Zurück
Alexander Zverev kritisiert die enorme Reisebelastung: Nach 68.000 Flugkilometern in einer Saison verzichtet der Tennis-Star auf den United Cup in Australien.
Die Debatte über die physische und mentale Belastung der Tennis-Elite nimmt weiter zu. Am deutlichsten zeigt sich die Dimension der Reisestrapazen bei Alexander Zverev: Allein in der laufenden Saison reiste er bislang zu 21 Spielorten und legte dabei rund 68.000 Kilometer Luftlinie zurück – das entspricht mehr als eineinhalb Erdumrundungen.
Als Konsequenz aus der Belastung verzichtet Zverev nun auf einen Start zum Jahreswechsel beim United Cup in Australien. „Ich spiele keinen United Cup, weil es einfach unmöglich ist für mich. Weil dann könnte ich aus dem Urlaub quasi direkt nach Australien fliegen“, begründete der 29-Jährige seinen Entschluss.
Mit seiner Kritik am überfüllten Turnierkalender steht Zverev nicht allein da. „Ich bin der Meinung, dass es leider in die falsche Richtung geht für uns. Wir sollten zwei, drei Wochen weniger spielen, um unserem Körper die Chance zu geben, sich auszuruhen“, forderte er zuletzt beim Turnier in Wien. Konkurrent Jannik Sinner entschied sich stattdessen für ein absurdes Preisgeld, anstatt auf die unfassbaren Reisestrapazen der Tennis-Elite Rücksicht zu nehmen.
Auch andere internationale Profis äußern deutliche Bedenken. Laura Siegemund kritisierte im Sportstudio beim ZDF vor allem die ständigen „Kontinentensprünge“ und Zeitzonenwechsel als enorme Belastung. Carlos Alcaraz warnte bei den US Open zudem davor, dass unter dem ununterbrochenen Turniertrott vor allem die Freude am Sport leide.
Verändert hat sich die Situation auch durch eine Reform der ATP: Während 2022 nur zwei der neun großen Masters-1000-Turniere knapp zwei Wochen dauerten, erstrecken sich mittlerweile sieben dieser Events über fast 14 Tage. Zusammen mit dem Weltranglistensystem, bei dem Punkte nach 52 Wochen verfallen und durch neue Erfolge ersetzt werden müssen, entsteht für die Profis ein Kreislauf, der kaum Raum für längere Regenerationspausen lässt.
Sollte sich die Belastung und die hohen körperlichen und mentalen Anforderungen im Tennis nicht ändern, dürfte die Absage Zverevs beim United Cup nicht die einzige in der Tennis-Elite bleiben. Damit sei letztlich weder den Veranstaltern noch den Profis ein Gefallen getan, ginge es bei jedem Turnier um wertvolle Punkte und renommierte Titel. (seb)