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Für diesen einen Moment gibt es nichts Wichtigeres auf der Welt. Wenn der Elfmeter von Harry Kane an die Latte klatscht, ist das für den FC Bayern und alle, die es mit dem Verein halten, ein Drama. Für sämtliche Dortmunder ist dieser Wimpernschlag der Saison der größtmögliche Erfolg über das Schicksal. Das ist das Privileg von Sport, Spaß und Spiel. Selbstverständlich ist ein von Harry Kane verschossener Strafstoß im gesamtgesellschaftlichen oder gar globalen Kontext irrelevant.
Er ist sogar innerhalb der Mannschaft nahezu egal. Joshua Kimmich musste gerade Abschied von seinem verstorbenen Vater nehmen. Vincent Kompany kann die Mannschaft nicht trainieren. Seinetwegen wurde ein Rettungshubschrauber ans Trainingszentrum beordert. Die Mikro-Dramen einer Saison oder eines Spiels sind unbedeutend, wenn nur der große Zusammenhang betrachtet wird. Wer nur im Großen denkt und lebt, verzweifelt an der Welt oder entwickelt Größenwahn. Beides ist ungesund.
Nach dem Spiel lässt sich leicht sagen, es handle sich nur um ein Spiel. Während des Spiels aber kann dieses Spiel alles bedeuten. Die armen, die diesem Faszinosum nie ausgesetzt sind. Selbstverständlich nehmen viele das Treiben auf dem Feld viel zu wichtig. Das betrifft Spieler und Fans gleichermaßen. Es war zumindest interessant, mit welch Verve die Kenner (vermeintliche und wirkliche) darüber debattierten, welchem Multi-Millionär ein güldenen Ball überreicht werden sollte.
Letztlich erhielt ihn jener Profi, der am wenigsten lautstark darum warb. Manchmal ist Fußball auch lehrreich. Unter anderem auch dann, wenn der ausgewiesene Weltbeste den Ball aus elf Metern nicht im Tor unterbringt. Früher im Spiel des Ersten gegen den Zweiten hatten sich Ismael Saibari und Serge Gnabry so schwer verletzt, dass sie ihrem Beruf einige Wochen oder Monate nicht nachgehen können. Auch das: kleine Dramen. BVB-Trainer Niko Kovac umarmte Joshua Kimmich während des Spiels. Er hatte dem Münchner schon unter der Woche kondoliert. Selbst auf dem Feld gibt es manchmal Wichtigeres als Fußball.
Fabio Silva trifft kurz vor Schluss zum Ausgleich, wenig später klatscht der Ball von Lennart Karl an die Latte. Zentimeter, die Jubel von Seufzen unterscheiden. Die große Welt in der kleinen. Mikro-Dramen, Glück, Pech – und die Gleichzeitigkeit davon. Dortmund und Bayern haben wunderbare Unterhaltung geboten. Dieses Spitzenspiel wird vielen Akteuren lange in Erinnerung bleiben.