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Audi-Chef Gernot Döllner sieht sich für einen Besuch bei US-Präsident Donald Trump scharfer Kritik ausgesetzt. Klar ist: Ohne Audi-Führungsjob wird Döllner auch keinen Posten beim FC Bayern haben (können).
Am Wochenende kündigte Audi-Vorstandsboss Gernot Döllner auf der Bühne einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump den Bau eines neuen Automobilwerks in den Vereinigten Staaten an – unter dem Jubel der „Maga“-Anhänger.
Seitdem reißt die Kritik an Döllners Verhalten nicht ab. Unter anderem, weil er gegen die von ihm selbst unterschriebenen Compliance-Regeln des Unternehmens verstoßen hat, sich drei Monate vor einer Wahl nicht mehr aktiv einzumischen. Daher werden von allen Seiten nun Konsequenzen gefordert.
Für Döllners Wahlkampfhilfe für Trump müsse man „vor Scham im Boden versinken“, meinte Daniela Cavallo, VW-Konzernbetriebsratsvorsitzende und Mitglied des Aufsichtsrats der Volkswagen AG (dazu im Ehrenamt Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH).
Theoretisch könnten sie einen Rauswurf von Döllner forcieren, zumal SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf bereits lautstark Konsequenzen verlangte. Und Linken-Chef Luigi Pantisano forderte den Audi-Boss zum Rücktritt auf.
Der FC Bayern selbst äußert sich erwartungsgemäß nicht öffentlich zu den heftigen Debatten. Dabei ist Döllner nicht nur einer der (noch) mächtigsten deutschen Wirtschaftslenker, sondern auch ein Mitglied im Präsidialausschusses des Bayern-Aufsichtsrats.
Dass diese Kerninstanz weit mehr als ein Gremium ist, dass nur beaufsichtigt und berät, wird allein beim Blick auf die Zusammensetzung völlig klar. Neben FCB-Präsident Herbert Hainer gilt das vor allem für den nach wie vor äußerst mächtigen Klubpatron Uli Hoeneß und natürlich auch für Ex-CEO Karl-Heinz Rummenigge.
Die große Mehrheit des Aufsichtsrats hat wirtschaftliche Top-Expertise: Neben dem einstigen Adidas-Vorstandsvorsitzenden Hainer finden sich dort führende Köpfe der AG-Anteilseigner Allianz, Audi, Adidas und in Kürze auch des neuesten Mitbesitzers. Max Viessmann steigt als Vertreter des gleichnamigen Familienunternehmens ein und wird das zehnte Mitglied des Kontrollgremiums.
Wie mächtig der Bayern-Aufsichtsrat ist, zeigte sich jüngst bei der Verlängerung von Sportvorstand Max Eberl. Nachdem sich der Präsidialausschuss darauf vorab verständigt hatte, blieb den verbliebenen vier Aufsichtsratsmitgliedern aufgrund ihrer Minderheit keine wirkliche Alternative mehr. Ein Grund, warum Rummenigge Eberls Verbleib sogar ablehnen wollte und seinen Protest dann zumindest in seiner Stimmenthaltung ausdrückte.
Weit größer als der damalige Unmut Rummenigges ist aktuell allerdings die allgemeine Empörung über Döllners Handeln in dessen Hauptberuf. Zwar kann Audi weitgehend eigenständig über die Vertretung beim Fußball-Rekordmeister entscheiden. Allerdings ist es möglich, dass der Bayern-Aufsichtsrat schon bald wieder nur aus neun Männern bestehen könnte, zumindest vorübergehend.
Klar ist nämlich: Muss Döllner an der Unternehmensspitze in Ingolstadt seinen Hut nehmen, muss er auch bei den Münchnern Platz machen.
Im Gegensatz zur Vereinsführung könnte es zudem sein, dass die Fans ihre Meinung zu Döllners umstrittenen Trump-Deal beim DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Magdeburg am Mittwoch in der Allianz Arena kundtun werden. So forderte der Berater und Rechtsanwalt Hubertus von Roenne, früher unter anderem im Vorstand der British Telecom, den Anhang zum Handeln auf.
„Dieser Verein hat eine Tradition, für seine Werte einzustehen. Die Südkurve hat bei Katar nicht geschwiegen. Sie hat bei Rechtsruck und Ausgrenzung nicht geschwiegen. Sie hat Kurt Landauer aus der Vergessenheit geholt“, schrieb der Manager im Business-Netzwerk „Linkedin“.
Und weiter: „Wer im Aufsichtsrat des FC Bayern sitzt, vertritt diesen Verein auch dann, wenn er für Audi spricht. Deshalb mein Aufruf an alle, die ‚Mia san mia‘ ernst meinen: Zeigt bei den nächsten Spielen klar und friedlich, was ihr davon haltet.“
Gespannt wäre man auch, ob und wenn ja, was genau Hoeneß beim nächsten Treffen zu Döllner sagen wird. Denn der Bayern-Ehrenpräsident hat sich in der Vergangenheit mehrfach und scharf von Trump abgegrenzt, sodass er die Wahlkampfhilfe des Audi-Bosses auf gemeinsamer Bühne eigentlich rundheraus ablehnen müsste.
„Es ist mir unbegreiflich, wieso so ein tolles Land, mit so viel Intelligenz und guten Leuten und einer unglaublichen Industrie, so was akzeptieren kann. Ich würde den keine Sekunde ertragen“, erklärte Hoeneß vor zwei Jahren über den damals gerade wiedergewählten US-Präsidenten.
Und auch vor der WM-Endrunde sprach der 74-Jährige in einem „Bild“-Interview Klartext: „Ich möchte eigentlich nicht über Donald Trump reden. Nur so viel: Wenn es wirklich Trumps Ziel ist, sich eine dritte Amtszeit zu ermöglichen, müssen die Amerikaner sehr aufpassen, dass aus ihrer Demokratie keine Diktatur wird.“
Vielleicht allerdings denkt (oder weiß) Hoeneß, dass sich die Diskussionen um den Bayern-Aufsichtsrat Döllner in naher Zukunft ohnehin erledigt haben könnte. Denn nach übereinstimmenden Berichten gibt es die klare Tendenz, dass sich Audi als Anteilseigner spätestens zum Vertragsende 2029 beim Bundesligisten zurückzieht.
Hauptgrund soll die wirtschaftliche Krise von Audi, das den FCB angeblich pro Jahr mit 45 Millionen Euro unterstützt, und von Mutterkonzern Volkswagen sein. Daher sind sehr deutliche Kürzungen beim Sponsoring geplant, worunter auch die Unterstützung von Profiklubs fällt.
Mit dem schon länger interessierten bayrischen Vorzeigeunternehmen BMW steht ein Nachfolger für Audi aber bereits in den Startlöchern, die Übernahme der Anteile durch den derzeitigen Sponsor der Bayern-Basketballer gilt in diesem Fall als nahezu gesichert.
Angesichts der aktuellen Diskussionen hätte so mancher in der Vereinsführung vermutlich nichts dagegen, wenn der Wechsel eher früher als später stattfinden würde.