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Seit Jahrzehnten gehört der sogenannte „Golden Swing“ im Februar zu den traditionsreichen Stationen der ATP-Tour. Die Sandplatzserie durch Südamerika bot Spezialisten auf diesem Belag unmittelbar nach den Australian Open regelmäßig attraktive Möglichkeiten. Doch die Anforderungen des modernen Tennis verändern sich rasant. Immer mehr Topspieler scheuen den abrupten Wechsel von Hartplatz zu Sand – und die anschließende Rückkehr auf Hartplatz für das wichtige „Sunshine Double“ in Indian Wells und Miami. Nun steht der traditionsreiche südamerikanische Abschnitt offenbar vor einem tiefgreifenden und dauerhaften Wandel.
In Argentinien könnte die Entwicklung ihren Anfang nehmen. Nach Informationen des bestens vernetzten Tennisjournalisten Sebastián Torok von La Nación ist der Wechsel des Belags beim ATP-250-Turnier in Buenos Aires ab 2028 praktisch beschlossene Sache. Nachdem die ATP die Turnierlizenz von Tennium übernommen hat, gehen Branchenkenner davon aus, dass die Ausgabe 2027 das letzte Kapitel des Sandplatztennis in der argentinischen Hauptstadt sein wird. Da sich die Turnierplanung stark an geografischer Nähe und einer möglichst durchgängigen Belagfolge orientiert, um die Belastung für die Spieler zu reduzieren, dürfte dieser Schritt auch die benachbarten Veranstaltungen in Brasilien und Chile unter Zugzwang setzen.
Die Turnierdirektoren sind sich der veränderten Rahmenbedingungen bewusst und bereiten sich bereits auf die Hartplatz-Revolution vor. Catalina Fillol, Direktorin der Chile Open in Santiago, äußerte sich kürzlich in einem offenen Interview mit Séptimo Game zu den kursierenden Gerüchten. Sie stellte klar, dass das Turnier 2027 noch traditionell auf Sand ausgetragen werde, schloss eine umfassende Neuausrichtung im darauffolgenden Jahr jedoch ausdrücklich nicht aus.
„Unser Ziel ist es, uns an die Entwicklung der Tour anzupassen und die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen, um weiterhin Spieler anzuziehen und das Turnier zu stärken“, erklärte Fillol. Dabei bestätigte sie, dass für 2028 sämtliche logistischen Szenarien geprüft würden – einschließlich eines Wechsels auf Hartplatz.
Um im Zuge der raschen Modernisierung des ATP-Kalenders nicht den Anschluss zu verlieren, investieren Santiago und Rio de Janeiro massiv in den Ausbau ihrer Infrastruktur. Das übergeordnete Ziel des möglichen Abschieds vom Sand ist klar: mehr Stars. Um sportlich relevant und wirtschaftlich tragfähig zu bleiben, müssen die Turniere Spitzenspieler anlocken, die ihre Vorbereitung auf die Hartplatzsaison priorisieren. Fillol unterstrich ihr Engagement für diese neue Ausrichtung und verriet, dass sie bereits erste Gespräche mit Top-10-Kandidaten wie Casper Ruud und Holger Rune aufgenommen habe. Ziel sei es, deren langfristige Teilnahme an einer grundlegend neu gestalteten Südamerika-Serie zu sichern.