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Im Fußball gibt es immer nur zwei Richtungen. Auf- oder abwärts. Nach vorne und wieder zurück. Jede Bewegung ist eng mit Erfolg oder dem Rauswurf verbunden, besonders im Trainergeschäft kennt die zusehends schneller werdende Fluktuation keine Einhalt. Die Premier League gilt als beste Fußballliga der Welt, sie, ihre Fans und Medien verzeihen keinen Fehler. Da kann die Verdienstliste noch so imposant sein: Erlebt ein Erfolgstrainer wie Oliver Glasner einen derart kapitalen Absturz, kennt man zumeist nur noch ein Szenario. Folgt nicht schleunigst ein Sieg mit folgender Trendwende, ist sein schnelles Aus bei diesem Traditionsverein besiegelt.
Neun Runden ist die englische Meisterschaft bereits alt und der von Crystal Palace (drei Trophäen, u . a. Conference League) weitergezogene Rieddauer scheint in Nottingham nicht glücklich. Der Hut brennt nach der fünften Niederlage (0:2 in Brentford), die Geduld der Fans droht zu kippen, die des griechischen Eigentümers und Reeders Evangelos Marinakis ist – obwohl er Glasner einst bei einem Dinner in Athen von seinem „Wandel“ überzeugt hatte – ohnehin nur eine Frage des Tagesbefindens. Und so wäre es für manch Kritiker keinesfalls verwunderlich, würde der Österreicher zum fünften Forest-Coach werden, der binnen eines Kalenderjahres seinen (hochbezahlten) Job verliert.
Das im Fußball und für Glasner bekannte Muster ist nun wieder offensichtlich. Jeder schreit nach Veränderung, allen voran der von zu vielen Seiten längst infrage gestellte Trainer, der wie schon bei Stationen in Wolfsburg, Frankfurt oder auch in Südlondon plötzlich anders kommuniziert und erstaunlich austeilt. Der Saisonstart sei miserabel, „das Spiel ist nicht gut genug“ und seine Profis müssten „mitziehen“, ansonst würde er bald daheim mit der Familie frühstücken. Mit ihm, das sagte er deutlich, müsse „niemand Mitleid haben“. Er könne in zwei Wochen schon bei jedem anderen Verein anfangen.
Solch Worte hörte man beim Abschied von Nuno Espirito Santo, Ange Postecoglou, Sean Dyche oder Vitor Pereira nie. Sie zählten sich selbst öffentlich nicht so an wie Glasner. Er träumte doch davon, wieder in der Champions League zu spielen, wollte zuwarten auf Chancen bei Topklubs, war in jeder großen Liga Europas mindestens einmal genannt worden als Anwärter im vergangenen Sommer – und es wurde doch das raue Nottingham, wo man ihm einen erstaunlich hoch dotierten Dreijahresvertrag gab, um mit diesem „schlafenden Riesen“ ebendiese Erfolge zu feiern wie mit Frankfurt oder Palace. Das übliche Spiel auf Zeit würde andere Rhetorik verlangen, der 52-Jährige aber duldet „keine Kompromisse“ mehr.
»Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich in manchen Punkten vielleicht zu viele Kompromisse eingegangen bin. Wenn die Mannschaft mitzieht, können wir die Wende schaffen - und wenn nicht, wird der sechste Trainer kommen.«
Wer mitziehen würde bei seiner Methode, in seinem (nicht immer zweckdienlichen) 3-4-2-1-System, der sei willkommen. Wer nicht, dürfe gehen, sagt Glasner offen. Darum fahre keiner alleine vom Auswärtsspiel heim, müsse er „nicht von den Spielern geliebt werden“. Nottingham braucht Siege, Glasner umso mehr. Jetzt warten Manchester City, Bournemouth und Chelsea – es gibt leichtere Aufgaben. Vor allem, weil der Torwart fortlaufend patzt, die Abwehr (zweölf Gegentore) löchrig steht und im Angriff einer fehlt, der Chancen (nur sechs Tore) auch verwertet. Das Team kreiert laut „opta“ starke Expected-Goals-Werte (xG), schneidet bei den tatsächlichen Toren und Punkten allerdings erschreckend schlecht ab. Und, ist das unglückliche Bild einmal gezeichnet, kommt auch Streitbares hinzu nach vielen knappen Referee-Entscheidungen und aberkannten Treffern.
Glasner, der bislang auffällig sicher im Sattel schien beim Hire&Fire-Eigentümer, hat sich mit diesen Aussagen selbst ins Rampenlicht manövriert. Gezielt oder unbewusst? Bleibt jetzt eine Reaktion seiner Mannschaft aus, wird der Verein reagieren.