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Als der Schlusspfiff ertönte, hatten die rund 1000 mitgereisten Bayer-Fans nur noch einen Namen im Mund. Sie feierten Jonas Hofmann mit Sprechchören, minutenlang, und dem 34-Jährigen gefiel es sichtlich. Bis zum Dienstag hatte er nicht einmal zum Europa-League-Kader gehört. Nun hatte er innerhalb von drei Minuten zweimal getroffen und das Spiel bei OFI Kreta im Alleingang entschieden. „Es ist eine typische Fußballstory, das tut schon sehr gut“, sagte er über sein internationales Comeback beim 2:0-Sieg. Über seine Nachnominierung sagte er trocken: „Ich glaube, die Entscheidung vom Verein war nicht so verkehrt.“
Das Wort vom Märchen kannte der Held selbst am besten. „Ja, es ist schon wie so ein Märchen“, sagte Hofmann. „Gerade weil man nicht nominiert ist und dann auch nicht so viel gespielt hat. Und jetzt auf Kreta, es ist ein besonderer Abend.“ Die Zahlen erzählen es nüchterner: in der Bundesliga kam er bisher nur zu drei Kurzeinsätzen, und in der vergangenen Saison waren ihm in 28 Pflichtspielen insgesamt nur drei Tore gelungen.
Nun zwei Treffer, und kurz nach der Pause hätte der dritte folgen können, doch Torhüter Klidman Lilo hielt. Das erste war ein Abstauber nach einer Parade des Griechen, das zweite ein Schuss aus der Mitte ins linke untere Eck, nach Querpass von Malik Tillman. Hofmann hielt es für technisch anspruchsvoll, weil der Ball nicht flach auf ihn zukam. Bayer schoss an diesem Abend mehr als 30-mal aufs Tor, in der 63. Minute nahm Martínez seinen Matchwinner vom Platz.
Auf den Fernsehbildern ist zu sehen, wie er nach dem ersten Tor lacht. „Wenn man all diese Szenarien im Kopf hat und weiß, wie das Fußballbusiness abläuft, musste ich schon ein bisschen schmunzeln“, sagte er. Ob ihm die Startelf nach den Wochen auf der Bank ungewohnt vorgekommen sei, wurde er gefragt. „Nö“, sagte er, „ich habe es schon über 300 Mal gemacht.“ Zu verdanken hatte er die Gelegenheit dem verletzten Martin Terrier. „Auf der einen Seite wünscht man sich solche Momente nicht“, sagte Hofmann, „aber auf der anderen Seite ist das wieder Fußball. Das Momentum dreht sich so schnell.“
Es hatte sich lange in die andere Richtung gedreht. In der Meistersaison 2023/24 stand Hofmann fast 2800 Minuten auf dem Platz und war an 20 Toren beteiligt. Danach schrumpfte seine Einsatzzeit unter Xabi Alonso auf gut 650 Minuten, unter Kasper Hjulmand kam er zurück und verschwand wieder. Im September zeigte Al-Shabab aus Saudi-Arabien Interesse, der Klub hätte ihn ziehen lassen. Hofmann sprach nach dem Spiel ohne Groll, aber deutlich. „Das Business heißt nicht immer, dass der, der am besten trainiert, am Wochenende auf dem Platz steht. Das musste ich leider schon des Öfteren hinnehmen“, sagte er. „Aber ich habe vor dem Spiel gesagt, ich bleibe professionell, und das bin ich geblieben. Das kann mir keiner nachreden. Ich gebe Gas im Training, das wird jetzt belohnt, und ich mache so weiter.“
Carles Martínez konnte sich bestätigt fühlen. „Jonas hat uns genau das gezeigt, was wir von ihm kennen“, sagte der Trainer. „Wenn ich ihn einsetze, brauche ich ihm nichts zu erklären. Er weiß, was wir wollen. Mit seinen beiden Toren hat er gezeigt, warum ich mich für ihn entschieden habe. Aber er war auch abgesehen von den Toren gut, hat gut verteidigt und dem Team geholfen.“
Simon Rolfes freute sich für Hofmann und räumte ein, dass solche Entscheidungen nie schön seien, wenn einer nicht auf der Liste steht. „Es zeigt mal wieder, wie der Fußball solche Geschichten schreibt.“ Eine Aufgabe gab der Sportchef dem Offensivmann mit: die Balance zu finden zwischen Ballsicherheit und Torgefahr. Den „hervorragenden Abschluss“ lobte er ausdrücklich.
Im Märchen genügt ein Abend. Im Profifußball muss Hofmann ihn bestätigen, schon am Sonntag (15.30 Uhr, Dazn) in Hoffenheim, nach nur zwei Tagen Pause. „Jetzt ist man irgendwie wieder eng dran, wahrscheinlich mehr Spiele zu machen“, sagte er. Sein Vertrag läuft bis zum Sommer 2027. Der Blick über den Ozean, den er vor drei Wochen als Möglichkeit nannte, kann vorerst warten.