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Tennisturnier in Wien: Traumfinale gegen Alcaraz geplatzt: Zverev verliert
Zäher Start, zähes Ende: Für Alexander Zverev  war in Wien im Halbfinale Schluss.
Zäher Start, zähes Ende: Für Alexander Zverev  war in Wien im Halbfinale Schluss.Foto: Lisa Leutner/Reuters

Der letzte Ball, wie sollte es an diesem Abend anders sein, landete im Aus. Und der Mann, der den Vorhandfehler fabriziert hatte, war Alexander Zverev. Natürlich. Der 29-jährige Deutsche hatte schon über weite Strecken in diesem Halbfinale ungewohnte Schwächen gezeigt, allein im ersten Satz waren Zverev elf leichte Fehler unterlaufen. Teilweise traf er Bälle mit dem Rahmen. Im zweiten Satz sammelte er sich wieder und dominierte. Im dritten Satz aber wirkte Zverev wieder anfälliger. Er haderte. Wandte sich klagend an sein Team in der Box. Warf einmal den Schläger auf den Boden. Kassierte eine Zeitverwarnung, weil er zu lange vor einem Aufschlag gewartet hatte.

So verlor der neue starke Mann im Tennis – am Montag wird er ja erstmals in seiner Karriere Weltranglistenerster sein – mit 4:6, 6:1, 6:7 (4) gegen den Weltranglistenzehnten Alex de Minaur aus Australien. „Lieber Alexander, der Applaus gehört dir!“, das rief der Hallensprecher in der Stadthalle noch Zverev zu, nachdem der eilig die Tasche gepackt hatte und schon am Gehen war. Zverev winkte nur kurz, weg war er.

Damit stand auch fest: Das Traumfinale von Wien war geplatzt.

Vor Zverevs Partie hatte bereits Carlos Alcaraz, der Spieler mit der wohl größten Strahlkraft im Männertennis, das Endspiel erreicht. In seinem Halbfinale gewann der 23-jährige Spanier 6:4, 7:6 (2) gegen den Russen Daniil Medwedew und brillierte dabei immer wieder. Die Zuschauer raunten mehrmals bei Schüssen von ihm, die höchste Form der Anerkennung. Alcaraz könnte nun sein zweites Turnier seit seiner Rückkehr auf die Tour Ende August gewinnen. Anfang Oktober triumphierte er in Tokio. Bei den US Open, als er sich zu seinem ersten Start seit April entschieden hatte, war er im Viertelfinale am Amerikaner Ben Shelton gescheitert. Langsam aber findet er wieder zu seiner alten konstanten Stärke. Seine Handgelenksverletzung ist auskuriert.

Tennisprofi Alexander Zverev

:Deutschlands andere Nummer eins

Als zweiter deutscher Mann nach Boris Becker steht Alexander Zverev an der Spitze der Tenniswelt. Sein Weg war voller Rückschläge, Resilienz wurde zu seiner Stärke. In der neuen Rolle will er „ein gutes Vorbild sein“.

„Ich habe in allen Bereichen meines Spiels sehr hart gearbeitet, um für dieses Turnier in einer guten Verfassung zu sein – und um mir die Chance zu erarbeiten, im Turnier weit zu kommen“, sagte Alcaraz in einem Interview auf dem Platz. Beschwingt fuhr er fort: „Ich bin einfach unglaublich froh, ein weiteres Finale bestreiten zu dürfen – mein erstes hier in Wien.“ Es waren höfliche, unspektakuläre Sätze, aber für die Tennisbranche dürften sie eine Wohltat sein. Der Akteur, der vier Monate verletzt gefehlt und eine spürbare Lücke hinterlassen hatte, meldet sich mehr und mehr zurück. Der Tennissport braucht Alcaraz, das wurde auch in dieser Woche in Österreich sicht- und hörbar. Wenn er spielt, vibriert ein Stadion. Oder wie in Wien die Stadthalle.

