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Mit jetzt acht Punkten nach vier Spielen ist der FC Bayern in der Champions League voll zurück auf Kurs direkte Achtelfinal-Qualifikation. Trotz zahlreicher Ausfälle und unter einem gewissen Druck nach zwei CL-Remis in Serie konnten sich die Münchner am Dienstagabend im Metropolitano mit 2:0 gegen Atletico Madrid durchsetzen.
Und zwar in beeindruckender Manier. Die Bayern dominierten die Partie von Beginn an und konnten nach einer torlosen ersten Hälfte in den zweiten 45 Minuten noch einmal eine Schippe drauflegen. Lennart Karl sorgte mit seinem cleveren Ballgewinn und überlegten Chip-Abschluss zum 1:0 für den Dosenöffner in der 54. Minute. 'Man of the Match' Konrad Laimer hämmerte 20 Minuten später die Kugel zum Endstand in die Atleti-Maschen.
"Das war totale Dominanz von der ersten bis zur 93. Spielminute."
Manuel Neuer (Amazon Prime)
Die Presse in Spanien geriet angesichts des FCB-Auftritts in Madrid ins Schwärmen über die 'Bestia Negra', die am Dienstagabend in Weiß aufgelaufen war.
"Bayern war ein Dampfhammer."
Marca
"Bayern unterwirft Atletico und hält ihm den Spiegel vor. Eine perfekt geölte Maschine, der dieses Atletico nicht gewachsen ist", titelte die Mundo Deportivo. Die in Madrid ansässige Marca schrieb: "Bayern war ein Dampfhammer – fußballerisch und auch im Hinblick auf Entschlossenheit war das für Atletico eine Nummer zu groß." Die AS meinte: "Eine Spitzenmannschaft erobert das Metropolitano."
Das perfekte Fazit. Die eigentlich sehr heimstarken Rojiblancos mussten gegen die Bayern nach neun ungeschlagenen Spielen in Serie wieder eine Pleite hinnehmen. Während die Hausherren kaum Chancen auf Erfolg hatten, konnten die Gäste Atleti fast über die komplette Spielzeit hinweg einschnüren.
"Es wird immer viel geschrieben drumherum, aber wir sind sehr überzeugt mit unserem Kader."
Konrad Laimer (Amazon Prime)
Entsprechend selbstbewusst gab sich Laimer nach der Partie: "Wir sind ins Spiel gegangen und wir wussten, was wir können. Es wird immer viel geschrieben drumherum, aber wir sind sehr überzeugt mit unserem Kader. Wir haben über 90 Minuten gezeigt, wie wir Fußball spielen können und wollen."
Kurzer Ausflug ins Wörterbuch: Resilienz bezeichnet die psychische Widerstandsfähigkeit von Menschen.
Die stand beim FC Bayern in den vergangenen Tagen mehrfach auf dem Prüfstand. Der Cheftrainer fehlt, nachdem er zuvor zusammengebrochen war. Mittelfeld-Chef Joshua Kimmich trauert um seinen Vater. Und zahlreiche Offensiv-Stars haben sich verletzt.
Allen Widerständen zum Trotz ist der FC Bayern ruhig geblieben. Die Bosse um Sportvorstand Max Eberl strahlen diese aus, die Mannschaft scheint noch enger zusammengerückt.
Dieser FC Bayern präsentiert sich als homogene Einheit! Das hat man in Madrid deutlich gesehen.
Erkenntnis zwei baut direkt auf Erkenntnis eins auf. Mia san mia ist für dieses Team nicht nur eine Floskel, es wird gelebt.
Die Bayern halten immer an ihrem Plan fest, wollen den Gegner dominieren. Und haben trotz aller personellen Probleme das Selbstverständnis, dass das auch gelingt.
Setzt man das dann so um wie nun gegen Atletico, wird das Selbstvertrauen nur noch mehr wachsen. Gute Nachrichten für alle Bayern-Fans – und schlechte für alle anderen!
Viel gescholten, kritisiert und angezählt. Auf Lennart Karl prasselte zuletzt viel ein. Man mag festhalten können, dass das auch selbstverschuldet war. Man muss aber auch festhalten, dass Karl erst 18 Jahre alt ist und es zuvor in seiner noch jungen Karriere ausschließlich steil bergauf ging.
Wichtig ist auch, sich in Erinnerung zu halten, dass Karl aus einer schwereren Muskelverletzung kommt. Dass das Bayern-Juwel in seinem Alter noch Schwankungen ausgesetzt ist, sollte ebenfalls offensichtlich sein.
