für ein Großteil die Heimreise an. Nur eine Handvoll Spieler blieben auch für die zweite Hälfte. Kimmich war keiner davon, obwohl er Klopp explizit darum gebeten hatte.
"Ja, er hat tatsächlich noch ein paar Mal nachgefragt", bestätigte Klopp kurz vor dem Serbien-Spiel und schob augenzwinkernd nach: "Aber da kann ich Jo sagen, je öfter man fragt, desto weniger wahrscheinlich bekommt man das, was man will." Gleichzeitig war Klopp schon darum bemüht, keine Debatte aufkommen zu lassen. "Er hat einen großartigen Eindruck gemacht und ist ein toller Kapitän. Es ist alles gut." Stattdessen wolle er die vielen neuen Gesichter in seinem Aufgebot "auch mal sehen, wenn die Platzhirsche nicht da sind" und witzelte: "Die Familie Kimmich hat jetzt Familienurlaub. Ich hoffe, er macht den auch, um ehrlich zu sein."
Nach dem überzeugenden Auftritt von Bischof und Pavlovic im Verbund mit Florian Wirtz war die Diskussion allerdings nicht mehr aufzuhalten. Einige Experten bzw. ehemalige Nationalspieler forderten gar Kimmichs Aus in der Nationalmannschaft. Kurios: Zuvor war vor allem Kimmichs Abreise kritisiert worden, obwohl Klopp die Maßnahme bereits im Zuge seiner Nominierung kommuniziert hatte.
Für den kommenden Lehrgang wird sich Klopp wieder auf einen komprimierten Kader festlegen, in dem aller Voraussicht nach auch Kimmich stehen wird. Die Nominierung soll Anfang November erfolgen, ehe zum Abschluss der Nations-League-Gruppenphase die Rückspiele gegen Serbien (13.11.) und die Niederlande (16.11.) warten.