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Wael Mohya trägt momentan Borussia Mönchengladbachs Hoffnungen, obwohl er erst 17 ist. Die Topklubs sollen Schlange stehen, während Jürgen Klopp früher oder später eine wichtige Antwort braucht.
Dass Wael Mohya herausragend talentiert ist und das Potenzial hat, ein prägender Spieler seiner Generation zu werden, weiß allerspätestens seit Freitag vergangener Woche ganz Fußball-Deutschland. Doch so beeindruckend es war, wie dieser 17-Jährige den taumelnden und einstigen Riesen Borussia Mönchengladbach zum 3:2-Auswärtserfolg beim VfB Stuttgart und damit endlich zum ersten Sieg im siebten Spiel dieser Bundesliga-Saison führte, sind es eben auch die Dinge, die primär nicht sportlicher Natur sind, die Mohya besonders auszeichnen.
"Was immer ein gutes Zeichen ist: Er ist unfassbar beliebt in der Mannschaft", betonte Gladbachs Sportdirektor Rouven Schröder kürzlich im Sport1-Doppelpass. Niemand habe Bedenken, was etwaige Allüren angeht, die ein derart gehyptes Supertalent rasch mal ausstrahlen kann. Und selbst als Außenstehender kann man sich nur zu gut vorstellen, warum Mohya bei seinen Mitspielern so gern gesehen ist: Ständig ein verschmitztes Grinsen im Gesicht, kommt man gar nicht umhin, Moyas verpeilt-sympathische, lockere Art zu mögen. Seine Mischung aus gesundem Selbstvertrauen, das im Haifischbecken Profifußball unerlässlich ist, aber gleichzeitig angenehmer und authentischer Bodenständigkeit.
"Wael ist unglaublich gut erzogen, hat ein tolles Elternhaus, sehr entschleunigt", hob Schröder Charakter und Umfeld von Borussias größtem Juwel als vorbildlich hervor. Ein Faktor, der speziell in einer solchen Situation, in der Mohya mit gerade mal 17 Jahren zum Hoffnungsträger eines Klubs mit Gladbachs Strahlraft auserkoren und allerorts in den Himmel gelobt wird. Dabei einerseits nicht abzuheben, essenzielle Dinge für die Weiterentwicklung eines Rohdiamanten nicht aus den Augen zu verlieren und andererseits nicht am damit verbundenen Druck zu zerbrechen. Daran scheiterte bekanntlich schon so manches Talent.
Mohya ist bestens gerüstet, beide Stolperfallen zu umgehen. Die Bodenhaftung verlieren? Das scheint aktuell ausgeschlossen, weil seine engsten Bezugspersonen das verhindern würden. Ein sympathisches Beispiel: Vor einigen Monaten auf Gladbachs YouTube-Kanal von einem Fan gefragt, wer denn besser sei, er oder sein gut eineinhalb Jahre älterer Bruder Rayan, der seit Sommer beim Regionalligisten VfB Hilden spielt, bekam sich Mohya vor Lachen nicht mehr ein. "Wenn ich die Wahrheit sage, bekomme ich Ärger von meiner Mama", meinte er letztlich. Die Essenz: Er weiß genau, was er kann, aber eben auch, dass er deshalb nicht über den Dingen steht.
In der Nähe des Borussia-Parks aufgewachsen und von Bruder Rayan sowie dem Papa zum Fußball gebracht, wechselte Mohya schon als Siebenjähriger zu den Fohlen. Er schwärmte für Gladbach-Ikone Raffael, der seinerzeit bei der Borussia zauberte,. Aber auch für Ronaldinho - obwohl er dessen Glanzzeiten gar nicht mehr mitbekommen hatte. "Als Kind bekam ich zum Geburtstag ein Tablet geschenkt. Ich schaute mir Highlights vom FC Barcelona an, dabei waren Szenen mit Messi und eben auch Ronaldinho. Seine Ballbehandlung hat mich sofort fasziniert", erklärte Mohya im kicker-Interview.