Zverev wird nicht beim United Cup spielen

Zverev verpasste damit auch die große Chance, seinen Aufstieg zur Nummer eins der Weltrangliste, den er in Wien mit dem Erreichen des Viertelfinals fix gemacht hatte, mit einem besonderen Sieg im Endspiel abzurunden. Ein Finale gegen Alcaraz hätte tatsächlich einen ganz speziellen Reiz gehabt. Der Aufstieg Zverevs auf den ersten Weltranglistenplatz war ja von einer Debatte begleitet worden, ob er wirklich diesen Erfolg verdient habe. Eine Statistik führten die Kritiker gerne dabei ins Feld: Zverev habe in dieser Saison eine 0:6-Bilanz gegen Alcaraz und Sinner. Bei den Australian Open im vergangenen Januar verlor er eine epische Schlacht gegen Alcaraz im Halbfinale, gegen Sinner kassierte er 2026 gar fünf Niederlagen in Serie; die letzte im Wimbledonfinale. Der 25-jährige Sinner bestritt seitdem keine Partie mehr und hat seine Saison aufgrund seiner Knieverletzung bereits beendet, weshalb Zverev nun auch Weltranglistenerster werden konnte. Ein Erfolg des Deutschen gegen Alcaraz hätte sicher dazu beigetragen, seine Kritiker verstummen zu lassen.

Trotzdem ging Zverev verständlicherweise nach dieser für ihn durchaus aufregenden Woche milde mit sich ins Gericht. „Der Tiebreak ist nicht in meine Richtung gelaufen. Es ist halt so, wie es ist, manchmal.“ Und er sagte: „Ich fand das Match okay, ich finde es für mich hier schwierig zu spielen hier, dieses Jahr. Die letzten Jahre war’s wunderschön. Aber dieses Jahr ist schwierig. Die Bälle sind unfassbar langsam. Der Platz ist unfassbar langsam und vor allem auch sehr, sehr tief.“ Er zollte de Minaur fair Respekt: „Er hat heute besser gespielt, das muss man akzeptieren.“ Nun muss er darauf hoffen, dass er beim Mastersturnier in Paris, das in der kommenden Woche folgt, weit kommt.

Immerhin behält Zverev Alcaraz in Wien in guter Erinnerung. Denn der Weltranglistendritte hatte Zverev gegenüber der Kritik verteidigt, dass er keine würdige Nummer eins sei. „Beim Tennis geht es nicht nur darum, den Platz zu betreten und an diesem einen Tag sein bestes Tennis zu spielen. Es geht auch um die Konstanz, die man während des gesamten Jahres zeigt“, hatte Alcaraz gesagt und zu Zverevs Aufstieg zur Nummer eins betont: „Das ist ehrlich gesagt absolut verdient. Ich freue mich für ihn, weil ich weiß, wie hart er gearbeitet und wie lange er dieses Ziel verfolgt hat.“

Zverev gab derweil schon vor seinem Halbfinale bekannt, dass er seine Turnierplanung im Vergleich zu den vergangenen Jahren leicht geändert habe. „Ich spiele keinen United Cup, weil das einfach unmöglich für mich ist“, sagte er. Der Nationenwettbewerb findet vom 1. bis 10. Januar 2027 in Perth und Sydney statt. Zverev hat sich ja kürzlich dazu entschlossen, beim sogenannten Final 8 im Davis Cup, dem Endturnier der besten acht Nationen in Bologna vom 24. bis 29. November, die deutsche Mannschaft anzuführen. „Wenn ich dieses Jahr den Davis Cup bestreite, spielen wir fast bis in den Dezember hinein; und hätte ich am United Cup teilgenommen, hätte ich mein erstes Match schon Ende Dezember absolvieren müssen“, sagte Zverev, der zugleich seine Kritik am übervollen Turnierkalender wiederholte. „Ich habe es schon oft gesagt: Ich finde, wir sollten die Saison einfach um zwei, drei Wochen verkürzen, um mehr Zeit zu haben – erstens, um unserem Körper Ruhe zu gönnen, und zweitens, um einen gezielten Aufbau zu ermöglichen.“

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