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Warum Valencia zur Hochburg des (spanischen) Herrentennis gehört

Mit den III ITF Futures Ciutat de Valencia gastiert in dieser Woche die World Tennis Tour in der drittgrößten Stadt Spaniens. Ein guter Anlass, um auf die große Tennistradition der Region zurückzublicken und ihre Bedeutung für das spanische Herrentennis einzuordnen.

von Florian Heer aus Valencia
zuletzt bearbeitet: 02.11.2026, 20:36 Uhr

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© Alberto Simón / RFET

Roberto Bautista Agut
Roberto Bautista Agut

Im spanischen Herrentennis richtet sich der Blick derzeit verstärkt auf Madrid. Mit Rafael Jódar, Martín Landaluce und Daniel Mérida haben sich gleich drei vielversprechende Nachwuchsspieler aus der spanischen Hauptstadt in den Vordergrund gespielt. Ihre Entwicklung sorgt dafür, dass Madrid zunehmend als einer der wichtigsten Standorte für die nächste Generation des spanischen Tennis wahrgenommen wird.

Dabei war Spanien schon immer ein Land mit zahlreichen regionalen Tenniszentren. Insbesondere die Region Valencia gehörte über viele Jahre zu den Hochburgen des nationalen Herrentennis. Mit Juan Carlos Ferrero, David Ferrer und Roberto Bautista Agut stammen drei herausragende Vertreter des spanischen Tennissports aus der Comunidad Valenciana.

Ferrero – der Grand-Slam-Champion(-Macher)

Ferrero, der 2003 die French Open gewann und bis auf Platz eins der Weltrangliste kletterte, prägte das internationale Tennis später auch als Trainer. Mit Carlos Alcaraz führte er einen seiner Schützlinge bis an die Weltspitze und zu mehreren Grand-Slam-Titeln. Nach dem Ende der Zusammenarbeit im Dezember 2025 steht Ferrero vor einem neuen Kapitel seiner Trainerkarriere. Inzwischen hat er bestätigt, eine Vereinbarung mit Ben Shelton für die Saison 2027 getroffen zu haben.

„Ben verfügt über außergewöhnliches Talent, enorme Schlagkraft und einen starken Charakter. Ich freue mich sehr darauf, mich Bryan und dem Team in diesem neuen und aufregenden Kapitel anzuschließen. Ich kann es kaum erwarten, meine Erfahrung einzubringen und gemeinsam mit allen daran zu arbeiten, Ben dabei zu helfen, seine Ziele auf den größten Bühnen des Tennissports zu erreichen“, erklärte Ferrero in einer Pressemitteilung.

Mit „Mentalidad ganadora“ hat Ferrero kürzlich auch sein erstes eigenes Buch veröffentlicht. Darin gewährt der 46-jährige aus Ontinyent persönliche Einblicke in seine Karriere als Profi und Coach und beschreibt die Prinzipien, die ihn sowohl auf dem Platz als auch an der Seitenlinie erfolgreich gemacht haben. Das Werk erschien Anfang. Oktober 2026 beim spanischen Verlag Ediciones Península. Es umfasst 288 Seiten und trägt den vielsagenden Untertitel: „Más allá de la motivación, entrena el hábito de la disciplina“ – auf Deutsch: „Über die Motivation hinaus: Trainiere die Gewohnheit der Disziplin“.

Ferrer tritt als Davis Cup Kapitän zurück

Auch David Ferrer könnte künftig wieder stärker auf der ATP Tour präsent sein. Nach mehreren Jahren als spanischer Davis-Cup-Kapitän wird der 27-malige Turniersieger aus Jávea diese Funktion Ende 2026 abgeben. Marc López übernimmt das Amt ab Januar 2027.

Ferrer verzichtet damit auf sein letztes Vertragsjahr mit dem spanischen Tennisverband. Als Begründung nannte er den Wunsch, eine neue berufliche Etappe zu beginnen. Über eine mögliche Rückkehr Ferrers als Coach wurde in spanischen Medien bereits spekuliert. Eine konkrete neue Trainerverpflichtung ist bislang allerdings nicht bestätigt.

Von der ATP Tour bis zur Challenger Tour

Auch als Turnierstandort hat Valencia eine bedeutende Geschichte. Mit den Valencia Open war die Stadt über mehrere Jahre Gastgeber eines hochklassigen ATP-Turniers. Gespielt wurde im spektakulären Ágora Komplex innerhalb der Ciudad de las Artes y las Ciencias. Das Turnier erreichte 2009 den Status eines ATP-500-Events und brachte zahlreiche internationale Spitzenspieler in die Hauptstadt der Paella. Ferrer konnte sich gleich zwei Mal in die Siegerliste eintragen. Ferrero beendete hier 2012 seine aktive Karriere und war später als Turnierdirektor weiter in die Veranstaltung involviert.

