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Noch keine Aprilia-Teamorder, aber bald? Tardozzi: "Können tun, was sie wollen"
Noch keine Aprilia-Teamorder, aber bald? Tardozzi: "Können tun, was sie wollen"

Wird Aprilia im WM-Kampf gegen Marc Marquez Teamorder einsetzen, um den ersten MotoGP-Titel zu gewinnen? Mit dieser Frage beschäftigte sich Aprilia auch zu Beginn des Rennwochenendes auf Phillip Island (Australien). Ducati-Teammanager Davide Tardozzi kommentiert Aprilias Überlegungen.

Am Donnerstag gab es ein Teammeeting mit den Verantwortlichen bei Aprilia, den Verantwortlichen des Satellitenteams Trackhouse und allen vier Fahrern. Raul Fernandez scherzte danach, dass man "nur Kaffee" getrunken habe.

Am Trainingstag wurde vonseiten Aprilias jedoch bekräftigt, dass bei dieser Besprechung keine Teamorder ausgegeben wurde, um Jorge Martin im Duell mit Marc Marquez zu helfen.

"Ganz klar ist, dass wir im Hinterkopf behalten müssen, in welcher besonderen Phase der Saison wir uns befinden", sagt Aprilia-Teammanager Paolo Bonora bei MotoGP.com.

"Wir müssen auf jede einzelne Session achten, auf jedes einzelne Manöver auf der Strecke. Um es abzuschließen: Wie ich bereits beim letzten Rennen gesagt habe, haben wir unseren Fahrern ganz klar mitgeteilt, dass es keine direkte Vorgabe gibt."

"Ja, das Ziel ist eindeutig, aber wir wollen nichts über eine klare Stallorder sagen. Wir haben keine Stallorder ausgesprochen, weil wir alle Aprilia-Piloten an der Spitze sehen wollen."

Laut Bonora sollte das Meeting mit allen vier Fahrern in erster Linie dazu dienen, ihnen einzuschärfen, dass sie auf der Strecke aufeinander achtgeben sollen, damit es nicht zu unnötigen Stürzen und Unfällen kommt.

"Wir haben unmissverständlich klargestellt, dass wie schon bei den ersten Saisonrennen das entscheidende Wort Respekt lautet, einzig und allein Respekt. Geht keine Risiken im Duell mit Fahrern auf demselben Motorrad ein."

"Und wenn man jemanden überholen muss, sollte man darauf achten, dass es an einer sicheren Stelle geschieht. Wir haben bei diesem Treffen zu diesem Zeitpunkt eine sehr, sehr deutliche Ansage gemacht. Momentan gibt es keine Stallorder."

Paolo Bonora

Paolo Bonora bekräftigt, dass es momentan keine Teamorder gibt

Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images

"Zeigt Respekt vor eurem Teamkollegen und genauso vor den Markenkollegen bei Trackhouse, denn gemeinsam können wir Großes erreichen. Also kein Risiko, und ja, gebt euer Maximum, denn wir kennen euer Talent, euer Potenzial."

"Jeder hat das Potenzial dazu, und wenn Trackhouse gewinnen möchte, nun, ich denke, sie wollen genauso gewinnen wie wir." Laut Bonora war es notwendig, noch einmal mit den Fahrern über das Thema Respekt zu sprechen.

Nach Indonesien war Aprilia die Aussprache wichtig

Denn nach dem Startunfall beim Sprint in Indonesien kritisierte Raul Fernandez Marco Bezzecchi scharf. Und nun befindet sich Aprilia in der entscheidenden Phase der Saison, wenn es gegen Marquez und Ducati um den WM-Titel geht.

Auch Trackhouse-Teamchef Davide Brivio, der bei dem Meeting dabei war, bewertet diese Aussprache mit allen vier Fahrern als normal. Denn grundsätzlich hat sich an der Einstellung nichts verändert.

Marco Bezzecchi, Raul Fernandez

Nach dem Sprintcrash kochten bei Raul Fernandez die Emotionen hoch

Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images

"Ich meine, das gilt seit Beginn des Jahres, eigentlich schon immer: Versucht einfach, euch gegenseitig zu respektieren", schlägt auch Brivio bei MotoGP.com in die gleiche Kerbe wie Bonora.

"Man versucht eben, mit den Fahrern zu sprechen, aber man weiß ja nie, was auf der Strecke passiert. Wie dem auch sei, es ist nichts Neues, nichts Besonderes. Wir fahren unser eigenes Rennen, und dann werden wir sehen."

Am Freitag auf Phillip Island bekräftigte Aprilia also, dass es momentan keine Stallorder gibt. Nach Australien folgen noch die Rennen in Malaysia, Katar, Portugal und Valencia.

Teamorder nicht grundsätzlich ausgeschlossen

Grundsätzlich will Aprilia für den restlichen Saisonverlauf keine Stallorder ausschließen, denn der erste MotoGP-Weltmeistertitel wäre für die Marke ein Meilenstein. Noch vor wenigen Jahren war Aprilia das klare Schlusslicht im Feld.

"Wir sagen ganz klar: Im Moment gibt es keine Teamorder", sagt Bonora und fügt hinzu: "Aber ja, wie ihr wisst, ist es das erste Mal, dass wir etwas ganz Besonderes erreichen können."

"Wir wären nicht besonders schlau, wenn wir bei einem klaren Rückstand oder Vorsprung - sagen wir einem Punkt, zwei Punkten oder fünf Punkten Differenz - die Chance nicht nutzen würden, warum also nicht?"

So reagiert Davide Tardozzi darauf

Ducati hat nur noch Marc Marquez im Rennen um den Weltmeistertitel. Obendrein waren die restlichen Ducati-Fahrer in den vergangenen Wochen kaum in der Lage, aus eigener Kraft im absoluten Spitzenfeld mitzumischen.

Also kämpft Marc Marquez praktisch allein gegen vier Aprilia-Fahrer. Was hält Ducati-Teammanager Tardozzi von Aprilias grundsätzlichen Überlegungen zu einer Teamorder?

"Ich möchte mich da Marcs Worten anschließen: Wenn man schnell ist, braucht man keine Schützenhilfe", so Tardozzi, der damit auf Marquez' Seitenhieb vom Medientag auf Phillip Island verweist.

Auf die Frage von MotoGP.com-Reporter Jack Appleyard, ob eine Stallorder einen möglichen WM-Titel Aprilias weniger glanzvoll machen würde, antwortet er: "Ach, die können tun, was sie wollen."

"Wir versuchen, uns einzig darauf zu konzentrieren, die Schnellsten auf der Strecke zu sein. Wir wissen, dass unsere Gegner sehr stark sind, aber am Ende zählt für uns nur das bestmögliche Ergebnis für Marc."

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