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Einmal, noch im Kartbereich, habe ihm Vater Michael eine Lektion erteilt. In Sarno, nahe Neapel, ging es um die Junioren-Weltmeisterschaft; am Start standen auch spätere Formel-1-Piloten wie Lando Norris (Weltmeister 2025) oder Lance Stroll. Schumacher selbst „kann nicht behaupten, dass ich in der Lage war, um die WM mitzufahren“, er schildert es so:
„Das Qualifying lief nicht so super, ich hatte bei den Ausscheidungsrennen ein paar Unfälle und bin dann im Finale relativ weit hinten gestartet. Eigentlich hatten wir geplant, ein paar Wochen später beim Weltfinale in Bahrain zu starten. Doch dann meinte Papa: ‚Wir gehen nicht nach Bahrain, du warst nicht gut genug in Sarno.‘ Ich war gekränkt und traurig. Aber dann habe ich mir gesagt, ich muss einfach daran arbeiten, dass ich besser werde und mir das nicht noch einmal passiert.“
Er habe hinterher mit Mutter Corinna gesprochen, erzählt Mick. „Und sie wusste von Papa, dass er einfach sehen wollte, wie ich reagiere, wenn jemand ein bisschen härter mit mir ist. Und sagt: Du kriegst jetzt mal nicht, was du willst. Dass ich auch mal um etwas kämpfen muss und nicht immer alles selbstverständlich ist.“ Mick Schumacher wörtlich:
„Ich wusste immer, dass er Dinge aus gutem Grund macht. Nicht als Bestrafung, sondern zum Lernen. Die Art und Weise, wie er solche Situationen gemanagt hat, war immer superväterlich. In diesem Fall wollte er mich vielleicht vorbereiten auf einen Teamchef, der etwas komplizierter ist und Entscheidungen trifft, die mir nicht gefallen.“
Dieser Teamchef sollte viele Jahre später kommen, 2021 bei Schumachers Formel-1-Debüt im Haas-Rennstall. Der Südtiroler Günther Steiner pflegte einen schroffen Umgang, Ferrari-Akademiefahrer Schumacher wurde ihm als Ferrari-Motorenkunde quasi aufgezwungen. Zudem war der Haas-Wagen nicht konkurrenzfähig. Keine guten Voraussetzungen.
Nach zwei Saisons musste Schumacher wieder gehen, im Buch sagt er über Steiner: „Gleich zu Beginn ist so viel schiefgelaufen, dass unsere Beziehung sehr angespannt war und diese Anspannung bis zum Ende geblieben ist. Es hört sich vielleicht etwas bitter oder sogar verbittert an, wenn ich dem jetzt so nachhänge. Aber vieles war einfach nicht korrekt.“
Richtig habe er das erst nach seinem Haas-Abgang begriffen, „als ich bei Mercedes Testfahrer war und gesehen habe, wie dort mit dem Fahrer gearbeitet wird. Deshalb bin ich heute der festen Überzeugung, dass ich bei einem anderen Team anders hätte performen können.“
Das andere Team hätte Alfa Romeo sein können, damals ebenfalls Ferrari-Kunde. Es war Schumachers erste Wahl, doch er hatte kein Mitspracherecht. „Wäre ich zu Alfa Romeo gekommen, mit einem früheren Weltmeister wie Kimi Räikkönen als Kollegen, hätte ich sicher einiges von ich aufgeschnappt“, sagt er.
„Ich bin kein Hellseher, aber ich bin mir sicher, das meine Saison und meine Karriere komplett anders verlaufen wären.“
Eine dritte Alternative wäre eine Testfahrerrolle bei Ferrari gewesen – schon vor dem Formel-1-Debüt. „Mir wurde das 2019 von Ferrari angeboten. Ich habe es abgelehnt und mich auf die Formel 2 konzentriert“, meint Mick rückblickend. „Vielleicht war das ein Fehler.“
Zur Saison 2024, nach vergeblichen Versuchen eines Formel-1-Comebacks, wechselte Schumacher in die World Endurance Championship (WEC). Seit 2026 lebt er in Amerika und fährt dort in der IndyCar-Serie. Sein bisher bestes Ergebnis ist ein achter Rang, er sagt: „Es ist ein großer Schritt, dieses Jahr die Rennstrecken kennengelernt zu haben, um dann in Zukunft wirklich angreifen zu können.“