Am 31. Dezember 2008 geboren, war er selbst im eigenen Jahrgang zwangsläufig stets der Jüngste und musste im Nachwuchsbereich teilweise signifikante Altersunterschiede wettmachen, musste Wege finden, trotzdem körperlich mitzuhalten. Was möglicherweise daraus resultiert, ist eine Art Bonus-Qualität von Mohyas heutigem Spiel: Er braucht nicht immer das perfekte Dribbling, um sich durchzusetzen.
So wie bei seinem herausragenden Assist zum zwischenzeitlichen 2:1 gegen Stuttgart, als er im Eins-gegen-Zwei mit Leo Sauer und Lorenz Assignon schon hängen zu bleiben schien, aber eben den unbedingten Willen hatte, doch noch vorbeizukommen und das dann - sich nahe an der Foulgrenze bewegend - auch irgendwie schaffte. "Wael ist 17, das muss man sich mal überlegen. Wie der hier aufdribbelt, wie der Eins-gegen-Eins spielt, wie der das zweite Tor vorbereitet hat", schwärmte Sportchef Schröder hinterher bei Sky von dem Youngster, der in Stuttgart den wichtigen dritten Gladbacher Treffer ja auch noch selbst erzielte.
Weil er fünf Tage zuvor beim 1:2 gegen Hoffenheim schon sehenswert getroffen hatte, avancierte Mohya so mit 17 Jahren und 296 Tagen zum viertjüngsten Spieler der Bundesligageschichte, der in zwei aufeinanderfolgenden Spielen ein Tor erzielt hat. Mohya ist der große Hoffnungsschimmer einer bisher so komplizierten Saison der Borussia, die ja immer noch Tabellenletzter ist. Beeindruckend früh ist er gerade dabei, Stammspieler in der Bundesliga zu werden. Seine riesigen Qualitäten mit Ball sind derweil für jeden ersichtlich: Ein herausragendes Dribbling, enge Ballführung, Schnelligkeit, Kreativität, Beidfüßigkeit.
"Kreativ, frei, stark mit Ball. Unbekümmert, instinktiv, schnell in der Situationserkennung", wie es Mohya, der am liebsten auf dem linken Flügel oder als im linken Halbraum agierender Zehner spielt, selbst beschreibt. Für einen derart jungen und derart kreativen Fußballer wie ihn ziemlich bemerkenswert, betont er gleichzeitig glaubhaft, ein guter Offensivspieler "sollte die offensiven Akzente in der Mannschaft setzen, aber genauso auch defensiv mitarbeiten, Meter nach hinten machen. Alle spielen gerne mit Ball, ich auch, aber das Spiel ohne Ball ist genauso wichtig."
Noch besser: Mohya bringt genau diese Einstellung schon jetzt verlässlich auf den Platz. "Nicht nur seine Vorlage und sein Tor waren unbeschreiblich gut. Er hat wahnsinnig viel gemacht, er hat sich taktisch wirklich sehr, sehr gut verhalten. Er hat nachgearbeitet, das Zentrum mit geschlossen", lobte Gladbachs Trainer Alexander Blessin nach dem Sieg in Stuttgart allen voran die Arbeit gegen den Ball seines Hochbegabten und fügte an: "Ich hebe ja normalerweise ungerne jemanden heraus, aber das war schon top, top, top."
Während Mohya auch davon profitiert, dass sich Gladbach seit einigen Jahren explizit auf die Fahne geschrieben hat, Talenten aus dem eigenen Nachwuchs verstärkt die Chance zu geben, sich oben zu zeigen, wird man am Niederrhein angesichts von Mohyas jüngster Entwicklung umso glücklicher sein, dass er überhaupt noch da ist. Denn es ist noch nicht lange her, da schien das alles andere als selbstverständlich.
