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Der FC Bayern steht zusammen - und das ist beeindruckend zu sehen. © IMAGO/Sven Simon/IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Trauer, Verletzungen und ein Trainer im Krankenhaus: In einer der schwersten Wochen der Vereinsgeschichte liefert der Rekordmeister ausgerechnet jetzt den Beweis, dass die Zeiten des FC Hollywood vorbei sind.
Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Sabrina Schäfer sowie ggf. von Expertinnen oder Experten einfließen. Informiere dich über die verschiedenen journalistischen Textarten.
Fußballvereine sind oft fragile Gebilde. Manchmal genügt schon die kleinste Unruhe, zwei verlorene Spiele in Folge, an die Presse durchgestochene Kabinengespräche oder Ähnliches, das Konstrukt zum Wanken zu bringen. Dann wird plötzlich alles hinterfragt: das Management, die Trainerbank, einzelne Spieler.
Wenn man aus all dem Tragischen, Erschreckenden, das in den vergangenen Tagen rund um den FC Bayern vorgefallen ist, etwas Positives ziehen will, dann das: Der FC Bayern ist aktuell der wahrscheinlich stabilste Verein im Weltfußball.
Die Nachricht des Trauerfalls aus Joshua Kimmichs unmittelbarem Familienkreis wäre schon genug gewesen, um jeden anderen Verein - vor allem vor dem Topspiel in der Champions League gegen den FC Arsenal - aus dem Tritt zu bringen. Einerseits fehlt Kimmich als Kapitän, andererseits werden vor allem seine langjährigen Mitspieler auch mit ihm trauern. In jedem Fall ist die Situation emotional belastend.
Dazu kamen die Verletzungsmeldungen von Luis Diaz und am Samstag dann auch noch von Manuel Neuer .
Dass Trainer Vincent Kompany schon länger nicht mehr voll belastbar war, hatte man spätestens beim Bundesliga-Spiel beim FC Augsburg gesehen, als er bereits vor Schmerzen gestützt werden musste. Dass er gegen Arsenal dann wieder auf der Bank saß, war deshalb etwas überraschend. Aber eben auch nicht zu sehr, schließlich weiß man von Kompanys Umtriebigkeit. Wenn es irgendwie geht, dann ist er da.
Nur dass er sich dieses Mal und womöglich auch schon in den letzten Wochen offenbar zu viel zugemutet hat. Der Zusammenbruch des Trainers am Freitagabend erschreckte nicht nur den FC Bayern, sondern ganz Fußballdeutschland. Das Spiel der Bayern-Amateure, von denen viele Spieler die Szene live miterlebt hatten, wurde verschoben. Das Spiel der Profis gegen den SC Freiburg am Sonntagabend nicht.
Wohl auch, weil die Signale aus dem Krankenhaus recht schnell positiv waren. Am Samstag konnte Eberl vermelden, Kompany sei stabil. Entwarnung wollte er trotzdem nicht geben. "Wir werden nicht von Tagen reden, wir werden von Wochen reden. Das muss uns allen klar sein", gab Eberl einen Ausblick auf den Genesungsprozess des Belgiers, der den 3:1-Sieg des FC Bayern über den SC Freiburg vom Krankenhausbett verfolgen musste.
Es ist zu hoffen, dass ihm der Auftritt seines Teams etwas von dem Druck, den er sich selbst wohl am meisten macht, genommen hat. Denn der FC Bayern zeigte, dass er auch ohne Kompany an der Seitenlinie seinen Fußball umsetzen kann.
"Der Sieg ist für Vinnie, der Sieg ist für Jo, für seine Familie. Der Sieg ist für Lucho. Der Sieg ist für den FC Bayern und für diese Zusammengehörigkeit, die wir einfach jetzt brauchen", betonte Sportvorstand Max Eberl nach dem Spiel. Der Sieg sei viel mehr wert als drei Punkte, "weil es einfach eine große Leistung ist nach dem, was wir die ganze Woche erlebt haben oder erleben mussten."
Ähnlich äußerte sich auch Torhüter Jonas Urbig , der in Abwesenheit von Manuel Neuer einmal mehr eine sehr gute Leistung gezeigt hatte: "Für jeden Einzelnen war klar, dass dieses Spiel das Ende einer sehr, sehr schwierigen Woche ist, physisch, aber auch mental." Das Team habe für Kompany und Kimmich gespielt, bestätigte Urbig und fügte an: "Wir haben für unsere angeschlagenen Spieler gespielt, die heute leider nicht dabei sein konnten. Und ich finde, wie wir das diese Woche als Mannschaft, als Verein aufgefangen haben, wirklich außergewöhnlich."
Man muss ihm uneingeschränkt zustimmen. Das gesamte Team, gerade auch junge Spieler wie der viel gescholtene Lennart Karl oder auch Nene Brown, zeigten auf dem Platz Nervenstärke und Spielfreude. Harry Kane als Stabilisator der gesamten Mannschaft war einmal mehr überragend und Dayot Upamecano bewies mit seinem Tor sogar Stürmerqualitäten.
Dass die Bayern in der Schlussphase noch einmal wackelten, zeigt am Ende nur, dass sie eben auch Menschen sind, denen zwischenzeitlich die mentale Spannung abhandenkommen kann. Gerade, wenn man sich emotional in den Tagen zuvor bereits verausgaben musste. Urbig verhinderte das 2:2, Olise setzte den 3:1-Schlusspunkt. Damit steht der FC Bayern wieder an der Tabellenspitze der Bundesliga.
Und das in einem Jahr, das wohl zu den herausforderndsten gehört, die der Verein in seiner langen Geschichte je erlebt hat. Schließlich weiß der Verein auch schon seit Monaten um das Krankheitsbild von Jamal Musiala, der an einer Form von Epilepsie leidet und im Sommer zweimal auf dem Platz Absenzen erlitten hatte.
Schon zu diesem Zeitpunkt hatte der FC Bayern bewiesen, dass er nicht mehr der FC Hollywood ist. Nicht ein Mucks zu Musialas Zustand war nach außen gedrungen. Man überließ es dem Spieler selbst, die Diagnose bekannt zu geben, und wurde für diesen Zusammenhalt zu Recht gelobt.
Nun beweist der deutsche Rekordmeister erneut, dass man sich im Verein aufeinander verlassen kann. Dass er ohne Egos auskommt. Ob Trainerteam, Vorstand oder Mannschaft - der FC Bayern hat ein Konstrukt geschaffen, das auf einem festen Fundament steht und das offenbar nicht mal ein Sturm zum Einsturz bringt. Und das muss man auch mal neidlos anerkennen.