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Knapp fünf Jahre liegt das vielleicht kontroverseste Saisonfinale in der Formel-1-Geschichte inzwischen zurück. Beim letzten Rennen der Saison 2021 in Abu Dhabi gewann Max Verstappen mit einem Sieg vor WM-Rivale Lewis Hamilton seinen ersten von heute vier WM-Titeln.
Viele Hamilton-Fans sind allerdings bis heute der Ansicht, dass dem Rekordchampion an jenem Sonntag sein achter Titel "gestohlen" wurde. Grund dafür ist eine umstrittene Entscheidung des damaligen Rennleiters Michael Masi, das Rennen nach einer späten Safety-Car-Phase noch einmal freizugeben.
Hamilton führte das Rennen zu diesem Zeitpunkt an und wäre damit Weltmeister gewesen. In der letzten Runde überholte ihn Verstappen, der die Safety-Car-Phase für einen Boxenstopp genutzt hatte, auf frischeren Reifen allerdings noch und sicherte sich so den WM-Pokal.
Im Podcast High Performance gesteht der damalige Red-Bull-Teamchef Christian Horner, dass Red Bull Rennleiter Masi ganz bewusst unter Druck setzte, das Rennen noch einmal freizugeben - betont allerdings auch, dass ursprünglich Mercedes mit dieser Beeinflussung angefangen habe.
Horner sagt über seinen "Erzrivalen" und Mercedes-Teamchef Toto Wolff: "Es ist mir erst in diesem Jahr in Barcelona bewusst geworden, [...] dass Toto direkt mit Michael Masi gesprochen hatte. Ich dachte mir: Moment mal, das geht nicht. Du übst hier Druck auf den Schiedsrichter aus."
"In den 15 Jahren, in denen er dort war, habe ich nie mit Charlie Whiting gesprochen. Es passierte immer über den Teammanager", betont Horner. Whiting war bis zu seinem Tod Anfang 2019 Rennleiter der Formel 1, anschließend übernahm Masi diese Aufgabe.
Unter dem Australier wurde in den folgenden Jahren unter anderem auch der Funk zwischen Teams und Rennleitung für die weltweite TV-Übertragung freigegeben. Horner gesteht, dass auch Red Bull dieses Mittel ganz bewusst einsetzte, um Vorteile zu erzielen.
"Natürlich kämpft man so hart man kann für sein Team", betont er und erklärt, dass man den Funk mit der Rennleitung vor allem in einem engen WM-Kampf "natürlich" nutzen werde, "wenn du Druck ausüben und deine Position verteidigen kannst".
So hätten sich die Spielchen am Funk über das Jahr immer weiter hochgeschaukelt, erinnert sich der langjährige Red-Bull-Teamchef. Die Situation spitzte sich zu bis zum Saisonfinale in Abu Dhabi, in das Hamilton und Verstappen punktgleich gingen.
"Lewis war das schnellere Auto an diesem Tag. Er ist Max weggefahren", räumt Horner ein. Doch die besagte Safety-Car-Phase am Ende sorgte dafür, dass Verstappen plötzlich wieder direkt hinter seinem WM-Rivalen war - und das auf deutlich frischeren Reifen.
"An diesem Punkt hatten wir durch einen Boxenstopp nichts zu verlieren", erklärt Horner. Für Mercedes sei die Entscheidung schwieriger gewesen, denn hätte Hamilton einen Boxenstopp eingelegt, Verstappen aber nicht, hätte man die Führung an den Niederländer verloren.
So habe sich Mercedes gegen einen Stopp entschieden, "basierend auf der Annahme, dass das Rennen vielleicht nicht wieder freigegeben wird", so Horner, der verrät: "Natürlich haben wir mächtig Druck gemacht, dass das nicht der Weg ist, wie eine Meisterschaft enden sollte."
Letztendlich gab Masi das Rennen tatsächlich noch einmal frei. Allerdings unterliefen ihm dabei mehrere Fehler. So holte er einerseits das Safety-Car eine Runde zu früh zurück an die Box, andererseits erlaubte er es nur den überrundeten Autos zwischen Hamilton und Verstappen, sich zurückzurunden.
In einem Untersuchungsbericht der FIA hieß es dazu später: "Menschliches Versagen hat dazu geführt, dass nicht allen Fahrzeugen erlaubt wurde, sich zurückzurunden." Das kostete Masi in der Folge den Job, und Abu Dhabi 2021 sollte sein letztes Formel-1-Rennen sein.
"Das war nicht unsere Schuld", sagt Horner über das kontroverse Ende des Rennens und behauptet: "Es gab mehr als genug Zeit für alle Autos, sich zurückzurunden." Mercedes legte nach dem Rennen einen Protest ein, der jedoch abgewiesen wurde. Auf eine Berufung verzichtete man anschließend.
In diesem Zusammenhang erklärt Horner, dass er eine Menge "Respekt" vor Lewis Hamilton habe. "Er hat Max [nach dem Rennen] die Hand gegeben, er hat mir die Hand gegeben, er hat uns gratuliert. Und sein Vater auch", erinnert sich Horner.
Dagegen habe die "Mercedes-Medienmaschine" angefangen, ihre Seite der Geschichte zu erzählen. "Es ist unvermeidbar, dass daraus ein Narrativ entstanden ist. Und natürlich ist es sehr leicht für die Leute, die sich falsch behandelt fühlen, dieses Narrativ aufzubauen", so Horner.
In den sozialen Medien fordern mehrere Hamilton-Fans bis heute, die letzte Runde in Abu Dhabi zu annullieren und dem Briten damit den Titel zuzusprechen. Gleichzeitig wird Verstappen in Anspielung auf die Wortwahl im FIA-Untersuchungsbericht gerne als "Human-Error-Champion" bezeichnet.
Die FIA tauschte nach dem kontroversen Saisonfinale 2021 nicht nur den Rennleiter aus, sondern auch die Funkregeln wurden überarbeitet. Die direkte Verbindung der Teams zum Rennleiter wurde für die Saison 2022 gekappt.