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Trainer Florian Kohfeldt setzt beim SV Darmstadt 98 auf Defensivfußball statt auf seinen bevorzugten aktiven Stil. Bei Werder Bremen endete dieselbe Kurskorrektur mit dem Abstieg.
Die Freude über den Pokalcoup im Saarland währte beim SV Darmstadt 98 nur kurz. Nach dem mit erfreulichen Mehrreinnahmen verbundenen Erfolg beim Erstligaaufsteiger SV Elversberg (2:0) mussten die Lilien vermelden, dass Hauptsponsor Haix seinen auslaufenden Vertrag nach vier Jahren nicht verlängern möchte. Grund sei „eine strategische Neuausrichtung“, hieß es seitens des bayrischen Herstellers für Schutzausrüstung.
Die Entscheidung mit wirtschaftlicher Tragweite fällt in eine sportlich heikle Phase. Die Südhessen sind vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg (Samstag 13 Uhr/Sky) ja weiterhin Tabellenletzter, haben allerdings erstmals in der Saison in zwei Pflichtspielen nacheinander kein Gegentor kassiert. Für Trainer Florian Kohfeldt hat die Abwehrschlacht in Elversberg gezeigt, wie es gehen muss: „Basis war brutale Leidenschaft und Kampfbereitschaft. Wir haben leider schon ein paar Spiele gezeigt, in denen diese Basis nicht immer vollständig da war.“
Die in der Vorwoche gegen den FC St. Pauli (0:0) eingeführte Defensivtaktik wird beibehalten, obwohl Kohlfeldt einen Spielstil favorisiert, „in dem wir einen aktiven, dominanten Fußball spielen wollen". Doch diese Spielweise sei diese Saison schlicht „zu fehleranfällig“.
Im Grunde legt der 44-Jährige dieselbe Wandlung wie auf seiner ersten Trainerstation beim SV Werder hin. Anfangs pflegten die Bremer unter seiner Regie mit Alleskönner Max Kruse einen ansehnlichen Offensivstil, von dem sich der Fußballlehrer bei schwindender Kaderqualität Stück für Stück verabschiedete. Die Kurskorrektur im Abstiegskampf brachte langfristig keinen Erfolg: 2020 rettete sich Werder zwar in der Relegation, stieg aber 2021 ab. Spannend wird sein, ob er nun bei den Südhessen mit dem Pragmatismus durchkommt.
„Wir müssen ein Stück das Risiko minimieren gegen den Ball, das heißt aber noch lange nicht, dass man mit dem Ball nicht mutig spielen darf. Wir stehen alle in der Pflicht, Ergebnisse zu liefern.“ Der Gegner im noch nicht ausverkauften Stadion am Böllenfalltor hat extreme Ausschläge erlebt: Einem 6:1-Kantersieg gegen den Karlsruher SC folgte die 1:6-Lehrstunde im Pokal bei Bayern München, wobei Kohlfeldt fand, dass der Tabellenfünfte der zweiten Liga phasenweise „gut ausgesehen“ habe.
Gerade die FCM-Offensivkräfte Emmanuel Iyoha (sechs Saisontore), Mateusz Zukowski (fünf Tore) und Baris Atik (fünf Vorlagen) würden über besondere individuelle Klasse verfügen. Ihm sagt zu, wie der Europapokalsieger von 1974 heute agiert: „Ich mag ihren Stil, den sie unter Christian Titz ein bisschen begonnen haben, den sie aber weitergetragen haben – unabhängig vom Trainer.“