Zurück
Der Zusammenbruch von Vincent Kompany lässt in der Bundesliga niemanden kalt. Auch ohne seinen Trainer gewann der FC Bayern am Sonntagabend zwar beim SC Freiburg. Doch mit ihren Gedanken waren die Spieler natürlich auch bei ihrem Coach.
„Für jeden Einzelnen war klar, dass dieses Spiel das Ende einer sehr, sehr schwierigen Woche ist, physisch, aber auch mental“, sagte Jonas Urbig. „Wir hoffen einfach, dass er schnell wieder zurückkommt, aber sich auch die Zeit nimmt, weil wir ihn brauchen. Das ist ganz klar. Aber ich finde, wie wir das heute gemeinsam aufgefangen haben, das wird ihn sicherlich auch stolz machen.“
Kompany gratulierte nach dem Spiel per Nachricht an seinen Stellvertreter Aaron Danks, soll sich aber weiterhin erholen. Wie hart das Trainergeschäft ist, darüber packte am Sonntagabend auch Armin Veh aus.
Der langjährige Bundesliga-Coach, der 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister wurde, sagte bei Sky90: „Wenn du Trainer bist, dann denkst du wirklich nur an Fußball, und das denkst du die ganze Woche.“
Veh, der zuletzt bis November als Sport-Geschäftsführer beim 1. FC Köln tätig war und seitdem keinen Job im Bundesliga-Geschäft mehr angenommen hat, erinnerte sich bei sich selbst nur an eine einzige krankheitsbedingte Zwangspause. „Ich war in den 30 Jahren nur einmal nicht dabei. Da habe ich einen grippalen Infekt gehabt. Das war in Frankfurt, ein Pokalspiel mit Hamburg. Ansonsten war ich immer dabei, weil du, auch wenn du krank bist – und natürlich ist ein Fußballtrainer auch mal krank –, trotzdem dabei bist“, berichtete Veh.
In der Tat kommt es auffällig selten vor, dass sich Profi-Trainer trotz Krankheit bei ihrem Job an der Seitenlinie vertreten lassen. Kompany plagte vor seinem Zusammenbruch eine Virusinfektion. Er verpasste diverse Trainingseinheiten und Pressekonferenzen. Die Spiele gegen RB Leipzig und den FC Arsenal ließ er sich dennoch nicht entgehen.
„Du kannst es dir nicht leisten, dass du nicht dabei bist. Das ist komplett anders als bei einem Spieler“, sagte Veh. „Als Trainer hast du immer Druck, du machst dir tausend Gedanken und du hast Verantwortung. Und wenn du international spielst, musst du dich alle drei Tage immer wieder vorbereiten, weil du am Ende dastehst und die Dinge erklärst. Du baust die Mannschaft wieder auf, du baust den Spieler auf, hast den Staff und so weiter. Und das hast du alle drei Tage, und dann bist du irgendwann mal kaputt.“
Auch Lothar Matthäus, der vor seiner Karriere als TV-Experte jahrelang als Trainer im Ausland gearbeitet hatte, berichtete von ähnlichen Szenarien. „Ich habe vor 20 Jahren irgendwann mal Mannschaften trainiert, nicht auf dem allerhöchsten Niveau, aber trotzdem in der Öffentlichkeit und in der Verantwortung gestanden. Da schaut dir jeder zu“, so der DFB-Rekordspieler: „Deswegen willst du keine Fehler machen, du willst ja perfekt sein. Du willst dir danach auch nicht irgendwo etwas nachreden lassen, dass du irgendwas falsch gemacht hast: die Taktik, den falschen Spieler aufgestellt oder den Gegner vielleicht nicht so analysiert, wie es sein muss. Und diese Gedanken gehen dir vor allem nachts durch den Kopf, wenn du wach wirst und nichts um dich herum passiert. Dann war es so, dass ich um vier Uhr wach war und irgendwann um sieben Uhr Kaffee getrunken habe und drei Stunden an Fußball gedacht habe.“