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Darmstadt 98 macht beim 1:1 gegen den 1. FC Magdeburg kleine Fortschritte, die Trainer Florian Kohfeldt im schwierigen Abstiegskampf der zweiten Liga vollkommen genügen.
Es hat schon weitaus weniger vergnügliche Fußballsamstage im Leben des Florian Kohfeldt gegeben. Da war zum einen das Remis des SV Darmstadt 98 gegen den 1. FC Magdeburg (1:1), mit dem der Trainer schnell im Reinen war. Danach freute er sich, dass sein Heimatverein Werder Bremen weiter auf einer Erfolgswelle reitet, denn mit Torjäger Niclas Füllkrug tauscht er regelmäßig Nachrichten aus. Die Verbundenheit besteht seit anderthalb Jahrzehnten. Genau wie am Ende bei den Hanseaten muss Kohfeldt jetzt wieder einen Abstiegskampf bestreiten, der ihm einiges abverlangt. Unter anderem die Attitüde, den eigenen Anspruch aufzugeben, um das Minimalziel in der Zweiten Bundesliga zu erreichen. Er könne mit dem Punkt zwar ein „bisschen schlechter“ als der Kollege Petrik Sander leben, aber unter dem Strich stimme der Trend.
Unentschieden gegen den Bundesliga-Absteiger St. Pauli (0:0) und das Fast-Spitzenteam Magdeburg zu spielen und zwischendrin im DFB-Pokal bei der SV Elversberg (2:0) weiterzukommen, sei in Ordnung: „Das zeigt, dass uns der Rückschlag (0:5 in Karlsruhe) nicht aus der Bahn geworfen hat.“ Der 44-Jährige freute sich, dass es nach dem Paradigmenwechsel zu mehr defensiver Stabilität „kaum Chancen für den Gegner“ gab. Er habe jedenfalls „Leidenschaft und fußballerische Fortschritte gesehen“. Letzteres gewiss bloß in Spurenelementen, aber seine Mannschaft mühte sich nach Kräften, um nach einem frühen Rückstand zurückzukommen.
FCM-Schlitzohr Baris Atik hatte sich viel Zeit gelassen, um eine Ecke flach auf den kurzen Pfosten zu ziehen: Darmstadts Schlussmann Marcel Schuhen sah nicht glücklich aus, Tobias Müller staubte ab (14.). Dass sich der Darmstädter Ausgleich noch vor der Pause abzeichnete, wird niemand der mehr als 17.000 Zuschauer bezeugen, weil die selbstbewussten Gäste aus Sachsen-Anhalt anfangs mehr als 80 Prozent Ballbesitz hatten. Am Böllenfalltor regte sich deswegen erster Unmut.
Denn der Angriff mit dem überforderten Fynn Lakenmacher hatte eigentlich kaum einen Stich gemacht, als plötzlich Milan Smit die Kugel mit der Ferse über die Linie bugsierte (37.). Ein Zaubertor des 23 Jahre alten Niederländers. Kohfeldt erklärte später, der Laufweg sei herausragend gewesen.
Er habe der schon im Pokal erfolgreichen Leihgabe von Stoke City geraten, bei aller Kritik locker zu bleiben, „dann passiert so ein Tor“, sagte Vorlagengeber Marco Richter, der im Training ähnliche Kunststücke vom Kollegen kannte. Vergangene Saison lief bei den Lilien nur deshalb so gut, weil Isac Lidberg (17 Saisontore) und Fraser Hornby (elf) stets aus wenig viel zu machen wussten. Wobei der agile Richter diesmal mit einem Pfostenschuss (10.) und einem knapp zu hoch angesetzten Dropkick (71.) ansonsten die besten Möglichkeiten besaß.
Dafür gab’s ein Sonderlob für den oft unsteten Kanonisten. „Das war in der Summe sein bestes Spiel“, sagte Kohfeldt. „So ist er ein Führungsspieler.“ Der einst beim FC Bayern ausgebildete, in seiner Anfangszeit beim FC Augsburg sogar mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebrachte 28-Jährige hatte den Lilien wegen seiner ständigen Leistungsschwankungen immer wieder Rätsel aufgegeben.
Im Frühjahr wollte der Coach beim Offensivspieler schon mal einen Reifeprozess beobachtet haben: „Er lässt die Kindergartensachen weg und fängt an, Erwachsenenfußball zu spielen.“ Es war, wie Kohfeldt heute weiß, ein vorschnelles Lob.