Zuletzt war bei seinen Leistungen schon ein leichter Aufwärtstrend erkennbar. In Madrid setzte sich dieser fort. Obwohl Karl über weite Teile des Spiels Schwierigkeiten hatte, sich gegen die engmaschige Atleti-Defensive in Szene zu setzen. In Hälfte eins hatte er dann eine große Gelegenheit, setzte die Kugel aber über das Tor.
Dennoch blieb Karl engagiert und belohnte sich kurz nach dem Seitenwechsel. Gedankenschnell luchste er Robin Le Normand im Atletico-Strafraum den Ball ab und chipte die Kugel dann gekonnt über Jan Oblak zur 1:0-Führung ins Tor. Der Jubel im Anschluss mit den Teamkollegen sprach Bände.
"Er wird noch eine große Karriere vor sich haben."
Laimer über Karl (Amazon Prime)
Nicht nur die hatten nach dem Spiel viel Lob für Karl übrig: "Er ist für uns ein wichtiger Spieler. Das haben wir auch nie in Abrede gestellt. Er hat heute genauso mitgearbeitet, ist unfassbar fleißig gewesen und dann belohnt er sich mit einem Tor", meinte Max Eberl.
Co-Trainer und Kompany-Vertreter Aaron Danks fügte hinzu: "Über Lennart wurde zuletzt sehr viel gesprochen. Er ist ein junger Spieler und hat eine sehr starke mentale Verfassung bewiesen. Er glaubt einfach an sich selber. Er hat richtig gut gespielt und sein Tor war am Ende die Kirsche auf der Sahnetorte. Ich freue mich sehr für ihn und die Mannschaft."
Konrad Laimer geriet sogar regelrecht ins Schwärmen: "Er wird noch eine große Karriere vor sich haben", so der Österreicher. Fügte aber auch hinzu: "Er ist noch jung, er muss noch lernen, er muss noch einen Schritt machen. Er ist aber auf einem super Weg und ich freue mich riesig für ihn."
Konrad Laimer wurde von der UEFA zum Spieler des Spiels gewählt. Kein Wunder, schließlich war das österreichische Laufwunder mal wieder gefühlt überall auf dem Platz, gewann fast jeden Zweikampf und glänzte dann auch noch als Torschütze.
Verdient hätte die Auszeichnung aber auch Dayot Upamecano. Der FCB-Abwehrchef ist ein wahres "Monster" – im besten Sinne. Am Franzosen ist einfach kein Vorbeikommen. Immer wieder ist er erfolgreich, wenn er mutig nach vorne verteidigt. Und dann zeigt er auch noch offensive Ausflüge, wie man sie in München nur von Prime Lucio kannte.
Am Dienstagabend in Madrid haben die beiden Bayern-Verteidiger pure Weltklasse verkörpert!
Egal wie groß die Personalsorgen sind und wer letztlich auf dem Platz steht: Die Bayern verfolgen einen klaren Plan, der die Handschrift von Cheftrainer Vincent Kompany trägt.
Gegen Atletico wurde dieser perfekt umgesetzt. Mit dem Ball und ohne waren die Münchner dominant. Atletico konnte kaum mal zu gefährlichen Kontersituationen ansetzen, weil die Bayern im Gegenpressing voll da waren. Die Gier, Zweikämpfe erfolgreich zu führen, war durch den Fernseher zu spüren.
Das Kompany-System ist auf Dominanz ausgelegt. Dass die Bayern diese gegen eine so unangenehm zu bespielende Topmannschaft wie Atletico auf den Platz bringen konnten, ist ein wichtiges (Titel-)Signal.
Die Einstellung des CR7-Rekords hat Harry Kane verpasst. Nachdem der Bayern-Superstar in zehn Champions-League-Spielen in Folge getroffen hatte, blieb er in Madrid ohne eigenes Tor.
Immerhin konnte Kane das 2:0 von Laimer stark auflegen. Dabei hatte sich der Ballon-d'Or-Sieger einmal mehr aus dem Strafraum in den Zehner-Raum fallen lassen.
Kane war mal wieder überall. Mittlerweile ist das in seinem Spiel ein Markenzeichen geworden. Die Metamorphose vom reinen Neuner zu 'Mister Everywhere' gibt dem FCB-Spiel zwar ein neues Element. Gegen Atletico hat sich aber auch gezeigt, dass Kane nicht übertreiben sollte.
Gegen die meist tiefstehenden Rojiblancos fehlte der Torjäger allzu häufig im Sturmzentrum. So gab es gar keinen Abnehmer in der Mitte, wenn sich die Bayern mal über außen durchspielen konnten. Es ist zwar gut, dass sich Kane hin und wieder der Bewachung der Innenverteidiger entzieht und so nicht greifbar ist – die Bayern brauchen ihren Torjäger aber wieder häufiger da, wo er auch zum Abschluss kommen kann.