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Ferrari-Teamchef nach F1-Pleite: "Verstehe nicht, wie wir dieses Rennen verlieren können"
Bei Ferrari herrscht nach dem verschenkten Mexiko-Sieg viel Frust, Foto: IMAGO / ANP

Ferrari hat es schon wieder geschafft. Seit Monaten lässt das Formel-1-Traditionsteam aus Italien eine Gelegenheit nach der anderen auf einen Rennsieg aus. In Mexiko lag eigentlich alles für die Scuderia bereit. Erstmals in diesem Jahr stand mit Lewis Hamilton ein Ferrari-Fahrer auf Pole, nachdem man endlich einmal die Reifenvorbereitung hinbekommen hatte, die Rennpace war ebenfalls gut und P1 und P3 verwandelten sich bis zur ersten Kurve sogar in eine Doppelführung.

Danach bog das Schicksal von Ferrari aber in die falsche Richtung ab. Es bedurfte nur einer Kurvenkombination, um diesen vermeintlich sicheren Sieg aus der Hand zu geben. Für Teamchef Fred Vasseur schwer zu verdauen, der nach dem Rennen seinen Frust kaum verhehlen konnte. "Wir waren heute auf 1 und 2 in Mexiko. Ich verstehe immer noch nicht, wie wir dieses Rennen verlieren können", sagte der Franzose im Interview bei F1TV.

Charles Leclerc und Lewis Hamilton verzettelten sich im Zweikampf in den Kurven 4/5 untereinander, indem es beide auf der Bremse zu bunt trieben und neben die Strecke kamen. Damit machten sie Max Verstappen den Weg zum Sieg frei. Hamilton büßte seinen Platz umgehend an den Niederländer ein, Leclerc kürzte die Strecke ab und verlor durch die anschließende Strafe die Führung. Weil Verstappen danach nichts mehr falsch machte, war der Sieg für Ferrari verloren.

Fred Vasseur erinnert Hamilton und Leclerc an ihre Verantwortung: "Frage des Respekts"

Wieder einmal wurde der Maranello-Mannschaft dabei zum Verhängnis, dass es offenbar keine konkreten Absprachen zum Verhalten für den teaminternen Zweikampf gab. Während Hamilton seinen Teamkollegen in der Pressekonferenz scharf anging, sparte es sich Teamchef Fred Vasseur nach dem Rennen, einem Fahrer die Schuld zuzuschieben. Er betonte nur, dass man das "ausdiskutieren und die Situation klären" werde. Stattdessen erhob er das Thema zu einer allgemeinen Diskussion um Respekt. Respekt vor den Stakeholdern und vor allem der Belegschaft bei der Scuderia.

"Wir können Ewigkeiten diskutieren. Aber es geht nicht darum, vorab zu diskutieren, wie man fahren muss, wenn man auf der linken oder auf der rechten Seite ist. Es gibt nur einen Diskussionspunkt, und das ist eine Frage des Respekts", so Vasseur. Dieser Respekt für die gesamte Organisation des Rennteams sei in dem Zweikampf zwischen Hamilton und Leclerc zu kurz gekommen, lässt er durchklingen.

"Respekt bedeutet, dass sie nicht für sich selbst arbeiten", bläute er seinen Fahrern ein: "Sie arbeiten für eine Gruppe, sie arbeiten für viele Sponsoren, sie arbeiten für 2000 Leute im Unternehmen. Für die Jungs, die hart für Upgrades schufteten, die Tag und Nacht arbeiteten, und das müssen sie im Kopf behalten", führte Vasseur aus. "Wir haben Leute, die ihr ganzes Leben für das geben und dann einen Sieg so zu verschenken, das ist schwierig zu verdauen", betonte er.

Das Warten auf den nächsten Ferrari-Sieg geht weiter

Seit Silverstone wartet Ferrari nun schon auf einen Sieg in der Formel 1. Beim USA-GP vor einer Woche hatte die Scuderia ein größeres Update-Paket an die Strecke gebracht, das man umgehend in eine verbesserte Performance ummünzen konnte. In Austin hatte es noch in Q3 gehapert, wodurch Leclerc Antonelli am Renntag nicht fordern konnte. Jetzt überstand man die Qualifikation und konnte sich trotzdem nicht dafür belohnen: "Ich bin frustriert, denn wir haben mit unserer Performance in den letzten Events einen ordentlichen Schritt nach vorne gemacht", haderte Vasseur mit der zweiten verpassten Chance in Serie.

In Mexiko ist eine erfolgreiche Startphase bereits die halbe Miete auf dem Weg zum Sieg. 80 Prozent aller modernen Formel-1-Rennen in dem nordamerikanischen Land gingen an jenen Fahrer, der am Start die Führung behaupten konnte. Überholen ist anschließend aufgrund der durch die Höhenlage ausgelösten enormen Überhitzungsprobleme von Motor und Bremsen kaum mehr möglich. Das galt mit der neuen Regelgeneration mindestens genauso wie mit den Vorgänger-Autos, wenn nicht sogar noch stärker.

"Ich erinnere mich gar nicht, wann wir das letzte Mal Überholmanöver in Mexiko hatten, wahrscheinlich Ende der 70er", überspitzte der Ferrari-Teamchef die Sachlage ein bisschen. "Wenn man dann Erster und Zweiter ist, dann kann man sich gar nicht vorstellen, dass man das Rennen nicht gewinnt."

Bei diesem Frust tut sich selbst Vasseur, der ansonsten gerne bei Niederlagen das Glas halb voll sieht, schwer, die positiven Aspekte hervorzuheben. Immerhin, einen findet er dann doch: "Es ist jetzt das dritte Event in Serie, in dem wir die meisten Punkte geholt haben." In Mexiko ist das aber nur ein sehr schwacher Trost für die Zweiten der Konstrukteurs-WM.

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