Inzwischen hat sich mit der Copa Faulconbridge ein weiteres wichtiges Turnier etabliert. Der traditionsreiche Wettbewerb auf der Anlage des Clubs de Tenis Valencia kehrte 2022 in den internationalen Turnierkalender zurück und ist mittlerweile ein fester Bestandteil der ATP Challenger Tour. 2026 wurde das Turnier erstmals in der Challenger-175-Kategorie ausgetragen und erreichte damit die höchste Turnierkategorie unterhalb der ATP Tour.

Bautista Agut spielt letztes offizielles Match

Auch für Roberto Bautista Agut war die diesjährige Ausgabe ein besonderer Anlass. Der Mann aus Castellón de la Plana, der über viele Jahre zu den erfolgreichsten spanischen Profis gehörte, wurde ebenso wie Bernabé Zapata besonders gewürdigt. Der ehemalige Weltranglisten-Neunte, der zwölf ATP-Titel gewonnen hat und 2019 mit Spanien den Davis Cup holte, beendete hier im Mai seine aktive Profikarriere.

Sein letztes offizielles Match bestritt der 38-Jährige allerdings erst in der vergangenen Woche bei den spanischen Mannschaftsmeisterschaften. Für den Club de Tenis Valencia kehrte Bautista Agut noch einmal auf den Platz zurück und besiegte Juan Samuel Arauzo mit 6:2, 6:2. Mit seinem Erfolg steuerte er einen entscheidenden Punkt zum Klassenerhalt seines Vereins in der höchsten spanischen Spielklasse bei.

In einem Interview mit dem spanischen Tennisverband RFET blickte Bautista Agut auf diesen besonderen Moment zurück. „Ich habe das Gefühl, dass es viele Jahre waren, viele Stunden und praktisch ein ganzes Leben, das ich dem Tennis gewidmet habe. Ich bin sehr zufrieden damit, wie die Dinge für mich gelaufen sind, und sehr dankbar für das, was mir Tennis gegeben hat. Ich kann mich wirklich privilegiert fühlen“, erklärte der Iberer.

Dass ihm der Abschied nicht leichtfällt, machte er ebenfalls deutlich: „Etwas aufzugeben, das man sein ganzes Leben lang gemacht hat und worin man glücklicherweise gut war, ist nie einfach. Ich konnte aber eine sehr lange Karriere genießen und mich mit 38 Jahren verabschieden. Darauf kann ich, glaube ich, sehr stolz sein.“

Seine kurzfristige Rückkehr auf den Platz hatte für Bautista Agut auch eine persönliche Bedeutung. Fast vier Monate nach seinem ursprünglichen Abschied bei der Copa del Rey in Huelva folgte er der Bitte von Clubkapitän Dani Gimeno Traver, noch einmal für den Club de Tenis Valencia anzutreten. „Ich habe mich entschieden, hier bei den spanischen Meisterschaften zu spielen, weil Dani mich gebeten hat der Mannschaft zu helfen. Mit ihm auf der Bank zu sitzen, war ein besonderer Abschluss“, erklärte Bautista Agut. Auch die Erinnerungen an das Turnier, bei dem er bereits als Jugendlicher seine Idole bewundert hatte, machten diesen letzten Auftritt für ihn besonders emotional.

Für seine Zukunft schließt der Spanier eine Rückkehr in den Tennissport nicht aus, möchte zunächst aber mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. „Ich habe es sehr genossen, vor allem keine Flugzeuge mehr zu besteigen und nicht mehr reisen zu müssen, sondern Zeit mit meiner Familie zu verbringen und ein etwas ruhigeres Leben zu führen“, sagte er. Später könne er sich durchaus eine Tätigkeit im Tennis vorstellen: „Wenn sich ein motivierendes und schönes Projekt ergibt, werde ich sicherlich zum Tennis zurückkehren, aber als Trainer.“

Ein letztes Mal wird Bautista Agut am 19. November bei einer Exhibition in seiner Heimatstadt Castellón de la Plana auf dem Platz stehen, um sich gemeinsam mit Familie und Freunden endgültig – zumindest als aktiver Tennisprofi – vom Publikum zu verabschieden.

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