Im Frühsommer 2025 drohte man nämlich, den damals 16-Jährigen zu verlieren, noch bevor er sein erstes Spiel für die Profis gemacht hat. Mohyas seinerzeit auslaufenden Vertrag zu verlängern, hatte man versäumt, und plötzlich gingen Medienberichte sogar davon aus, dass das Mittelfeldtalent die Borussia verlassen würde. Einige andere Bundesligisten, allen voran Eintracht Frankfurt, sollen gelockt haben, und auch Ajax Amsterdam war wohl dran.
In der entscheidenden Phase der deutschen U17-Meisterschaft hatte sich Mohya gerade ins Rampenlicht gespielt. Anfang Juni 2025, im Halbfinale gegen den FC Bayern, stahl er sogar einem gewissen Lennart Karl die Show, der nur kurz darauf mit den Stars des Rekordmeisters zur Klub-WM reisen durfte. Gladbachs B-Junioren schlugen Karl und Co. mit 3:1 - und nicht der heutige FCB-Star und A-Nationalspieler, sondern Mohya war der überragende Mann auf dem Platz und machte zwei Tore. Dass er eine Woche später beim 3:1-Finalsieg über RB Leipzig mit Tor und Assist wieder eine entscheidende Rolle spielte, ließ den "Hype Train" so richtig ins Rollen kommen.
Knapp einen Monat danach konnte Gladbach verkünden, dass sich Mohya "trotz zahlreicher anderer Angebote entschieden hat, den Weg, den wir ihm bei Borussia aufgezeigt haben, weiterzugehen". Seinerzeit noch 16, verlängerte er seinen Vertrag, der bis 2028 datiert ist. Entscheidend dabei: Die Aussicht, gleich seine Chance bei den Profis zu bekommen, obwohl er vom Alter her gerade erst ins erste A-Jugendjahr kam.
Vielleicht hätte es mit dem endgültigen Durchbruch schon deutlich früher geklappt, doch in der Sommervorbereitung 2025 zog sich Mohya im Testspiel gegen den FC Valencia eine Innenband-Teilruptur im Knie zu, fiel daher erst einmal wochenlang aus. "Das war nicht leicht. Es war mein erstes Spiel im vollen Borussia-Park, alles schaute auf unser 125-jähriges Vereinsjubiläum, und dann passiert so eine Verletzung. Aber letztendlich habe ich die Situation schnell akzeptiert und sofort wieder nach vorne geschaut", erklärte Mohya.
Über die U19 arbeitete er sich zurück und Ende Oktober 2025 war es dann so weit: Im DFB-Pokalspiel gegen den Karlsruher SC (3:1) gab Mohya seine Profipremiere, ist seither jüngster Debütant in Gladbachs Vereinsgeschichte (16 Jahre, neun Monate und 27 Tage). "Wir mussten wegen der Uhrzeit und dem Jugendschutzgesetz aufpassen. Bei einer Verlängerung wäre es schwierig geworden", witzelte Gladbachs damaliger Trainer Eugen Polanski, ein wichtiger Förderer Mohyas. "Ich bin ein Freund davon, dass man Erfahrung sammelt. Ob er jetzt 16, 17 oder 18 ist - die Leistung bestimmt. Der Junge ist gut, er ist sehr professionell. Er ist einer der Ersten, die da sind, und einer der Letzten, die fahren", verteilte Polanski dann noch ein Sonderlob an den Debütanten.
Seitdem ist ein Jahr vergangen und Mohya hat gleich mehrere weitere Schritte gemacht, inklusive eines Meilensteins in München Anfang März: Beim 1:4 bei den Bayern gelang dem 17-Jährigen sein erstes Bundesliga-Tor, kurz nach seiner Einwechslung erzielte er den Ehrentreffer der Borussen und traf rund neun Monate nach dem U17-Halbfinale mal wieder auf Lennart Karl: "Nach dem Spiel in München haben wir tatsächlich ein bisschen geplaudert, wie schnell alles gehen kann. Und noch das Trikot getauscht", verrät Mohya.
