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"Ich bin nicht der Papst des Fußballs": Harry Kane gibt mit Gala-Abend beim FC Bayern selbst Jürgen Klopp Rätsel auf
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Bayern München spielt 2:2 gegen den FC Arsenal, Harry Kane liefert die nächste Gala ab. Doch Bundestrainer Jürgen Klopp ist verwirrt und stellt Fragen. Die Frage ist: Warum? Einen Gefallen macht er damit keinem Beteiligten.

Ok, der Reihe nach! Nicht, dass es hinterher heißt, die Medien hätten wieder ein Thema aufgemacht, das es überhaupt nicht gäbe. Die Fakten: 

Und dennoch reden in der Allianz Arena hinterher irgendwie alle über einige teilweise nicht mal zu Ende gesagten Sätze von Bundestrainer Jürgen Klopp aus der Halbzeitpause. Oder verweigern, wie Vincent Kompany, mit einem leicht gequälten Lächeln demonstrativ die Aussage.

Natürlich ohne dem Bundestrainer auch nur die geringste böse Absicht zu unterstellen: Aber was hat Klopp, der bekanntlich mit einem einzigen Wort ("Noch!") schon mal die Karrieren mehrerer Menschen, darunter seine eigene, massiv beeinflusst hat, da wieder angestellt? 

Hat Klopp womöglich kurz vergessen, dass er kein TV-Experte mehr ist?

Hinterfragt der Bundestrainer die Taktik der erfolgreichsten deutschen Mannschaft, die ja immer noch das Gros seiner Nationalspieler stellt?

Kritisiert er den aktuell besten Stürmer der Bundesliga und vielleicht auch der Welt, der am Montag den Ballon d’Or verliehen bekommen könnte und die Auszeichnung aufgrund seiner Tore und Vorlagen und Selbstlosigkeit gewiss auch verdient hätte?

Hat er einfach mal wieder einen rausgehauen, ohne über die möglichen Konsequenzen seiner Sprüche nachzudenken? Oder möchte der Bundestrainer tatsächlich nur lernen?

Und wieso ruft er Kompany nicht einfach mal an, statt ohne Not in der Öffentlichkeit Fragen zu stellen? Oder hat Klopp auch kurzzeitig vergessen, dass er nicht mehr TV-Experte, sondern Bundestrainer ist und jede Reaktion der Bayern auf seine Fragen ein gewisses Gewicht haben.

Was Jürgen Klopp an Bayern Münchens Spielweise verwirrend findet

Er habe "bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht und ich will mich weiterbilden", sagte der Bundestrainer in der Halbzeitpause bei DAZN jedenfalls. Vincent Kompanys Mannschaft agiere "mal hybrid. Mal gegen den Mann, dann nicht gegen den Mann. Dann im Raum". Diese Beobachtung ist zutreffend, das Spielsystem von Kompanys Bayern ist fluide.  

Was der ganzen Sache eine gewisse Brisanz gibt, ist weniger die Tatsache, dass Klopp seinen Bildungshunger wiederholte und dem Satz, er sei "immer noch am Lernen" ein "sagen wir es mal so" hinterherschob. 

Sondern vielmehr, dass Klopp seine - ebenfalls zutreffende - Kritik am Abwehrverhalten der Münchner am ersten Gegentor ("Beim Gegentor hebt einer das Abseits auf, aber vorher ist kein Druck auf den Ball. Das fehlt mir dann.") zumindest im Subtext in letzter Konsequenz mit seiner Verwunderung über Harry Kanes Spielweise verquickte. 

Schadet Harry Kanes zurückgezogene Spielweise dem FC Bayern in bestimmten Situationen sogar?

"Sie haben gerade gesagt: 'Harry Kane ist heute überall.' Das finde ich mit Ball völlig in Ordnung. Aber wenn ich Harry Kane in der letzten Linie stehen sehe und zwar nicht im tiefen Block, sondern im Mittelfeldpressing, dann...", meinte Klopp bei DAZN. Er führte den Gedanken nicht weiter aus, aber zu Ende gedacht könnte nach dem "dann…" folgen:

  • Dann fehlt Kane den Bayern vorne, sollte das Mittelfeldpressing erfolgreich sein und den Ball erobern.
  • Dann fehlt Bayern beim Anrennen im Mittelfeld ein Mann, weil der Mittelstürmer in der letzten Linie steht, und bekommt folglich keinen Druck auf den Ball. 

Wollte Klopp also vielleicht (Achtung, Spekulation!) sogar sagen, dass Kane den Bayern durch seine zurückgezogene Spielweise am Ende sogar schade?

Klopp gab sich zwar am Ende seines Statements versöhnlich und meinte, er sei "nicht der Papst des Fußballs, alle dürfen machen, was sie wollen." Aber “abschließend dahintergestiegen bin ich nicht."

Kane

Wie reagieren die Bayern auf die Äußerungen von Jürgen Klopp?

Die Bayern taten ihm hinterher nicht den Gefallen, für Aufklärung zu sorgen. Kompany sagte auf die konkrete Frage nach dem Plan der Bayern gegen den Ball mit einem gequälten Lächeln: "Da sage ich nichts dazu, nächste Frage".

Sportvorstand Max Eberl verwies lieber auf Kanes wirklich grandiose Vorlage auf Davies und die Tatsache, dass es gegen Weltklassegegner wie Arsenal eben hin und wieder dazu kommen könne, dass Kane eben hin und wieder noch zurückgezogener spiele.

Und auch Kane, der gegen Arsenal tatsächlich noch zurückgezogener agierte als sonst und in Abwesenheit von Joshua Kimmich streckenweise einen sehr tiefen Ballverteiler gab, wollte sich auf die Diskussion nicht einlassen und meinte nur, dass die Partie gegen Arsenal eben "tricky" gewesen sei. 

Jürgen Klopp

Harry Kane treffe "unheimlich oft die richtige Entscheidung"

Am Ende des Abends ließ sich dann Kompany doch noch auf eine Aussage zu Kanes Spiel ein. Auf die zugegeben charmant gestellte Frage eines Reporters, ob bei Bayern womöglich die Außenstürmer abhängig von einem Mittelstürmer seien, sagte er Kompany erst: "Wir sind alle immer abhängig von allen!", um dann aber doch ein Loblied auf Kane anzustimmen.

Ihm sei es, als er noch Verteidiger war, immer am liebsten gewesen, wenn ein Stürmer immer in seinem Raum geblieben sei und er als Verteidiger "aus dieser Position entweder Zweikämpfe gewinnt oder das Tor verteidigt."

Das sei aber schwierig, wenn der Stürmer Harry Kane sei, weil "du als Innenverteidiger keine Referenz hast. Er ist manchmal da, dann wieder nicht”, sagte Kompany und schlug den Bogen auf das Spiel gegen Arsenal: "Er macht diesen Assist - aber er holt auch den Elfmeter heraus." Kane sei "gefühlt überall". Man müsse ihm als Trainer nicht immer sagen wo er sich aufzuhalten habe, weil er von selbst "unheimlich oft die richtige Entscheidung trifft."

Debatte beendet. Oder?

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