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Jorge Martin strebt nach seinem Handbruch im Sprint von Phillip Island tastsächlich bereits eine Woche später das Comeback in Malaysia an. Ist so etwas medizinisch überhaupt denkbar? MotoGP-Legende Dr. Claudio Costa hat nun seine Einschätzung dazu gegeben.
Bei Dr. Costa handelt es sich um eine Koryphäe des Sports. 1976 gründete der Italiener das Clinica Mobile zur Behandlung verletzter Fahrer. Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2014 half er zahllosen Piloten, rettete dabei Leben und Karrieren. 1992 bewahrte er etwa Motorrad-Legende Mick Doohan vor der Beinamputation und machte so erst die späteren fünf Weltmeistertitel des Australiers möglich.
Nun teilte der mittlerweile 85-Jährige seine Expertise zum Fall Jorge Martins bei den italienischen Kollegen von gpone.com mit. "Ich bin sehr traurig für ihn und wünsche ihm alles Gute. Das Pech ist, dass es sich nicht nur um einen Handgelenksbruch handelt, sondern dass es das rechte Handgelenk ist. Wäre es das linke gewesen, hätte er heute [gemeint ist das am Ende abgesagte Rennen am Sonntag auf Phillip Island, Anm. d. Red.] zwar nicht fahren können, aber in Malaysia wäre er sicher an den Start gegangen", äußerte Costa.
Eine Fahrt mit gebrochenem linkem Handgelenk beim Malaysia GP wäre kein Novum in der WM gewesen. "Das ist, um nur ein Beispiel zu nennen, auch Kevin Schwantz passiert", erinnert sich der Arzt zurück. Die Motorrad-Legende aus den USA brach sich in Assen 1994 abermals das Handgelenk, fuhr aber mit zusammengebissenen Zähnen dennoch im Rennen auf Rang fünf.
Schwantz erwischte es aber am 'richtigen' Handgelenk. "Hätte sich Martin das linke Handgelenk gebrochen, wäre er weiterhin voll im Kampf um die Weltmeisterschaft geblieben. Natürlich wäre es besser gewesen, gar keinen Bruch zu haben, aber mit dem linken Handgelenk hätte er weiterhin um den Titel kämpfen können", betont Dr. Costa daher erneut.
Hinter diesem entscheidenden Unterschied stecken die verschiedenen Rollen der beiden Hände im Motorradsport. Während die linke Hand 'nur' zum Lenken und Betätigen der Kupplung am Start benötigt wird, sind Gas und Bremse mit der rechten Hand zu bedienen. Nur eine Woche nach dem Knochenbruch scheint es utopisch, dass Martin seine Aprilia bereits wieder konkurrenzfähig und sicher kontrollieren könnte. "Mit dem rechten Handgelenk und ohne Operation ist es unmöglich, in Malaysia zu fahren, auch wenn man es versuchen könnte", meint der erfahrene Mediziner.
Doch ein Aus für den 'Martinator' im WM-Kampf gegen Marc Marquez muss das noch nicht bedeuten. MotoGP-Piloten sind für erstaunlich schnelle Genesungsprozesse bekannt. "In Katar [eine Woche nach Malaysia, Anm. d. Red.] wäre er sicherlich in einer Situation, in der das Unmögliche möglich werden kann. In Malaysia ist das unmöglich, aber in Katar ist es möglich", macht Dr. Costa tatsächlich Hoffnung auf eine Rückkehr des Weltmeisters von 2024 im Saisonendspurt.
Die Absage auf Phillip Island kam Jorge Martin entgegen. Warum diese notwendig war und was Aprilia zu einem möglichen Comeback des Spaniers sagt, gibt es in unserem neuesten Video: