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„Hängende Spitze“: Dumm, aber lecker
Getroffen, gejubelt, geflogen: Hoffenheims Alexander Prass reißt sich nach seinem 2:0 gegen Leverkusen verbotenerweise das Trikot vom Leib, Teamkollege Andrej Kramaric ist fassungslos.
Getroffen, gejubelt, geflogen: Hoffenheims Alexander Prass reißt sich nach seinem 2:0 gegen Leverkusen verbotenerweise das Trikot vom Leib, Teamkollege Andrej Kramaric ist fassungslos.Foto: Ralf Brück/Jan Hübner/Imago

Noch ahnt der Hoffenheimer Fußballer Alexander Prass vermutlich nichts von der Vorherbestimmung der Dinge, aber wir, die wir in dieser Kolumne stets das große Ganze bedenken, werfen schon mal einen Blick auf die Gastronomieszene in Prass’ Geburtsort Hellmonsödt. Hellmonsödt, das wirklich nur nebenbei, liegt im Mühlviertel im oberösterreichischen Bezirk Urfahr-Umgebung, Bezirkshauptmannschaft Linz-Urfahr, und außer dem Kaffeehaus Land & Liebe, der Genussstube Petra Reingruber und Georgy’s Bar in der Gewerbezeile ist da restaurantmäßig nicht viel geboten. Weshalb Alexander Prass bei den Hellmonsödtern sicher auf offene Münder stößt, wenn er dort demnächst sein Lokal eröffnen wird, das nur diesen einen Namen tragen kann: „Ein bisschen dumm, aber lecker.“

Die Abstrahleffekte vom Fußballplatz in die Großküche sind ja bekannt. Der Flügelstürmer Willi „Ente“ Lippens spielte 1965 mit Rot-Weiss Essen in der Regionalliga bei Westfalia Herne, gelbe und rote Karten waren noch nicht erfunden, Ermahnungen wurden von den Unparteiischen mündlich ausgesprochen. Was zu einem der berühmtesten Dialoge der Fußballgeschichte führte: „Herr Lippens, ich verwarne Ihnen!“, sagte der Schiedsrichter, und darauf Lippens: „Herr Schiedsrichter, ich danke Sie!“ Dafür flog Lippens vom Platz, wegen Schiedsrichterbeleidigung. Später eröffnete er in Bottrop die Gaststätte „Ich danke Sie!“; die gibt es bis heute, das Schnitzel „Scharfer Willi“ (mit fruchtig-würziger Tomatensoße) ist legendär.

Die halb nackte Scharfer-Alex-Feierei brach Prass schnell wieder ab

Beim österreichischen Nationalspieler Prass wird es auch so kommen. Als er am Sonntagnachmittag, beim 3:0 im Heimspiel gegen Leverkusen, in der 89. Minute das vorentscheidende 2:0 erzielte („Er traf satt aus 16 Metern in die Maschen und drehte dann zum Jubel ab“, notierte der Kicker), riss er sich spontan das Trikot vom Leib, erinnerte sich dann aber an die gelbe Karte, die er wegen eines taktischen Fouls in der ersten Halbzeit gesehen hatte, und brach die halb nackte Scharfer-Alex-Feierei schnell wieder ab. Aber da war es schon zu spät. Referee Robert Hartmann ließ ihn von jener Karte kosten, die die Farbe fruchtig-scharfer Tomatensoße trägt. Und Prass’ Kollege Andrej Kramarik sagte später – lächelnd – jenen Satz, der nun als Grundlage für die weitere Lebensplanung dienen kann: „Er ist ein guter Spieler, aber ein bisschen dumm.“

Der Übergang von der aktiven Laufbahn in die Karriere danach ist für Fußballer oft eine Herausforderung. Schreibwarenläden wie jene, in denen man als „Katsche“ Schwarzenbeck sein Glück finden konnte, werden seltener, und es kann auch nicht jeder TV-Experte werden wie Bastian Schweinsteiger. Als Reminiszenz an die eigene Karriere ein Restaurant aufzumachen, ist daher eine gute Wahl. Alexander Prass muss nur achtgeben, dass sein „Ein bisschen dumm, aber lecker“ von den Kritikern des Magazins Kicker Gastro nicht mit dem „The Überblöd“ verwechselt wird, das Michael Olise demnächst in London-Hammersmith eröffnet.

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