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Schon seit Wochen tanzen die jungen Wilden von Hertha BSC durch die 2. Fußball-Bundesliga. Nun scheint auch beim 1. FC Union die Stunde des Nachwuchses geschlagen zu haben. Vor dem Auswärtsspiel gegen den FC Augsburg war die Jugend in aller Munde. Bei Hertha wurde daraus einst der „Berliner Weg“. Bei Union will man das öffentlich noch nicht so bezeichnen, aber zumindest Ansätze eines Köpenicker Wegs sind durchaus zu erkennen.
Das beste Beispiel dafür war zuletzt Mekhi Gray. Bis vor einigen Wochen war der 19-jährige Stürmer nur den wenigsten Menschen ein Begriff. Am Sonnabend gegen Augsburg (15.30 Uhr/Sky) kann er schon auf seinen dritten Bundesliga-Einsatz hoffen.
Mit seinen Einwechslungen gegen Elversberg und Borussia Dortmund hat sich Gray schnell in die Herzen der Union-Fans gespielt. Auch Trainer Mauro Lustrinelli schwärmte am Donnerstag von einem Spieler, der „immer Vollgas gibt“ und gerade gegen Dortmund „viel richtig gemacht hat“.
Dabei ist Gray keine Ausnahme. Gegen Dortmund standen mit ihm, Aljoscha Kemlein und Linus Güther gleich drei Spieler aus dem eigenen Nachwuchs für Union auf dem Platz. In einem Pflichtspiel gab es das zuletzt vor zehn Jahren, als Steven Skrzybski beim Pokalspiel gegen den MSV Duisburg in der Startelf stand und Christopher Quiring und Eroll Zejnullahu in der Nachspielzeit eingewechselt wurden.
Wir haben nun gezeigt, dass die Türen offen sind.
Trainer Mauro Lustrinelli über die neue Jugendwelle bei Union
Die neue Jugendwelle ist einerseits der Not geschuldet. Durch die Verletzungen von Andrej Ilic und Oliver Burke waren die Optionen im Angriff zuletzt begrenzt. Mit seiner physischen Spielweise hat Gray genau diese Lücke gut gefüllt. Und gleichzeitig deutet sein Sprung in die erste Mannschaft auf einen größeren Kulturwandel hin.
„Als wir dieses Projekt begonnen haben, haben wir gesagt, dass wir Union eine neue Spielweise geben und gleichzeitig die Jugend fördern“, sagte Lustrinelli auf der Pressekonferenz vor dem Spiel in Augsburg. „Wir haben nun gezeigt, dass die Türen offen sind.“
© imago/Matthias Koch/imago/Matthias Koch
Dabei wurde der Nachwuchs jahrelang fast schon bewusst links liegen gelassen. Die U23-Mannschaft hat Union 2015 aufgelöst, auch in den Jahren danach gab es fast kein Eigengewächs, das den Sprung zu den Profis schaffte. Die einzige Ausnahme blieb lange Tim Maciejewski, der 2020 immerhin auf einen einzigen, siebenminütigen Bundesliga-Einsatz gegen Arminia Bielefeld kam.
Seit der Etablierung in der Bundesliga verfolgt Union aber eine andere Strategie. Mit dem Bau des neuen Nachwuchsleistungszentrums am Bruno-Bürgel-Weg will sich Union auch in puncto Jugendförderung als Nummer eins im Berliner Fußball positionieren. Und das soll sich eher heute als morgen auch im Profikader widerspiegeln.
Mit Kemlein, David Preu und nun auch Güther und Gray haben zuletzt mehrere Spieler aus der eigenen Jugend ihre Chance in der Bundesliga bekommen. Während die meisten von ihnen nach wie vor den Sprung aus der U19 machen müssen, gibt es mittlerweile auch ein weiteres Sprungbrett. Ab dieser Saison spielt Union auch bei der neu gegründeten U21-Liga mit.
Das Ziel verfolgte man dabei in der Vergangenheit nicht immer geradlinig. Als Kemlein etwa 2024 von seiner Leihe zum FC St. Pauli zurückkehrte, wurde er zur künftigen Identifikationsfigur auserkoren, seine Integration in die erste Mannschaft vom Vereinspräsidenten Dirk Zingler zur Chefsache erklärt. Zwei Jahre später kämpft der 22-Jährige aber immer noch um einen Stammplatz.
Diese Woche prophezeite Lustrinelli auch Kemlein eine große Zukunft, mahnte aber auch zur Geduld beim neu eingeschlagenen Weg. Nur, wenn das Team in sich gefestigt ist, könne man auch junge Spieler integrieren. Und auch dann müsse man immer den richtigen Moment finden.
Zumindest grundsätzlich ist der Weg aber mittlerweile eingeschlagen. Auch in dieser Woche waren Präsident Zingler und Sportchef Horst Heldt beim Spiel der U21 an der Dörpfeldstraße vor Ort. Wie Lustrinelli am Donnerstag betonte, hatten sie da nicht nur Top-Talent Güther im Auge.
„Es war auch wichtig zu schauen, welche anderen Jungs für die nächsten Wochen interessant sind“, so der Trainer. „Wenn sich jemand gut entwickelt, dann bekommt er mal die Möglichkeit, mit uns zu trainieren. Wie gesagt: Die Türen sind offen.“