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Beim FC Bayern reiht sich ein personeller Rückschlag an den nächsten. Aaron Danks muss improvisieren, profitiert dabei von der Flexibilität vieler Spieler und könnte sich an einen Vorbereitungs-Gewinner erinnern. Gleichzeitig entbrennt eine erwartbare Debatte.
Erbarmungsloser könnte ein Spielplan nicht sein. Da verliert der FC Bayern beim 2:2 im Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Dortmund gleich mehrere Spieler verletzt. Und wer wartet am Dienstag als nächster Gegner? Atletico Madrid, immerhin als eine der härtesten Mannschaften Europas bekannt. Nach zwei Remis gegen Viking Stavanger und den FC Arsenal brauchen die Münchner im Kampf um den direkten Einzug ins Achtelfinale der Champions League unbedingt einen Sieg.
Die personelle Situation stellt sich vorab vor allem in der Offensive dramatisch dar: Vier von sieben etablierten Profis fallen sicher aus, einer ist fraglich. Luis Diaz (Muskelbündelriss) wird wohl erst Ende November zurückkehren, Jamal Musiala (Muskelfaserriss) dürfte kommenden Samstag gegen den FSV Mainz 05 sein Comeback feiern. Gegen den BVB mussten Ismael Saibari und Serge Gnabry bereits in der ersten Halbzeit ausgewechselt werden, am Sonntag verkündete der FC Bayern die Diagnosen.
Saibari zog sich einen Riss des Syndesmosebandes im rechten Sprunggelenk zu und wird wohl drei Monate fehlen. Gnabry erlitt eine Muskelverletzung im hinteren linken Oberschenkel, bei ihm dürften die Ausfallzeit ein bis zwei Monate betragen. Angeschlagen ausgewechselt wurde gegen den BVB zudem Michael Olise (Knieprobleme). Zu ihm machte der FC Bayern keine Angaben, sein Einsatz gegen Atletico ist fraglich.
Sofern auch Olise ausfällt, bleiben lediglich: Mittelstürmer Harry Kane, der gegen den BVB einen insgesamt unglücklichen Auftritt hinlegte und sogar einen Elfmeter verschoss, sowie Lennart Karl, der sich aktuell heftigen Debatten um seine Person ausgesetzt sieht, gegen den BVB in der Nachspielzeit die Chance auf den Sieg vergab und nach seiner Form sucht.
Im Münchner 4-2-3-1-System wären in der Offensive dann zwei Plätze frei. Interims-Cheftrainer Aaron Danks dürfte dort zunächst nominelle Defensivspieler aufbieten. Alphonso Davies könnte auf dem linken Flügel beginnen, Nathaniel Brown oder Tom Bischof auf der Zehn.
Gerade in diesen personell angespannten Zeiten kommt dem FC Bayern zugute, dass viele Spieler flexibel einsetzbar sind. Die sportliche Führung um Max Eberl darf sich diesbezüglich für ihre Transferpolitik bestätigt fühlen. Und das Trainerteam, dass es seine Spieler regelmäßig auf unterschiedlichen Positionen testet. Für Davies, Brown und Bischof wären die angedachten Rollen kein Neuland. Ein Paradebeispiel für Flexibilität ist auch Konrad Laimer, der in Abwesenheit von Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic jüngst im zentralen Mittelfeld agierte, gegen den BVB rechts hinten glänzte und auch links spielen kann.
Die Startelf dürfte sich gegen Atletico somit letztlich noch halbwegs ordentlich besetzen lassen. Problematisch ist aber, dass Danks dann kaum reagieren kann. Weder auf etwaige Verletzungen, noch auf die Entwicklung des Spielgeschehens. Seine etablierten Optionen von der Bank: Je nach Startelf-Nominierung Bischof oder Brown, die Verteidiger Hiroki Ito, Sacha Boey und Jonathan Tah oder Min-Jae Kim. Dazu die zuletzt regelmäßig in den Kader berufenen Talente David Santos Daiber und Tim Binder.
Womöglich erinnert sich Danks auch an einen kleinen Gewinner der Vorbereitung und holt Bastian Assomo dazu. Der erst 16-jährige Mittelstürmer machte damals mit erstaunlich reifen und gleichermaßen erfrischenden Auftritten auf sich aufmerksam und traf sogar zweimal. Am Samstag schnürte Assomo beim wilden 5:5 der hauseigenen Reserve gegen den TSV Landsberg einen Doppelpack. Er wartet noch auf seine erste Nominierung in den Profikader in dieser Saison und wäre zumindest eine spannende Joker-Alternative.
Angeschlagen ging übrigens auch Keeper Jonas Urbig aus dem BVB-Spiel hervor. Nach seinem Zusammenprall mit Carney Chukwuemeka sah Urbig laut Eberl "nicht gerade aus, als ob er zur Hochzeit geht". Derweil spekuliert immerhin Stammkeeper Manuel Neuer auf ein Comeback gegen Atletico. "Ich hoffe es", befand er beim Verlassen der Arena.
In Anbetracht der Ausfallserie entbrannte im Nachgang des Dortmund-Spiels die naheliegende Debatte um den kleinen Kader - und ob er im Winter mit zusätzlichen Transfers nicht lieber verbreitert werden müsse. Für den Vorstandsvorsitzenden Jan-Christian Dreesen kommt die Frage "zu früh". Eberl ergänzte: "Es ist ja nicht so, dass jetzt fünf Mann ein halbes Jahr ausfallen." Verschreien wollte er es aber nicht und klopfte sich sicherheitshalber umgehend mit der Faust gegen die Stirn. Zudem hatte man sich ja auch bewusst für einen kleinen Kader entschieden, sodass hauseigene Talente ihre Chance auf den großen Durchbruch bekommen. Letzte Saison Karl. Nun vielleicht Binder, Daiber Santos oder Assomo.
Kane kann der ganzen Dramatik derweil sogar Positives abgewinnen: "Es ist besser, es passiert jetzt als im März oder April. Man hofft natürlich, dass es nie passiert. Aber man weiß aus der Geschichte des Fußballs, dass man immer wieder Verletzungen bekommt." So viel Pech wie der FC Bayern aktuell hat, da könnte sich für die entscheidende Saisonphase ja eine beträchtliche Ration Glück ansammeln. Es sind schließlich nicht nur die Verletzungen, die die Münchner ausbremsen. Dazu kommen weitere dramatische Vorfälle wie die Hirnhautreizung von Trainer Vincent Kompany und der Tod von Kimmichs Vater.