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Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel schaltet sich in die Diskussion um Bundestrainer Jürgen Klopp ein. Sie verteidigt dessen Vorstoß zur Deutschlandfahne.
München – Die Debatte um die Symbolkraft nationaler Farben sorgt im deutschen Fußball und in der Bundespolitik gleichermaßen für Diskussionen. Nun schaltet sich eine prominente Stimme ein: Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich öffentlich hinter Bundestrainer Jürgen Klopp gestellt. Anlass ist dessen viel beachteter Vorstoß bei seiner ersten Kadernominierung, mit dem er eine bundesweite Diskussion über gesellschaftlichen Zusammenhalt und Patriotismus entfacht hatte.
In einem Interview im Format „Bestbesetzung“ bei MagentaTV sprach Merkel mit Moderator Johannes B. Kerner ausführlich über die Nationalmannschaft und den neuen DFB-Chefcoach. Zentrales Thema war Klopps Satz, er wolle „die Fahne zurückholen“. Die Altkanzlerin erklärte, sie habe diesen Ausspruch „tendenziell gut“ gefunden, ergänzte jedoch einschränkend: „Wobei ich nicht glaube, dass sie uns schon abhandengekommen ist.“
Klopp hatte bei seiner ersten Nominierungs-Pressekonferenz auf dem DFB-Campus in Frankfurt am Main für Aufsehen gesorgt. Mit einer Kappe samt der Aufschrift „Einer von 83 Millionen“ trat der 59-Jährige vor die Medien und formulierte ein Plädoyer für einen offenen und unverkrampften Nationalstolz. „Ich möchte Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen“, betonte Klopp damals.
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Zugleich warb er für Toleranz und Vielfalt: „Kann man stolz darauf sein, Deutscher zu sein und trotzdem offen und trotzdem vielfältig und trotzdem nett, freundlich? Kann man Mitgefühl haben? Kann man all diese Dinge haben? Ich bin hundertprozentig sicher, ja“, sagte der neue Bundestrainer weiter.
Für diese Haltung erhielt der Coach nun deutlichen Zuspruch aus der Politik. Merkel unterstrich im Gespräch, dass die Nationalfarben keinem politischen Lager allein gehören dürfen: „Ich fand es nur gut, deutlich zu machen, dass die deutsche Fahne Schwarz-Rot-Gold den Menschen in Deutschland gehört und sie niemals von einer Partei usurpiert werden kann.“ Klopp habe ihr damit „aus dem Herzen gesprochen, dass er einfach sagt: Diese Fahne gehört uns allen.“
Die Worte des Bundestrainers weckten bei der früheren Kanzlerin Erinnerungen an ein eigenes, vieldiskutiertes politisches Kapitel. Nach der Bundestagswahl 2013 hatte Merkel auf der Bühne ihrem damaligen Generalsekretär eine Deutschlandfahne aus der Hand genommen – eine Szene, die ihr damals heftige Kritik einbrachte.
„Dafür bin ich sehr kritisiert worden“, erinnerte sich Merkel nun bei Kerner. Zugleich stellte sie über den damaligen Vorgang unmissverständlich klar: „Ich bin oft damit verbunden worden, dass ich das nicht wolle oder ich nicht zu dieser Fahne stehe. Das war Quatsch. Ich wollte nur nicht, dass wir die Fahne für uns usurpieren.“ Genau deshalb teile sie Klopps aktuellen Gedanken, dass die Landesfarben das gesamte Land repräsentieren müssen.
Als bekennender Fußballfan äußerte sich Merkel in dem Interview auch zum sportlichen Tiefpunkt des DFB-Teams bei der vergangenen Weltmeisterschaft, als die Auswahl gegen Außenseiter Paraguay die Segel streichen musste. „Ich war schon ein bisschen enttäuscht, fast ein bisschen wütend, dass plötzlich keiner mehr Elfmeter schießen wollte“, blickte sie zurück. Mit Blick auf die Neuausrichtung unter Klopp zeigte sich Merkel jedoch optimistisch: „Schwamm drüber, wir haben ja jetzt Hoffnung.“
Die Erwartungen an den neuen Bundestrainer sind nicht nur in Berlin, sondern auch in Bayern spürbar. Während Klopp nach seinem kurzen Intermezzo im Red-Bull-Kosmos an die DFB-Spitze wechselte und dort nun Großverdiener ist, stehen große sportliche Aufgaben an. Vor allem die Frage, wie er das DFB-Team taktisch und atmosphärisch wieder an die Weltspitze führen kann, beschäftigt Fans und Experten. (mbo)