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Langweilig geht es bei Traditionsklubs selten zu, dafür sorgt schon das Umfeld des Vereins. Einiges los abseits des Platzes ist aktuell auch beim 1. FC Nürnberg, doch der Club trotzte am Sonntag den Widrigkeiten und gewann beim FC St. Pauli am Hamburger Millerntor eine Partie, die er in der letzten Saison wohl noch verloren hätte.
Zumindest sprachen die Statistiken ausschließlich für den Gastgeber. Die Hamburger gaben am Ende 24 Torschüsse ab, der Club holte vor allem in der Schlussphase auf, war am Ende aber der glücklichere Sieger.
Das musste auch Trainer Miroslav Klose im Sportschau-Interview zugeben, der zugleich auf die Vorwoche verwies, in der seine Mannschaft Chance um Chance vergeben hatte. "Das ist die 2. Liga", befand der Weltmeister von 2014 deshalb. "Man muss sich alles erarbeiten und es gehört auch das Quäntchen Glück dazu, das wir heute auch hatten."
Erarbeiten müssen sie sich beim Club gerade einiges, denn die Rückschläge mehrten sich in den letzten Wochen - und das weniger ergebnistechnisch. In dieser Woche war die Personalie Joti Chatzialexiou großes Thema. Der Sportvorstand der Nürnberger verlässt den Club nach zwei Jahren und wechselt zu Eintracht Frankfurt.
Ganz ausblenden konnten die Spieler das Thema nicht, gab Kapitän Jan Reichert zu. "Natürlich merkt das die Mannschaft, aber wir wollten einfach auf dem Platz die Antwort geben und das ist auch gelungen", stellte der Schlussmann fest.
Auch Miroslav Klose wollte Chatzialexious bevorstehenden Abgang - ab dem 1. Februar soll er die Geschicke bei der Eintracht übernehmen - nicht zu hoch hängen. "Ich bin keiner, der deswegen traurig ist. Ich weiß, dass es zum Fußball dazugehört." Klose ist sich sicher, "dass wir auf einem guten Weg sind, dass da jemand im Verein sich Gedanken macht, einen guten Nachfolger zu finden".
Die Spatzen pfeifen am Valznerweiher von den Dächern, dass Chatzialexious Nachfolger aus den eigenen Reihen kommen könnte. Der bisherige NLZ-Leiter Dieter Frey gilt als heißer Anwärter auf den Posten. Ein Vollzug der Personalie ist noch in dieser Woche denkbar.
Von den Unruhen um ihren Noch-Sportvorstand haben sich die Profis am Hamburger Millerntor nicht aus der Ruhe bringen lassen. Doch das war nicht der einzige Rückschlag. Seit dem Spiel in Cottbus muss der FCN ohne seinen besten Spieler auskommen.
Mohamed Ali Zoma wird den Nürnbergern nach seiner Schulter-Operation erst im kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Auch auf Finn Becker kann der Club nach dessen Meniskus-Operation vorerst nicht zählen. Die Ausfälle erklären die Ergebnisdelle in den letzten Wochen. Insgesamt scheinen die Franken diese aber gut kompensieren zu können.
Wie groß der Konkurrenzkampf beim 1. FC Nürnberg ist, zeigte sich auch wieder am Sonntagnachmittag. Der erst 17-jährige Marc Kornwachs Barjuan wurde in der Schlussphase eingewechselt und traf zum traumhaft zum 3:1-Endstand.
Mit seinem Treffer löste er Can Uzun als jüngster Torschütze der Nürnberger in ihrer Zweitliga-Geschichte ab. "Es ist natürlich ein Traum. Ich freue mich sehr, auch wenn ich es gar noch nicht realisieren kann", zeigte sich der 17-Jährige etwas ungläubig.
"Es freut mich ungemein für den Jungen. Er trainiert hart und wird täglich besser", war auch Trainer Klose voll des Lobes, der in Kornwachs eine echte Alternative im Mittelfeld sieht. Dieser mache "den Stammkräften schon richtig Druck", freut sich der Trainer und ergänzt, "da spreche ich von Adam Markhiev und Javier Fernandez".
Beide haben sich bisher weitgehend stabil präsentiert, aber Konkurrenzkampf kann ja nie schaden. Zudem ist Kornwachs ein weiterer Beleg für die hervorragende Nachwuchsarbeit der Franken und wie Trainer Klose Talente einbindet: "Unser Weg muss weitergehen, dass die Jungs Erfahrung sammeln in der 2. Liga."
Die Nürnberger Antwort auf die Rückschläge war also das Kollektiv. "Das ist echt schön zu sehen, weil wir eine fantastische Gemeinschaft sind", lobte Klose seine Mannschaft. Der Traum vom Aufstieg in die Fußball-Bundesliga lebt damit nach wie vor.