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Völlig bedient trottet Philipp Sander nach seiner Hinausstellung Richtung Katakomben. Im Pokalkrimi gegen den Karlsruher SC avancierte das Textil-Vergehen des Spielführers nach 37 Zeigerumdrehungen zum dramatischen Wendepunkt. Und Übungsleiter Alexander Blessin? Der forderte von seinem Defensiv-Boss in jenem Moment ein komplett anderes Verhalten.
Am Dienstagabend startete für die Fohlenelf eigentlich alles optimal. Durch einen frühen Treffer von Robin Hack lagen die Hausherren vorn und beherrschten das Duell mit dem Zweitliga-Vertreter souverän. Plötzlich kippte jedoch die gesamte Spieldynamik wegen einer einzigen Aktion komplett.
Seinen Ex-Mitspieler Shio Fukuda bremste Sander regelwidrig aus, wodurch eine hundertprozentige Einschussmöglichkeit zunichtegemacht wurde. Nach Hinweis des Video-Assistenten lief Schiedsrichter Florian Lechner zum Monitor und zeigte dem Übeltäter den Karton.
Am Platzverweis an sich zweifelt der Fohlen-Übungsleiter keineswegs. Bereits im Vorfeld lief einiges schief, wie Blessin schonungslos offenlegte: „Wir haben ein paar Probleme im Zentrum bekommen, bei denen wir zu große Abstände hatten. Und in der dritten oder vierten Aktion über das Zentrum kassieren wir dann die Rote Karte.“ Das berichtet rp-online.de.
Glasklar fiel dementsprechend sein Fazit aus: „Die Rote Karte war berechtigt. Wir hätten die Szene in unserer Positionierung mit den Sechsern und den drei Verteidigern besser lösen können. Wir standen da viel zu weit weg und haben einfach einen Tick geschlafen.“
Für die Entscheidung blieben Sander bloß Millisekunden. Sollte er Fukuda durchwinken oder die Sense auspacken? Diesbezüglich vertritt Blessin ein eisernes Prinzip: „Im Grundsatz sage ich immer: ‚Lass ihn schießen.‘ Du kannst eventuell von hinten noch einen kleinen Rempler geben, der nicht als Foul gewertet wird. Und dann haben wir ja auch noch einen Torwart. Man weiß nicht, was passiert, aber das Spiel weiter mit elf Mann zu bestreiten, gibt mir trotzdem ein besseres Gefühl – auch wenn das 1:1 fällt.“
Nun musste der Fußballlehrer selbst knifflige Entscheidungen treffen. Bis zum Pausenpfiff verzichtete er auf personelle Korrekturen. Erst mit Beginn des zweiten Abschnitts griff Blessin ein: Während David Herold von der linken Außenbahn ins Abwehrzentrum zog, übernahm Lukas Ullrich dessen frei gewordenen Posten.
Beim Coach löste das Geschehen unweigerlich ein starkes Déjà-vu aus. Während der vergangenen Spielzeit widerfuhr ihm im Oberhaus mit dem FC St. Pauli gegen den 1. FC Heidenheim nämlich ein nahezu identisches Szenario. Seinerzeit flog Abwehrorganisator Eric Smith beim Zwischenstand von 1:0 ebenfalls unmittelbar vor dem Seitenwechsel vom Geläuf. „Da ging es auch darum, nicht nur das 1:0 zu halten, sondern möglichst irgendwann einen Konter zum 2:0 zu setzen“, blickte Blessin zurück. Den Kiez-Kickern glückte dieses Kunststück nach 53 Zeigerumdrehungen, was letztlich einen 2:1-Erfolg sicherte.
Am Dienstagabend schlüpfte Einwechselspieler Ullrich in die Heldenrolle und netzte prompt nach dem Wiederanpfiff ein. Laut Blessin kam dieser Treffer gewissermaßen wie „der Todesstoß“ daher. Deutlich schob der Fußballlehrer nach: „Das war alles entscheidend, denn man hat gemerkt, dass sich der KSC davon nicht mehr erholt.“
Exakt dieser bittere Moment bereitete auch Maximilian Senft gewaltiges Kopfzerbrechen. Sichtlich bedient monierte der Übungsleiter der Badener hinterher: „Wir dürfen Gladbach da nicht so zu einem Konter einladen. Es geht vielmehr darum, den Gegner erst mal müde zu machen und Geduld zu bewahren.“ Satte 50 Spielminuten agierten die Gäste mit einem Akteur mehr auf dem Grün, zogen daraus jedoch keinerlei Kapital. Ohne einen einzigen Gegentreffer schaukelte die Elf vom Niederrhein diese Mammutaufgabe ins Ziel – und zwar mit einer zusammengewürfelten Hintermannschaft, welche in dieser Konstellation künftig höchstens noch bei extremen Notfällen auflaufen dürfte.
Auf den Rotsünder warten nun sowohl positive als auch bittere Konsequenzen. Zwar ist sein Einsatz beim kommenden Liga-Auftritt im eigenen Stadion gegen den SC Paderborn (Samstag, 15.30 Uhr) überhaupt nicht gefährdet. In der Runde der letzten 16 des Pokalwettbewerbs muss der Leistungsträger aufgrund der Sperre jedoch definitiv zuschauen. Glücklicherweise führte sein Aussetzer nicht zum vorzeitigen K.o. in der zweiten Pokalrunde. Zu diesem entscheidenden Moment fand Blessin noch versöhnliche Worte: „Er wird daraus lernen.“
Am Rande des Platzverweises gab es noch eine spannende Randnotiz: Ehe Sander im Spielertunnel verschwand, übergab er die Spielführerbinde – welche er bereits beim Gastspiel in Stuttgart am Arm hatte – an Schlussmann Daniel Batz, der an jenem Abend einen rundum gelungenen Einstand im Fohlen-Dress feierte. (red)