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Kabinen-Zoff in Gladbach? Sportchef widerspricht
Kommt es sogar noch schlimmer?
Kommt es sogar noch schlimmer?

Borussia Mönchengladbach will seinen Negativlauf stoppen und in Stuttgart die ersten Punkte der Saison einfahren. Gladbach-Sportchef Rouven Schröder erklärt im exklusiven SPORT1-Interview, wie intakt die Mannschaft wirklich ist, warum er weiter an Trainer Alexander Blessin glaubt und was die sportliche Krise für die Planungen im Winter bedeutet.

Sieben Bundesliga-Niederlagen zum Auftakt einer Saison gab es bislang noch nie. Borussia Mönchengladbach könnte am Abend in Stuttgart alleiniger Halter dieser traurigen Bestmarke werden. Viel spricht derzeit nicht für die Fohlen: Der Trainereffekt unter Alexander Blessin scheint beim Tabellenletzten verpufft, das Selbstvertrauen der Spieler ist angeknackst und die Verletztenliste nimmt immer absurdere Züge an.

Dennoch bleibt Sportchef Rouven Schröder positiv. Im exklusiven SPORT1-Interview erklärt er, was er nun von den Spielern erwartet, äußert sich zu den zuletzt leer gebliebenen Plätzen im Borussia-Park und kündigt an, alles dafür tun zu wollen, damit der Verein in der Bundesliga bleibt – auch mit Blick auf das Wintertransferfenster. Außerdem bezieht Schröder Stellung zu einem Bericht, wonach die Mannschaft nicht mehr intakt sein soll. Zugleich stärkt der 51-Jährige Blessin den Rücken und verrät ein Vertragsdetail für den Fall eines möglichen Abstiegs.

Rouven Schröder befindet sich mit Borussia Mönchengladbach in einer prekären Situation
Rouven Schröder befindet sich mit Borussia Mönchengladbach in einer prekären SituationRouven Schröder befindet sich mit Borussia Mönchengladbach in einer prekären Situation

SPORT1: Herr Schröder, Borussia Mönchengladbach hat eine kurze Vorbereitungswoche hinter sich. Mit welchem Gefühl sind Sie in den vergangenen Tagen zur Arbeit gefahren?

Rouven Schröder: Das Gefühl ist weiterhin positiv, weil das einfach meinem Grundcharakter entspricht. Natürlich prasselt aufgrund der Situation unglaublich viel auf uns ein. Gleichzeitig sind wir kämpferisch und wissen, wo wir aktuell stehen. Wir gehen die Aufgaben nach und nach an. Und da haben wir jetzt mit dem VfB Stuttgart ein absolutes Brett vor der Brust. Wir glauben weiter an uns und ziehen uns gegenseitig hoch.

SPORT1: Ihr Trainer Alexander Blessin betont immer wieder die Gemeinschaft. Wie nehmen Sie den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft aktuell wahr? Was überwiegt derzeit: Der Glaube oder die Ernüchterung?

Schröder: Jeder geht anders mit dieser Situation um. Der eine sehr offensiv und versucht, eine gewisse Lockerheit reinzubringen. Das ist auch wichtig. Der andere ist nachdenklicher, dem musst du dann entsprechend zureden. Wir versuchen, die Köpfe der Spieler freizubekommen. Aber am Ende können wir uns nur selbst aus dieser Situation herausziehen, um für diesen überragenden Club die Punkte einzufahren. Gegen den VfB sind wir absoluter Außenseiter. Aber auch das kann positiv sein.

SPORT1: Zehn (!) Spieler stehen Ihnen derzeit zum Teil verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Fast alle, die für die erste Elf vorgesehen wären…

Schröder: Grundsätzlich hilft das in der aktuellen Situation natürlich nicht weiter. Es geht nicht nur darum, dass sie auf dem Platz fehlen. Wenn Spieler nicht in der Kabine sind, kann sich eine Gruppe auch nicht ganzheitlich als Mannschaft formen. Unser Ziel muss sein, dass diese Spieler zeitnah zurückkommen und wir noch mehr Geschlossenheit herstellen können.

Gladbachs Kabine „absolut intakt“

SPORT1: Wie nehmen Sie denn das Innenleben in der Mannschaft wahr? Zuletzt gab es einen Bericht, wonach die Kabine nicht ganz intakt sein soll …

Schröder: Sie ist absolut intakt! Es ist doch völlig normal im Journalismus, dass man versucht, sich Dinge zu erklären. Aber das bedeutet nicht, dass es stimmt. Und wenn dann von Grüppchen gesprochen wird: Ich glaube, es gibt keine Kabine ohne Grüppchen. Vielleicht verstehen du und ich uns sehr gut, während du dich mit einem anderen weniger gut verstehst. Das ist völlig normal.

SPORT1: Also braucht die Mannschaft auch keine gemeinsamen Abende oder Aktivitäten, um besser zueinander zu finden?

Schröder: Ich halte nichts von dieser Mär, dass du zwei Mannschaftsabende in der Woche veranstaltest und dadurch mehr Punkte holst.

SPORT1: Alexander Blessin ist jetzt genau einen Monat im Amt. Die Bilanz: zwei Spiele, null Punkte. Es scheint so, als wäre der Trainereffekt verpufft. Stimmen Sie zu?

