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Gregor Kobel war bestens gelaunt. Der Torhüter von Borussia Dortmund stand im Bauch der Münchener Allianz-Arena, lehnte lässig an ein Geländer und sprach über das kurz zuvor zu Ende gegangene Bundesliga-Spitzenspiel beim FC Bayern München. Die gute Laune hatte ihre Ursache natürlich im Ergebnis: Die Dortmunder hatten den Münchenern ein 2:2-Unentschieden abgetrotzt, das sich aus ihrer Sicht nach deutlich mehr anfühlte. Weil der Ausgleich durch Fabio Silva erst in der Schlussminute gefallen war, nachdem Konrad Laimer (38.) und Dayot Upamecano (66.) für die Hausherren getroffen und Serhou Guirassy (60.) schon einmal ausgeglichen hatte. Und wegen der Art und Weise, in der dieses Unentschieden zustande gekommen war.
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Kobels Augen leuchteten regelrecht, als er auf die taktische Herangehensweise von BVB-Trainer Niko Kovac angesprochen wurde. „Ich fand das richtig gut“, sagte er. Kovac nämlich hatte die Münchener im Spitzenspiel überrascht, wie er im Laufe der Woche auch seine Mannschaft überrascht hatte. Da nämlich hatte er zunächst die Innenverteidiger und Führungsspieler Nico Schlotterbeck und Waldemar Anton beiseite genommen und ihnen offenbart, dass er in München gerne auf eine Viererkette in der Abwehr setzen würde. „Er hat gefragt, wie wir dazu stehen“, berichtete Schlotterbeck. Und er wollte wissen, ob die beiden sich die Formation zutrauen würden, die sie seit rund anderthalb Jahren so nicht mehr gespielt hatten.
Und da sich Schlotterbeck grundsätzlich sehr vieles zutraut, war der Stabilitätsfanatiker Kovac darin bestärkt, ausgerechnet im Auswärtsspiel bei einer der besten Mannschaften der Welt, auf einen Abwehrspieler zu verzichten. Der Gedanke dabei: Diesen Mann nutzen, um der Münchener Dominanz im Zentrum des Spielfeldes mehr entgegenzusetzen und auch gegen die gewohnt offensiven Außenverteidiger eine klare Zuordnung zu haben. Aber über die taktischen Aspekte hinaus steckte auch ein Signal in dieser Aufstellung: „Das zeigt das Selbstvertrauen, das der Trainer hat“, erklärte Kobel. „Und es zeigt sein Vertrauen in uns als Mannschaft.“
Der Ton war damit schon vor dem Anpfiff gesetzt, das klare Signal des Dortmunder Trainers: Wir fahren nach München, um mitzuspielen und am Ende etwas mitzunehmen. „Wir waren mutig aufgestellt und mutig eingestellt“, lobte Sportdirektor Ole Book. „Ich glaube, es ist unerlässlich, dass man in München auch mutig ist, denn sonst erdrücken die Bayern dich natürlich.“ Nun aber waren die Münchener erst einmal überrascht, brauchten eine Weile, um sich zu sortieren. Zur Halbzeit hatten beide Mannschaften gleich viel Ballbesitz, und das sieht man in München ungefähr so oft wie Altbier beim Oktoberfest. Und so ergab sich ein Spitzenspiel, das den Namen auch verdiente. Weil sich zwei Mannschaften auf hohem Niveau begegneten, die beide gewinnen und zu diesem Zweck rasant nach vorn spielen wollten.
Natürlich war Teil der Wahrheit, dass der FC Bayern deutlich mehr und auch die klareren Chancen hatte: Harry Kane verschoss einen Elfmeter und traf noch einmal den Pfosten, Michael Olise und Lennard Karl scheiterten an der Latte. Die Dortmunder aber konzentrierten sich in ihrer Analyse lieber auf andere Dinge, etwa ihre in der Vergangenheit oft bemängelte Mentalität. Es hat in dieser Spielzeit schon so manche Mannschaft gegeben, die nach einem Rückstand in München einbrach und eine heftige Packung kassierte. Die Borussen kennen das aus ihrer Vergangenheit. Nun aber trotzten sie allen Widrigkeiten, der doppelte Rückstand brachte sie ebenso wenig aus dem Konzept wie ihr wegen Abseits aberkannter vermeintlicher Führungstreffer. „Der Trainer und sein Team arbeiten ja schon seit fast zwei Jahren an diesem Mindset“, sagte Book. „Daran, dass wir echt hart werden und eine Gewinnermentalität haben.“
Und weil auch spielerisch deutliche Fortschritte zu sehen waren gegen eine Mannschaft, die ihre Kontrahenten gerne über den gesamten Platz jagt, nahmen die Dortmunder reichlich Selbstvertrauen mit, als sie spät abends die Rückreise antraten. „Unsere Mannschaft ist gut“, sagte Schlotterbeck. „Ihr seht das ja nicht so viel, aber ich sehe uns täglich im Training. Ich glaube, dass manche Spieler gar nicht wissen, wie gut sie sind.“ Reicht das auch, um den Bayern über die gesamte Saison Paroli zu bieten? „Wir können was reißen, aber die Bayern sind der Favorit, wir sind der Jäger“, meinte Schlotterbeck. „Aber wenn wir so auftreten wie heute, können wir uns auf jeden Fall eine Chance ausrechnen, dass wir den Kampf lange offenhalten.“ Nach wie vor stehen beide Mannschaften punktgleich auf Rang eins und zwei der Tabelle – und aus BVB-Sicht darf das gerne sehr lange so bleiben.