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4 von 20 Coaches in der Premier League sind Deutsche, ein Fünftel also. Dazu betreut der 33-jährige den FC Southampton in der zweitklassigen Championship. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die massiv von begünstigt wurde – die aber nicht mit Klopp, sondern faktisch mit begonnen hatte.
Die Bundesliga-Legende (unter anderem Bayern, Wolfsburg, Schalke, Stuttgart, Hamburg) war im Februar 2014 der erste deutsche Fußballtrainer in der vermeintlich stärksten Liga der Welt. Beim FC Fulham überdauerte er nicht lange, der Abstieg und ein Fehlstart in der Championship bedeuteten das Aus.
Neben allerhand Berichten über, nun ja, ungewöhnliche Trainingsmethoden verabschiedete sich Magath mit Worten, die erstaunlich prophetische Gaben einschlossen:
„Das soll nicht überheblich klingen, aber ich bin nach wie vor überzeugt, dass deutsche Qualitäten dem englischen Fußball guttun würden. Leider ist man nur schwer bereit, etwas anzunehmen.“
Das hat sich geändert. Inzwischen sind Deutsche in Mode.
In diesem Sommer holte der AFC Bournemouth den Ex-Gladbacher, -Dortmunder und -Leipziger (50) als Nachfolger von Andoni Iraola, der nach Liverpool wechselte. Zuletzt fegte Roses Bournemouth in der Europa League über Milan hinweg (3:0), in der Liga lief der Saisonstart mit Tabellenplatz 13 durchwachsen.
Indes verpflichtete Newcastle United mit „einen der spannendsten und angesehensten jungen Trainer im Fußball“, wie Klub-Boss David Hopkinson lobte. Jaissle ist erst 38 und verdingte sich zuletzt in Saudi-Arabien; wie Rose stammt er aus der Red-Bull-Schule und war vor dem Schritt nach Saudi-Arabien in Salzburg tätig gewesen. Aktuell rangiert Newcastle als Achter im oberen Mittelfeld.
Gar Dritter ist , wie Southamptons Eckert gerade mal 33, aber bereits im dritten Premier-League-Jahr. Nach dem Bundesliga-Aufstieg mit St. Pauli hatte Hürzeler im Sommer 2024 bei Brighton & Hove Albion angeheuert, die Resultate: Achter und Achter. Solide bis sehr ordentlich.
„Wir lieben ihn absolut“, sagt Ben Parker, Mitherausgeber des Brightoner Fanzines „Dogma“ gegenüber der „Deutschen Welle“. Für die meisten Anhänger wirke Hürzeler „etwas ungewöhnlich, interessant und unkonventionell. Als er kam, sprach er davon, das Establishment herauszufordern. Das passt sehr gut zu dieser Stadt.“
Zweifellos die zweite Liga aufgemischt hat (50), in der Saison 2022/23 bei Gladbach an der Seitenlinie. Dreimal stieg er mit Klubs in die Premier League auf, zweimal mit Norwich City (2019, 2021), einmal mit Leeds United (2025), wo er anschließend den Klassenerhalt schaffte und momentan starker Siebter ist.
Deutsche Überfigur auf der Insel ist freilich Klopp, der mit Liverpool von Oktober 2015 bis Juni 2024 alles gewann, diverse Pokale, die Meisterschaft, die Champions League – und britische Herzen. Das war am schwersten.
Sein Windschatten diente als guter Leumund. Zunächst für , ironischerweise Klopps Trauzeuge, der von November 2015 bis Januar 2019 höchst erfolgreich Huddersfield Town coachte. Aufstieg 2017, Klassenerhalt 2018 („Fühlt sich an wie eine Trophäe“), kurz danach der freiwillige Abgang.
Ihm folgte , der es nur acht Monate in Huddersfield aushielt, von Januar bis August 2019. Zweieinhalb Jahre später übernahm der langjährige Red-Bull-Abgesandte beim strauchelnden Riesen Manchester United, damals mit Cristiano Ronaldo. Es lief: mittelgut. Rangnick fing im November 2021 an, im Mai 2022 gingen Coach und Klub wieder getrennte Wege.
(Spoiler: ManUnited ist noch immer ein strauchelnder Riese. Dieser Tage wurde Julian Nagelsmann gehandelt.)
Wenige Wochen nach Rangnicks Exodus war auch die Amtsperiode von beim FC Chelsea beendet. Der frühere Mainzer und Dortmunder (und spätere Münchner) hatte die Londoner noch im Mai 2021 zum Champions-League-Sieg geführt – und dann feststellen müssen, dass die Halbwertszeit von Schulterklopfern in England nicht beschränkter ist als in Deutschland oder Frankreich, wo er bei Paris Saint-Germain reüssiert hatte.
Durchaus ironisch, dass Tuchel den Briten erhalten bleiben sollte: Im Januar 2025 übernahm er die Nationalmannschaft, bei der WM 2026 reichte es zum dritten Rang, überlebensgroßes Ziel ist die Heim-EM 2028. In Tuchel they trust: Ein Deutscher soll Englands bleischwere Sehnsucht nach einem Titel stillen. Ein Deutscher! Welch eine Wandlung.
Es ist nicht lange her, da haben die Briten ihren schwarz-rot-goldenen Erzrivalen ja verlässlich verunglimpft. Die bösen Deutschen waren die „Krauts“ (tatsächlich eine Anlehnung ans Sauerkraut), und jede sportliche Auseinandersetzung mit England wurde in tumber Rhetorik zu martialischen Kriegsmetaphern stilisiert – als würden sich die Gefechte der Vergangenheit nun auf den Sportbühnen fortsetzen.
Bei der EM 1996 stülpte der „Daily Mirror“ seinen Nationalspielern Stuart Pearce und Paul Gascoigne vor dem Halbfinale gegen Deutschland jeweils Stahlhelme auf den Kopf. Parallel wurde das Formel-1-Duell zwischen Damon Hill und Michael Schumacher mit unsäglichen Schlachtengemälden aufgeladen.
Damals, vor 30 Jahren, wäre ein Deutscher als Trainer der heiligen englischen Fußball-Nationalmannschaft unvorstellbar gewesen.
Zum Glück war früher nicht alles besser. Die historischen Spannungen lockerten sich, Klopp trug massiv zum deutschen Bild auf der Insel bei.
„Ich habe schon oft betont, dass er der bedeutendste Botschafter Deutschlands in der gesamten Geschichte dieser großartigen Nation ist“, sagt Liverpool-Insider und FOCUS-online-Kolumnist Graham Agg. „Klopp war der Wegbereiter für die Welle deutscher Trainer im englischen Fußball. Und ich gehe davon aus, dass noch mehr deutsche Trainer den Weg in unseren Fußball finden werden.“