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In einem kampfbetonten Verbandsliga-Derby drehten die Handballer der HSG Hunte-Aue Löwen am Samstag vor 120 Zuschauern zur Pause das Spiel und bezwangen SFN Vechta mit 32:31. Löwen-„Sünder“ Kamil Chylinski muss hingegen wohl bald die Mannschaftskasse füttern.
Diepholz – Nach diesem bis zuletzt spannenden Derby, dem Jubel-Kreistanz und Siegerfoto musste Kamil Chylinski erstmal an die frische Luft vor der Diepholzer Mühlenkamphalle. Dort scherzte der Rückraumshooter der HSG Hunte-Aue Löwen erleichtert im Rund einiger Mitspieler – wenn auch lädiert mit einer Wunde unter dem linken Auge, verursacht von einem Finger aus dem Mittelblock des Verbandsliga-Konkurrenten SFN Vechta. Dieser Griff ins Gesicht kurz vor der Pause hatte den Ausnahme-Handballer dermaßen aufgeregt, dass er nach der Halbzeitsirene die Rote Karte kassierte. Zwar drehten die Hausherren das Nachbarschaftsduell auch ohne ihn und triumphierten mit 32:31 (14:16), aber „das geht nicht“, monierte HSG-Trainer Heiner Thiemann: „Das Foul darf nicht passieren, und der Spruch darf auch nicht fallen.“
Der Gerügte wiederum verteidigte sich: Die Frage „Willst du mich verarschen?“ habe er „nicht dem Schiri“ gestellt, „sondern meinen Gegner, der sagte, ich solle aufstehen“.
Vechtas Kevin Heemann bedauerte Chylinskis Aus – obwohl er gegen ihn in der Deckung gut zu tun bekam: „Das hat er nicht verdient. Ich hätte mir gewünscht, dass Kamil das Spiel zu Ende hätte spielen dürfen“, verriet das HSG-Eigengewächs, das die Löwen 2022 verlassen hatte. Auch das verletzungsbedingte Aus seines jüngeren Bruders Jeldrik kurz vor Schluss bezeichnete der 30-Jährige als „total unglücklich“. Die Rückkehr in die Mühlenkamphalle machte dem Linkshänder aber trotz der Niederlage „auf jeden Fall Spaß“.
Den hatte auch der einst mit ihm bei den Löwen verabschiedete Frederik Hohnstedt: „Es war eine schöne Atmosphäre“, fand der SFN-Keeper, der 13 Bälle entschärfte – darunter einen Chylinski-Siebenmeter. „Leider war die Halle nicht so voll.“
Wer sich im Gegensatz zu den 120 Zuschauern etwas anderes für den Halloween-Abend vorgenommen hatte, verpasste eine schockierende Vorstellung – glaubt man jedenfalls Thiemanns Urteil: „Das Erschreckendste war, was wir uns für handballerische Fehler geleistet haben – mit vielen Fehlversichen und einfachen Sachen, die in Abwehr und Angriff nicht funktioniert haben. Gefreut hat mich aber, dass alle bis zum Ende gekämpft haben.“
In Summe bedeutete dies keine leichte Kost in der ersten Hälfte. Erst nach fast vier Minuten gelang dem am Ende achtfachen Schützen Edo Mehinagic das erste Feldtor der Hausherren (2:1). Zu dieser Zeit hatte der überragende Stanko Petrovic im Löwen-Kasten schon zwei Rettungstaten ausgepackt. Am Ende kam der 37-Jährige auf satte 23 Paraden. „Stanko ist wie ein Bruder für mich – und heute war er der MVP“, adelte ihn der Ex-Diepholzer Stefan Beljic, seit Sommer in Vechtaer Diensten, zum „Most Valuable Player“, also zum wichtigsten Spieler der Partie.
Der wiederum lobte seinerseits einen Gegner – nämlich Zwölffach-Torschütze Denis Naumenco. „Gegen ihn hatten wir in der ersten Halbzeit keine Lösung“, gestand Petrovic. Zwar traf der Rückraum-Linke bis zur Pause „nur“ viermal, doch zwischendurch deckte er Mehinagic kurz und legte bei Tempogegenstößen einen Speed vor, dem die Löwen oft hinterherliefen.
HSG Hunte-Aue Löwen - SFN Vechta 32:31 (14:16) - Löwen: Petrovic - Tabeling (2), Wilkens, Stankovic (8), Geweiler (6), Pernar (1), Chylinski (2/2), Mehinagic (8/3), Kambachev, Defli, Lutz (5). Bes. Vork.: Rote Karte gegen Chylinski (in der Halbzeitpause) wegen Beleidigung.
Im zweiten Abschnitt deckte Alisman Kambachev Naumenco kurz. Der traf allerdings trotzdem noch regelmäßig – etwa zum 19:16 für die Gäste (32.). Diese Drei-Tore-Führung „hätten wir nicht so abgeben dürfen“, ärgerte sich Hohnstedt, räumte allerdings ein, „dass wir unser Tempo in der zweiten Halbzeit nicht mehr so gehen konnten“. Zudem „hat unsere Abwehr besser gearbeitet“, fand Petrovic
Dort hinten, aber vor allem vorn übernahm Nikola Stankovic viel Verantwortung und erzielte sieben seiner acht Tore nach der Pause. Ilian Geweiler (insgesamt sechsmal erfolgreich) gelang der 18:19-Anschluss (34.) und das 26:26 (51.). Der Heber von Rechtsaußen Kevin Lutz zu seinem fünften und letzten Tor (30:27/54.) bedeutete fast die Vorentscheidung – denn am Ende hielt Petrovic in Serie. „Nach drei Niederlagen war es für mich ein wichtiges Spiel“, verdeutlichte der Schlussmann.
„Die Löwen haben eine größere Qualität“, zollte SFN-Trainer Raul Ferent dem Team seines Ex-Trainers Thiemann Respekt: „Davon jeden aus dem Spiel zu nehmen – das schaffen wir nicht. Und vielleicht haben wir nach der Roten Karte gedacht, dass es für uns schon laufen wird.“
Doch Chylinskis Aus nutzte Vechta nichts. Wohl aber der HSG-Mannschaftskasse: „Beleidigung – das kostet 50 Euro“, mahnte ihn Kollege Stankovic schon mal an.