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Julian Nagelsmann wird als möglicher Trainer-Kandidat bei Manchester United gehandelt. Ausgerechnet Oliver Kahn äußerte nun große Bedenken an dem Schritt.
"Aus seiner Sicht ist das keine einfache Situation. Er ist jetzt nicht derjenige, der die ganz großen Erfahrungen hat, gerade was ausländische Teams betrifft", sagte der frühere Torhüter und Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München im "Triple - der Hagedorn Fußballtalk" auf RTL/Sky Sport und ergänzte: "Die Premier League und Manchester United sind nicht dafür bekannt, in den vergangenen Jahren eine besondere Kontinuität auf der Trainerposition gehabt zu haben."
Nach der 1:4-Klatsche der Red Devils in der Champions League beim italienischen Überraschungsteam Como 1907 steht Trainer Michael Carrick dem Vernehmen nach mächtig auf der Kippe. Auch in der Premier League liegt ManUnited mit gerade einmal sieben Punkten aus sieben Spielen meilenweit hinter dem eigenen Anspruch zurück. Eine Entlassung soll nur noch eine Frage der Zeit sein, selbst von Spielerseite hagelte es Kritik. Am Tag nach dem Desaster in der Königsklasse, die das Fass zum Überlaufen gebracht haben könnte, berichtete unter anderem der renommierte Telegraph von einem potenziellen Engagement Nagelsmanns im Old Trafford. Auch Antonio Conte gilt angeblich als Kandidat.
Der Trainerstuhl in Manchester wackelt inzwischen beinahe jährlich. Seit Sir Alex Fergusons Rücktritt im Jahr 2013 waren abzüglich Interimslösungen bereits acht verschiedene Trainer im Amt. Auch Größen wie Louis van Gaal, Jose Mourinho oder Ralf Rangnick scheiterten letztlich krachend. Kahn mahnte den 39-Jährigen deshalb dazu an, sich eine Unterschrift in Manchester genauestens zu überlegen, sofern er ein Angebot erhalten sollte: "Er muss sich schon fragen: Was ist jetzt mein nächster Schritt? Muss der sitzen? Oder verbinde ich ihn direkt mit einem enormen Risiko wie Manchester United, wo im Grunde jeder Trainer in den letzten Jahren früher oder später gescheitert ist? (…) Man sollte sich schon genau anschauen, wo man da hingeht."
Außerdem erinnerte Kahn an Nagelsmanns jüngste Stationen. "Bayern München und die Nationalmannschaft waren für ihn schon Einschläge. Da musst du dir gut überlegen: Wo liegen meine Stärken? Welchem Verein kann ich wirklich helfen? Ich glaube, Julian ist jemand, der einen Klub und eine Mannschaft entwickeln und weiterentwickeln kann. Ob Manchester United dafür der richtige nächste Schritt ist, kann nur er selbst wissen", sagte er.
Der DFB und Nagelsmann hatten sich nach dem blamablen WM-Aus gegen Paraguay im Sechzehntelfinale im Sommer getrennt - zum Nachfolger wurde bekanntlich Jürgen Klopp ernannt. Vor seinen rund drei Jahren als Bundestrainer war er Trainer des deutschen Rekordmeisters, ehe er im März 2023 durchaus überraschend vor die Tür gesetzt und durch Thomas Tuchel ersetzt wurde. Hauptverantwortlich für die Entscheidung waren damals Kahn selbst und der damalige Sportvorstand Hasan Salihamidzic.
Das abrupte Ende wurde im Nachhinein immer wieder scharf kritisiert. Zumal die Bayern zum Zeitpunkt von Nagelsmanns Entlassung noch in allen drei Wettbewerben Titelchancen hatten: Platz zwei in der Bundesliga mit einem Punkt Rückstand, Viertelfinale in der Champions League und im DFB-Pokal. Tuchel sicherte zwar die Meisterschaft auf dramatische Art und Weise am letzten Spieltag, schied aber in beiden Pokal-Wettbewerben (gegen den SC Freiburg und Manchester City) sofort aus. Für Kahn und Salihamidzic war am Saisonende hingegen Schluss. Auslöser waren auch Alleingänge wie bei der Nagelsmann-Entlassung.
Nagelsmann komplett davon abraten, ManUnited aus der Krise zu führen, wollte Kahn jedoch nicht. "Wenn Julian davon überzeugt ist, dass er derjenige ist, der Manchester United wieder in die Erfolgsspur bringt, dann soll er es versuchen", sagte er. Roman Weidenfeller, ebenfalls zu Gast in der Sendung, ergänzte: "Ich glaube schon, dass die deutschen Trainer vom Status her, gerade Julian Nagelsmann, im Ausland sehr beliebt sind."