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Am Freitag kann Borussia Mönchengladbach einen neuen Negativrekord aufstellen. Lothar Matthäus hat noch keinen Weckruf gehört – "das ist alarmierend!", sagte er. Markus Babbel nennt den Status quo bei ran "besorgniserregend".
Doch das sind nur Zahlen.
Am Freitag könnte es schon neue geben: Verliert die Borussia beim VfB Stuttgart (ab 20:30 Uhr im Liveticker), stehen die Gladbacher bei sieben Pleiten in Serie. Das hat noch keine Mannschaft zum Saisonstart geschafft. Dann gibt es nicht einmal mehr einen statistischen Vergleichswert.
Das Problem: Der kleine Strohhalm scheint im Moment der einzige Lichtblick zu sein. So desaströs präsentierten sich die Gladbacher zuletzt.
"Wenn alles normal läuft, sehe ich im Moment auch keine Möglichkeit für Gladbach, in Stuttgart einen Punkt zu holen", sagte ran-Experte Markus Babbel, der beim 1:2 gegen die TSG Hoffenheim "sehr erschrocken" war "über die Art und Weise, wie sie verloren haben. Das war schon besorgniserregend, weil es zu so einem frühen Zeitpunkt in der Saison ein gefühltes Aufgeben war und sich die Gladbacher überhaupt nicht gewehrt haben."
Das sei "ohne Leben" gewesen, "ohne Hingabe. Du kannst verlieren, aber du musst zumindest dein Herz auf dem Platz lassen und das war definitiv letzte Woche nicht sichtbar."
Es ist nur ein Alarmsignal von vielen bei dem Traditionsklub. Und auch nur einer von mehreren Gründen, warum der dritte Abstieg der Vereinsgeschichte droht.
"Es gibt schon seit Jahren Unruhe, die Probleme sind nicht erst gestern aufgetaucht", sagte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der seine Karriere in Gladbach begann, bei einem Termin seines Sponsors "Interwetten": "In der Vergangenheit wurden einige falsche Entscheidungen getroffen, auch während der Pandemie. Das Geld fehlt heute, um neue Spieler zu holen."
Dass mit dem verbliebenen Geld zu wenig personelle Treffer gelandet wurden, hilft auch nicht. Ebenso wie das Verletzungspech, das die mentalitätsarme Mannschaft zusätzlich belastet, in dieser Saison besonders heftig. Die Kabine gilt laut "Sport Bild" als kaputt, als zu leise, als leblos und führungslos, auch wenn die Spieler nicht zerstritten sind.
Dafür herrscht eine hochexplosive Stimmung rund um den Klub.
Der Fan-Dachverband der Borussia hatte das Präsidium um Legende Rainer Bonhof zu Beginn der Woche erneut zum Rücktritt aufgefordert. Der Weltmeister von 1974 will davon nichts wissen.
"Ich sage in so einer Situation: 'Jetzt erst recht. Ich laufe nicht weg'. Ich war immer ein Kämpfer", sagte der Klubchef der "Rheinischen Post".
Allerdings wären nicht wenige Kritiker für ein Davonlaufen. Der Vorwurf: zu wenig Reibung, zu wenig neue Ideen und Ansätze in einem Klub, der sehenden Auges ins Verderben schlittert. Stattdessen eine "Von Spiel zu Spiel"-Identität, die nicht mehr zeitgemäß ist.
Für Matthäus "fehlt die Führung im Verein, jemand für den nicht nur alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Sechs Spiele, sechs Niederlagen, null Punkte. Das ist nicht mehr Abstiegskampf, sie stecken im Abstiegssumpf fest. Jetzt braucht es jemand, der klare Ansagen an die Spieler, an die Betreuer, an die Angestellten macht. Aber diesen Weckruf habe ich bis jetzt nicht gehört – das ist alarmierend!"
Nach außen hin wird die Mannschaft vom neuen Trainer Alexander Blessin noch stark geredet, auch wenn der Effekt seiner Verpflichtung bislang verpufft ist. Er nutzt Parolen wie: "Die Schwachen bleiben liegen, die Starken stehen auf."
Es gibt Beispiele, die Mut machen. Und immerhin: Mainz und Bochum gelang im siebten Spiel kein klassischer Befreiungsschlag, sondern erstmal "nur" ein Unentschieden.
Noch so ein Lichtblick. Wenn auch wieder nur ein statistischer.