Mit Karl, ebenfalls Jahrgang 2008, hatte er in Deutschlands U16-Nationalmannschaft vor einigen Jahren mal zusammengespielt. Zwischenzeitlich verlief der Aufstieg des Bayern-Juwels, der mittlerweile schon vier A-Länderspiele absolviert hat, dann etwas rasanter. Doch angesichts der mutigen ersten Entscheidungen des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp, der bei seinem ersten Lehrgang in Amt und Würden gleich neun Spielern das DFB-Debüt schenkte, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass dieser jetzt auch Mohya ganz fett auf seinem Zettel stehen hat. Zumal der Gladbacher mit seinen Fähigkeiten am Ball, aber eben auch seinen Qualitäten in Pressing und Gegenpressing prädestiniert wäre für Klopps Spielweise.
Die Frage, ob Mohya überhaupt für Deutschland spielen will, ist allerdings noch völlig offen. Zwar hat der Teenager im U-Bereich bisher stets das DFB-Trikot getragen und zuletzt Ende September sein Debüt für die deutsche U21 gefeiert. Doch Mohya hat marokkanische Wurzeln und könnte sich daher auch noch für das nordafrikanische Land entscheiden. "Es ist noch alles offen", hatte der Edeltechniker im Sommer nochmals klargestellt und betont: "Ich lasse mir Zeit mit einer Entscheidung."
Wie er im März gegenüber dem kicker bestätigte, hat der marokkanische Fußballverband bereits Kontakt zu ihm aufgenommen. Die Marokkaner würden Mohya nur zu gerne von einem Verbandswechsel überzeugen und ihn als eines der Aushängeschilder für die WM 2030, die man gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichten wird, aufbauen. Der DFB ist also gewarnt und wird sich sicherlich intensiv darum bemühen, eines seiner vielversprechendsten Talente nicht zu verlieren.
In Mönchengladbach weiß man derweil, dass der Tag, an dem Mohya auszieht, um den nächsten Karriereschritt zu machen, früher oder später kommen wird. Wie jüngst Sky berichtete, hat unter anderem der FC Bayern Mohya genau im Auge, gleiches gilt demnach mit Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen für weitere deutsche Topklubs.
Gerade die Bayern haben sich nach Bild-Angaben jedoch schon mal einen kleinen Vorsprung erarbeitet. Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund sollen schon mal im direkten Umfeld Mohyas nachgefragt haben, wie denn die aktuelle Vertragssituation in Gladbach genau sei und wie man möglicherweise einen Wechsel über die Bühne bringen könne. Sollten die Bayern ernst machen, so die Bild, hätten sie "gute Chancen".
Dass Mohya die Fohlen aber schon im Winter verlässt, ist unwahrscheinlich, im kommenden Sommer könnte das aber anders aussehen. Voraussetzung für einen Verbleib ist laut Sky zunächst einmal der Klassenerhalt, die weitere sportliche Perspektive spielt selbstredend auch eine wichtige Rolle.
So oder so: Um nicht 2027 schon zu einem Verkauf gezwungen zu sein, will Gladbach Mohyas 2028 auslaufenden Vertrag verlängern, Gespräche darüber soll es laut Bild bereits gegeben haben. Von einer Verdopplung des Gehalts auf zwei Millionen Euro inklusive Boni ist die Rede.
Es passt zum unaufgeregten Mohya-Umfeld, dass die Verhandlungen mit sehr viel Bedacht geführt werden und der Spieler selbst davon möglichst wenig berührt werden soll. Wie Sportchef Schröder zuletzt im Sport1-Doppelpass betonte, fühlt sich Mohya zwar "pudelwohl" bei der Borussia. Was die mittelfristige Zukunft angeht, kann aber auch er ganz realistisch einordnen: "Der wird nicht sein Leben lang bei Borussia Mönchengladbach spielen."