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Aprilia patzt auf den Paradestrecken: Rivola räumt verpasste WM-Chancen ein
Marc Marquez übernahm in Australien die WM-Führung von Jorge Martin Foto: Gold & Goose Marc Marquez übernahm in Australien die WM-Führung von Jorge Martin © Gold & Goose

Zwei MotoGP-Wochenenden auf Strecken, die der Aprilia RS-GP entgegenkamen, sollten im Titelkampf eine Gelegenheit bieten, Punkte auf Titelverteidiger Marc Marquez (Ducati) gutzumachen und sich ein WM-Polster für den Endspurt zu verschaffen. Nach Mandalika und Phillip Island fällt die Bilanz jedoch ernüchternd aus: Jorge Martin hat die WM-Führung an Marc Marquez verloren und ist verletzt. Marco Bezzecchi konnte seinen Rückstand trotz eines Grand-Prix-Sieges nicht verkürzen.

Vor dem Indonesien-GP führte Martin mit 333 Punkten vor Marquez mit 331 und Bezzecchi mit 284. Nach Phillip Island steht Marquez bei 365 Zählern, Martin bei 355 und Bezzecchi bei 315. Martin verlor gegenüber seinem Titelrivalen damit zwölf Punkte. Bezzecchi büßte drei weitere Zähler ein: Aus 47 Punkten Rückstand wurden 50.

Rivola ernüchtert: «Haben Chancen nicht genutzt»

Aprilia-Rennchef Massimo Rivola widersprach deshalb nicht, als er auf die verpassten Möglichkeiten angesprochen wurde. «Nein, wir haben diese Chancen überhaupt nicht ausgeschöpft. Ich denke, es ist offensichtlich, dass Aprilia auf diesen beiden Strecken im Trockenen einen Vorteil hat», erklärte der Italiener.

Wie groß das Potenzial war, zeigte besonders der Grand Prix in Mandalika. Bezzecchi gewann vor Raul Fernandez, Martin und Ai Ogura. Aprilia besetzte erstmals die ersten vier Positionen, während Marquez als bester Ducati-Pilot nur Sechster wurde. Doch der historische Erfolg konnte die Verluste vom Vortag nicht vollständig ausgleichen.

Massimo Rivola zog eine ernüchternde Zwischenbilanz Foto: Gold & Goose Massimo Rivola zog eine ernüchternde Zwischenbilanz © Gold & Goose

Im Indonesien-Sprint schied Bezzecchi bereits in der ersten Kurve nach einer Kettenreaktion aus. Martin übernahm die Führung und schien auf dem Weg zum Sieg. Zu niedriger Luftdruck im Vorderreifen zwang ihn jedoch, Marquez passieren zu lassen. Ein später Fehler kostete ihn zwei weitere Positionen. Marquez gewann, Martin wurde nur Vierter.

Auch am Sonntag holte Martin nicht das Maximum heraus. Platz 3 hinter Bezzecchi und Fernandez brachte zwar die WM-Führung zurück, angesichts der Aprilia-Überlegenheit blieb aber eine weitere Möglichkeit ungenutzt. Über das gesamte Mandalika-Wochenende sammelten Martin und Marquez jeweils 22 Punkte. Bezzecchi gewann gegenüber dem Ducati-Piloten lediglich drei Zähler.

Aprilia in Australien nur im Trockenen stark

Auf Phillip Island bot sich die nächste Chance. Im trockenen Zeittraining führte Bezzecchi vor Fernandez, Marquez, Ogura und Martin. Vier Aprilias unter den ersten fünf bestätigten, dass die RS-GP auf dem schnellen australischen Kurs hervorragend funktionierte.

Der Wetterumschwung veränderte am Samstag allerdings die Ausgangslage. Bezzecchi brachte sich mit einem schwachen Qualifying um eine gute Startposition. Im trockenen Sprint arbeitete er sich nach einem schlechten Start zwar wieder nach vorne, kam aber nicht über Platz 4 hinaus. Gegenüber Sieger Marquez verlor er sechs Punkte.

Martin kämpfte dagegen unmittelbar um den Sieg. Mehrfach wechselten er und Marquez die Führung, ehe der Aprilia-Pilot in Runde 8 in der schnellen Kurve 8 schwer stürzte. Statt wichtiger Punkte folgten ein Speichenbruch und das vorzeitige Ende seines Wochenendes.

Rennabsage hatte für Aprilia Vor- und Nachteile

Die Absage des Hauptrennens begrenzte zumindest Martins sportlichen Schaden. Weil wegen der eingeschränkten Sicht und des beeinträchtigten Einsatzes des Rettungshubschraubers nicht gefahren werden konnte, erhielt Marquez keine Gelegenheit, seinen Vorsprung weiter auszubauen.

Bezzecchi verlor damit allerdings ebenfalls die Chance, am Sonntag zurückzuschlagen. «Es wäre ein Rennen mehr gewesen für mich, eine Chance, die ich hätte nutzen können», kommentierte der Italiener. «Wir werden nie wissen, wie es ausgegangen wäre. Das macht mich traurig. Jetzt haben wir noch vier weitere Rennen, das nächste bereits am kommenden Wochenende. Ich bin sehr happy, nach Malaysia zu reisen und dort erneut zu fahren. Ich kann es kaum erwarten.»

Aprilia reist mit zehn Punkten Rückstand für Martin und 50 für Bezzecchi nach Malaysia. Ob Martin in Sepang überhaupt antreten kann, ist offen. Eine Operation scheint derzeit nicht notwendig, Rivola bezeichnete eine Rückkehr am kommenden Wochenende dennoch als sehr schwierig.

Aprilia-Rennleiter Massimo Rivola mit Luigi Dall'Igna von Ducati Foto: Gold & Goose Aprilia-Rennleiter Massimo Rivola mit Luigi Dall'Igna von Ducati © Gold & Goose

Ausgerechnet jetzt folgt mit Sepang eine Strecke, die Ducati stärker entgegenkommen dürfte. Auch die Durchführung des anschließenden Katar-GP ist wegen der Unruhen in der Region nicht vollständig gesichert. Für Aprilia wird der weitere Titelkampf damit schwer planbar.

Rivola will die Erwartungen an die verbleibenden Strecken trotzdem nicht allein aus bisherigen Kräfteverhältnissen ableiten. «Gleichzeitig möchte ich positiv denken und daran glauben, dass auch Strecken, die vermeintlich nicht unsere Strecken sind, zumindest für die Punkteausbeute gut werden können. Aber das können wir nicht wissen, bevor wir dort gefahren sind», betonte der Aprilia-Rennchef.

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