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Sie ist eine der wenige deutschen Eishockeyspielerinnen, die den Sprung in die nordamerikanische Profiliga PWHL geschafft haben: Nun steht Laura Kluge (28), früher unter anderem für die Eisbären Berlin aktiv und heute Stürmerin bei den Boston Fleet, vor dem nächsten großen Highlight. Im Interview spricht die Nationalspielerin vor dem Start der Weltmeisterschaft in Dänemark über WM-Fieber, ehrgeizige Medaillenträume und die krassen Kontraste ihres Sports.
rbb|24: Laura Kluge, am Samstag starten Sie mit der deutschen Nationalmannschaft in die Eishockey-Weltmeisterschaft in Dänemark. Wie hoch ist Ihr WM-Fieber aktuell?
Laura Kluge: Im Moment reden wir noch von erhöhter Temperatur. Wir haben noch ein Testspiel. Zwar schon in Dänemark aber noch nicht an einem WM-Spielort. Das heißt, wir sind noch nicht bei 100 Prozent, aber die Vorfreude ist auf jeden Fall schon riesig.
rbb|24: Wie sehen die letzten Tage vor so einem WM-Start aus?
Kluge: Das ist ein Mix aus Training, Teambuilding und Regeneration.
rbb|24: Bis zum vergangenen Jahr haben die Eishockey-Weltmeisterschaften der Frauen normalerweise im Frühjahr eines jeden Jahres stattgefunden. Wie sinnvoll finden Sie es, dass ab jetzt im Herbst um den WM-Pokal gespielt wird?
Kluge: Es ist auf jeden Fall eine Umstellung, aber ich als Spielerin kann daran letztendlich gar nichts ändern und muss es so hinnehmen. Es ist aber wirklich alles andere als ideal. Weil die WM-Spiele so ziemlich meine ersten Saison-Spiele sind. Erst danach geht es mit meiner Saison in Amerika los. Ich war jetzt zum Beispiel noch gar nicht in Boston. Dafür habe ich jetzt alle meine Sachen mitgenommen, um danach gleich weiterzufliegen. Ich bin also mit einigen Koffern nach Dänemark gereist.
Ich war damals die Erste bei den Eisbären, die auch wirklich auf die Sportschule gegangen ist. Seitdem gab es viele Mädels, die es auch dorthin geschafft haben.Laura Kluge, Eishockey-Nationalspielerin
rbb|24: Glauben Sie, dass der neue Termin dem Frauen-Eishockey dabei helfen kann, in Deutschland populärer zu werden?
Kluge: Das kann durchaus zum Vorteil werden, weil im November normalerweise kein anderes Eishockey-Highlight ansteht.
rbb|24: Sie haben schon als Teenagerin in der Eishockey-Bundesliga auf dem Eis gestanden und zuletzt 2025 bei den Eisbären. Wie hat sich das Frauen-Eishockey in Deutschland in der Zeit verändert?
Kluge: Es ist noch Luft nach oben, aber auch ganz klar ein positiver Trend zu sehen. Ich war damals die Erste bei den Eisbären, die auch wirklich auf die Sportschule gegangen ist. Seitdem gab es viele Mädels, die es auch dorthin geschafft haben. Und ich glaube, dass sich das fortsetzt.
rbb|24: Aus Ihrer eigenen Erfahrung: Was vermisst man als Eishockeyspielerin in Deutschland am meisten? Aufmerksamkeit, Fans, Geld?
Kluge: Das hat alles miteinander zu tun. Sichtbarkeit kann extrem helfen. Das hat man bei Olympia gemerkt, dass es geholfen hat, dass unsere Spiele im Fernsehen übertragen wurden. Das macht es für Sponsoren attraktiver und somit kommt mehr Geld rein. Und natürlich hilft es auch extrem dabei, den Nachwuchs für sich zu gewinnen. Dass kleine Mädchen vor dem Fernseher sitzen und sehen, da spielen Frauen auf dem Eis - das möchte ich auch machen.
rbb|24: Kann man denn in Deutschland davon leben?
Kluge: Wir haben zum Glück die Möglichkeiten der Sportfördergruppen, zum Beispiel von der Bundeswehr. Da wird man, auch finanziell, sehr gut unterstützt. Ansonsten ist Frauen-Eishockey in Deutschland leider eher noch ein Hobby, bei dem man teilweise noch draufzahlen muss. Wir haben auch ganz viele Mädels in der Mannschaft, die 40 Stunden in der Woche arbeiten gehen und dann abends ins Training.
Das alles ist auf einem Niveau, das man mit dem Frauen-Eishockey in Deutschland einfach gar nicht vergleichen kann.Laura Kluge, Eishockey-Nationalspielerin
rbb|24: Sie spielen mittlerweile in den USA, genauer gesagt bei den Boston Fleet in der Professional Women's Hockey League. Wie anders ist diese Hockeywelt, in der sie dort leben?
Kluge: Auf jeden Fall eine ganze andere. Ich habe das große Glück, für mein Hobby bezahlt zu werden. Die Liga gibt es zwar auch erst seit drei Jahren, aber sie entwickelt sich stetig weiter. Wir haben teilweise fünf Trainer auf dem Eis, die voll bezahlt werden. Wir haben den ganzen Tag ein komplettes Social-Media-Team um uns herum, zwei Equipment-Manager. Für uns wird das Essen besorgt, die Unterkünfte. Meistens reisen wir schon zwei, drei Tage vor den Spielen an. Das alles ist auf einem Niveau, das man mit dem Frauen-Eishockey in Deutschland einfach gar nicht vergleichen kann.
rbb|24: Und noch dazu ist Boston ja auch eine echte Eishockey-Hochburg der USA.
Kluge: Das merkt man auf jeden Fall. Wir haben einen Zuschauerschnitt zwischen sechs und sieben Tausend. Das ist unglaublich und unfassbar schön, vor so einer Kulisse spielen zu können.
rbb|24: Zurück von Boston nach Dänemark. Was macht die Spiele und Turniere mit der Nationalmannschaft besonders?
Kluge: Es ist natürlich immer eine Ehre, den Adler auf der Brust tragen zu dürfen. Zumal bei einer WM. Und dann ist unsere Mannschaft super, wie so eine zweite Familie. Wir kennen uns schon so lange, haben immer Spaß zusammen.
rbb|24: Und mit welchen Zielen gehen Sie als Team in die WM?
Kluge: Ganz klar ist, dass wir wie immer ins Viertelfinale wollen. Aber ich glaube, dass wir vielleicht auch schon den nächsten Schritt machen und es ins Halbfinale schaffen können. Denn na klar, wer will nicht um eine Medaille mitspielen?