Verletzungsmisere? „Macht es natürlich schwieriger“

Schröder: Wenn wir uns ausschließlich am Ergebnis orientieren, ist es nach sechs Spieltagen natürlich ein Stück weit negativ. Fakt ist aber, dass Alex Inhalt und Schwung reingebracht hat. Er hat die Gruppe vom ersten Tag an hart angefasst – mit Empathie und einer großen Klarheit darin, was er will und wie er Fußball spielen möchte. Alex und sein Trainerteam machen einen richtig guten Job. Natürlich sagen die Leute: „Wenn ihr einen guten Job macht, warum holt ihr dann keine Punkte?“ Aber wir sehen jeden Tag, wie hier gearbeitet wird. Von daher passt es!

SPORT1: Wann trägt diese gute Arbeit Früchte?

Schröder: Wir stecken mitten in diesen Prozessen und versuchen, Automatismen aufzubauen. Dabei sind wir auch leider wieder beim Thema Verletzungen: Ein Spieler ist zwei Tage im Training dabei und fällt dann leider wieder raus. Das macht es natürlich schwieriger. Trotzdem bleibe ich dabei: Es sind Fortschritte zu erkennen. Und genau das müssen wir jetzt eben mit Punkten untermauern. Dann bekommst du noch einmal mehr Schwung und Pace.

SPORT1: Gegen Hoffenheim sind zuletzt einige Plätze im Borussia-Park leer geblieben – eigentlich ungewöhnlich für die Gladbach-Fans. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Schröder: Wenn man etwas finden möchte, findet man auch eine leere Ecke. Sonntag, 17.30 Uhr, unsere aktuelle sportliche Situation, entsprechendes Wetter – und Hoffenheim hatte, glaube ich, 160 Auswärtsfans dabei. Da ist es normal, dass du oben eine Ecke findest, die nicht voll ist. Und natürlich gibt es auch einen Zuschauer, der zu Recht sagt: „Im Moment bin ich nicht zufrieden, deshalb komme ich nicht.“ Aber wir sind nach wie vor in gutem Austausch mit den Fans, sprechen intensiv miteinander. Fakt ist: Es geht nur zusammen und wir werden uns nicht auseinanderdividieren lassen.

„Borussia Mönchengladbach gehört in die Bundesliga“

SPORT1: Was bedeutet die aktuelle Situation für Ihre Arbeit mit Blick auf das Wintertransferfenster? All-in gehen, investieren und alles daransetzen, die Klasse zu halten – oder müssen Sie bereits in mehreren Szenarien planen?

Schröder: Wir sind in der Fußball-Bundesliga und mein Credo ist ganz klar: Wir müssen alles dafür tun, um in dieser Liga zu bleiben. Wir hoffen natürlich, dass die Verletztenliste nach und nach kleiner wird und die Spieler sich zeigen können – auch damit Alex sieht, wie jeder in seinem Fußball funktioniert. Danach werden wir Entscheidungen treffen. Wenn wir der Meinung sind, dass wir uns im Winter verstärken müssen, um unser Ziel zu erreichen, dann werden wir das tun. Borussia Mönchengladbach gehört in die Bundesliga. Das ist eine klare Aussage. Jeder in der Gruppe ist jetzt aufgerufen, sich anzubieten und einen guten Job zu machen. Und wenn wir im Winter die Möglichkeit haben, zuzuschlagen, werden wir uns auch verstärken.

SPORT1: Gilt der Vertrag von Alexander Blessin denn auch für die 2. Bundesliga?

Schröder: Ja, definitiv.

SPORT1: Kommen wir zum VfB. Für Alexander Blessin ist es aufgrund seiner Vergangenheit und seiner Verbundenheit zu Stuttgart [Blessin ist in Bad Cannstatt geboren; Anm. d. Red.] ein besonderes Spiel. Was zeichnet die Stuttgarter aus?

Schröder: Die Kontinuität im Club strahlt absolut etwas aus. Gerade Alex Wehrle, Fabian Wohlgemuth, Sebastian Hoeneß, Christian Gentner und viele andere – der Club hat sich wirklich vereint und sich herausragend entwickelt! Man darf sich auch da nicht von der Erzählung blenden lassen, sie seien nicht so gut in die Liga gekommen. Wir werden unabhängig von den Vorzeichen alles dafür tun, es ihnen so schwer wie möglich zu machen. Ich hoffe, dass wir morgen Abend gegen einen starken VfB im Hexenkessel, bei Flutlicht in diesem Stadion Paroli bieten und endlich etwas für uns holen können.

Keine Angst vor dem Negativrekord

SPORT1: Mit einer erneuten Niederlage würde Borussia einen neuen Negativ-Startrekord aufstellen. Was erwarten Sie ganz konkret von jedem einzelnen Spieler?

Schröder: Dass wir in unserer besonderen Situation trotzdem gewisse Fesseln lösen und uns in alles reinschmeißen. Dass wir über die Basics kommen und uns darüber auch etwas holen. Jeder muss bis zum Schluss alles abrufen. Wir müssen Fehler wegstecken, im Kopf klar bleiben und daran glauben, dass wir dort etwas holen können – egal, wie stark der Gegner ist. Wir fahren da nicht als Drittligist im Pokal zu einem Erstligisten. Das müssen wir uns bewusst machen, egal, wie verletzungsgeschwächt wir sind.

SPORT1: Also haben Sie keine Angst vor dem möglichen unrühmlichen Rekord?

Schröder: Ganz ehrlich: Ich freue mich, weil es die nächste Challenge ist. Für mich als Sportchef ist es auch wieder ein Blick aufs Ganze: Mit wem kannst du die nächsten Schritte planen? Deshalb freue ich mich auf das Spiel.

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