Zurück
Zu Stan Wawrinkas letztem Turnier in Basel möchte ausgerechnet jener Rivale auf die Tribüne, den er auf dem Weg zu allen drei Grand-Slam-Titeln besiegte. Novak Djokovic bat Turnierpräsident Roger Brennwald darum, Wawrinkas Auftaktmatch besuchen zu können. Die Geste gibt dem Abschied des Schweizers eine Bedeutung, die über eine übliche Ehrung hinausgeht.
Anerkennung von einem großen Gegner erzählt etwas anderes als eine Aufzählung von Erfolgen. Sie zeigt, welchen Eindruck ein Spieler bei denen hinterlassen hat, die seine besten Leistungen unmittelbar gegen sich erlebt haben. Für Wawrinka passt das besonders gut. Seine Karriere lässt sich nicht nur über seine Stellung neben anderen Stars erklären, sondern auch über die Momente, in denen er sie übertraf.
Brennwald berichtete Blick, Wawrinka habe ihn im Frühjahr nach Basel als letzter Station gefragt. „Alles wurde mit einem einzigen Telefonat geregelt“, sagte er. Der 41-Jährige tritt mit einer Wildcard an und trifft am Dienstagabend auf Jiri Lehecka. Djokovic, ebenfalls per Wildcard dabei, wurde in Brennwalds Loge eingeladen, wo auch Martina Hingis und Dario Cologna erwartet werden.
Die unkomplizierte Planung steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zur offenen sportlichen Situation. Der Abschiedsort ist festgelegt, der letzte Auftritt noch nicht. Genau darin liegt die besondere Spannung einer solchen Turnierwoche: Das Publikum kann eine Laufbahn würdigen, während der Spieler weiterhin versucht, ihr noch ein weiteres Match hinzuzufügen. Die Zeremonie nimmt dem Wettbewerb seinen Ausgang nicht vorweg.
Wawrinka schlug Djokovic im Viertelfinale der Australian Open 2014 sowie in den Endspielen der French Open 2015 und der US Open 2016. Brennwald würdigte seine Eigenständigkeit neben Roger Federer: „Doch Stan blieb sich immer treu. Er ging seinen eigenen Weg.“ Insgesamt gewann Wawrinka 16 Einzeltitel und erreichte Rang drei der Weltrangliste. Seine Laufbahn als Profi hatte bereits im Jahr 2002 begonnen.
Basel bietet damit Raum für zwei Perspektiven auf dieselbe Karriere. Die eine betrachtet den Schweizer im Umfeld einer außergewöhnlichen Generation. Die andere stellt seine eigenen Erfolge in den Mittelpunkt, ohne sie ständig an einem noch größeren Namen zu messen. Djokovics Wunsch verbindet beide Sichtweisen überzeugend. Ein direkter Gegner möchte dabei sein, wenn Wawrinka sich verabschiedet. Mehr braucht es kaum, um die sportliche Wertschätzung hinter den bekannten Zahlen sichtbar zu machen.