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Nachdem sich Alexander Zverev den Traum vom Sprung an die Spitze der Tennis-Weltrangliste erfüllt hatte, ließ er sich von den Fans in Wien feiern. "Für alle, die nicht verstehen, warum ich nach einem Zweitrundensieg so jubele: Ich bin die Nummer eins der Welt geworden", sagte Zverev nach dem 6:4, 7:5 gegen den Niederländer Tallon Griekspoor im Achtelfinale von Wien. "Das ist eines der besten Gefühle auf der Welt", sagte der 29-Jährige neben einer großen, weißen Eins stehend.
Durch den Viertelfinaleinzug beim Turnier in der österreichischen Hauptstadt löst Zverev den Italiener Jannik Sinner ab und wird als zweiter männlicher Deutscher nach Boris Becker die Nummer eins der Tennis-Welt. Schon vor vier Jahren war Zverev bei den French Open in Paris nah dran, ehe er sich im Halbfinale gegen Rafael Nadal schwer am Fuß verletzte. "Manchmal muss man auf die besten Dinge im Leben etwas warten", sagte Zverev, als er es endlich geschafft hatte. Angesichts des verletzungsbedingten Saisonendes von Sinner stand bereits länger fest, dass der zweimalige Grand-Slam-Titelgewinner das Jahr als Weltranglistenerster abschließen wird.
Zverev ist erst der 30. Tennisspieler, der die 1973 eingeführte ATP-Weltrangliste anführen wird. Vor gut 35 Jahren hatte in Becker zuletzt ein deutscher Tennisspieler die Top-Position innegehabt. Von den deutschen Tennisspielerinnen hatten dies lediglich Steffi Graf und Angelique Kerber im WTA-Ranking geschafft.
"Es ist ein Traum, der wahr wird", hatte Zverev bereits vor gut zwei Wochen gesagt, als ihm die Position zum Abschluss des Jahres nicht mehr zu nehmen gewesen war. "Es stecken so viel Arbeit und Mühe darin, dieses Ziel zu erreichen." In Wien dankte er vor allem seinem Vater Alexander Senior und dem gesamten Team. "Ohne euch hätte ich das nicht geschafft."
In Wien hatte sich der Deutsche in der Frage, wann es so weit sein wird, abgeklärt gegeben. "Ich weiß, dass es passieren wird. Für mich ist es nicht so ein Riesenthema im Kopf, ob ich es diese Woche werde oder die Woche danach", sagte Zverev nach dem hart erkämpften Auftaktsieg über den Spanier Martin Landaluce.
Mit dem Sprung auf Platz eins erreichte Zverev in einer Traumsaison den nächsten Meilenstein. Bei den French Open hatte er sich von der großen Last befreit, womöglich als bester Tennisspieler ohne Grand-Slam-Titel in die Geschichte einzugehen. Danach holte er sich relativ souverän bei den US Open direkt den zweiten Major-Triumph.
Dort fehlte Sinner bereits mit einer Knieverletzung, der Spanier Carlos Alcaraz war in New York gerade erst nach einer langwierigen Handgelenksblessur zurückgekommen. Auch deshalb debattiert die Tennisszene, welchen Anteil die langen Ausfälle der beiden dominierenden Profis der vergangenen Jahre an Zverevs Krönung haben.
Der Russe Daniil Medwedew, selbst frühere Nummer eins der Welt und lange Zeit einer von Zverevs Angstgegnern, schlug sich dabei auf die Seite des Deutschen. "Punkte sind der fairste Teil im Tennis. Natürlich hätte Jannik wahrscheinlich große Chancen gehabt, viel mehr Punkte zu gewinnen, wenn er gesund gewesen wäre", sagte Medwedew. "Aber das ist Teil des Sports, Pech für ihn. Sascha verdient es, 100 Prozent."
Noch ist Zverev in diesem Jahr nicht am Ende seiner großen Ziele angekommen. Nach den ATP Finals in Turin, die er das dritte Mal gewinnen will, steht noch die Finalrunde im Davis Cup an. Im Teamwettbewerb wartet das deutsche Tennis fast so lange auf einen Titel wie auf eine Nummer eins bei den Männern. Becker & Co. triumphierten zuletzt 1993.
"Ich glaube, dass wir dieses Jahr und vielleicht auch noch die nächsten zwei, drei Jahre die Chance haben", sagte Zverev mit Blick auf die Endrunde in einem knappen Monat in Bologna. "Und ich möchte jede Chance nutzen, den Davis Cup zu gewinnen." Es wäre die endgültige Krönung einer unfassbaren Saison.