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Der GAK musste sich dem TSV Hartberg in der elften Bundesliga-Runde klar mit 0:4 geschlagen geben. Trainer Gerald Scheiblehner zeigte sich nach der Partie selbstkritisch und erklärte, weshalb seine Mannschaft die taktischen Vorgaben derzeit nicht umsetzen kann. Der 48-Jährige sprach außerdem über personelle Veränderungen, die Reaktion von Markus Schopp auf die Verletzung von Paul Komposch und die zunehmende Unzufriedenheit der Grazer Fans.
… über die deutliche Niederlage und seine taktische Fehleinschätzung
„Wir haben heute vorgehabt, ein Spiel zu spielen, das wir aktuell nicht imstande sind zu spielen. Wir wollten hoch attackieren, in der letzten Linie die Eins-gegen-eins-Duelle gewinnen und auch die zweiten Bälle gewinnen. Aktuell sind wir einfach nicht in der Verfassung, dieses Spiel zu spielen. Wir haben momentan nicht die Möglichkeit, Eins-gegen-Eins-Duelle auf großem Raum zu verteidigen. Da haben wir Riesenprobleme, die Hartberg sehr gut genutzt hat. Dazu kommen individuelle Fehler aufgrund einer Verunsicherung, geschuldet der aktuellen Situation. Da machen wir Fehler, die so einfach nicht passieren dürfen.“
… über die Fehler bei den ersten beiden Gegentoren
„Beim 0:1 verschlafen wir einen ruhenden Ball. Beim 0:2 geht gefühlt die ganze Mannschaft nach vorne und wartet auf den langen Ball. Dann bieten wir uns aber trotzdem wieder kurz an, was noch nicht das ganz große Problem ist. Aber den Ball dann flach ins Mittelfeld zu spielen und den Gegner zu einem Ballgewinn einzuladen, ist natürlich nicht wirklich vorteilhaft. Dann bist du mit 0:2 hinten. Die Mannschaft hat heute im Gegensatz zum Spiel gegen Altach schon gefightet. Den Vorwurf kann man ihr nicht machen, sie hat alles rausgehauen. Aber die Vorgabe von meiner Seite ist aktuell einfach nicht umsetzbar. Wenn etwas positiv ist, dann, dass ich klare Erkenntnisse aus diesen 90 Minuten gewonnen habe.“
… über die Ursachen des sportlichen Einbruchs und die verletzten Leistungsträger
„Ich denke, jede Mannschaft spürt, wenn Leistungsträger fehlen. Mit Jacob Italiano und Beres Owusu haben wir zwei Ausfälle, die uns schmerzen. Jacob bringt eine riesige Geschwindigkeit mit und ist sehr ballsicher. Beres ist ebenso ein schneller Spieler in der letzten Linie, der uns natürlich hilft. Aber dieses Spiel kannst du nur dann spielen, wenn du hundertprozentig davon überzeugt bist und alle zu hundert Prozent mitmachen. Wenn der eine oder andere daran zweifelt und zögerlich agiert und sich die Gegner noch dazu immer besser auf uns einstellen, dann ist das ein Mix, der für uns momentan nicht zu bewältigen ist.“
… über die notwendigen taktischen Veränderungen
„Wir müssen jetzt einmal schauen, dass wir weniger Räume anbieten, als Mannschaft wieder ein viel dichteres Netz spannen und so über Umschaltmomente zum Erfolg kommen. Das wird die Lösung sein. Wir geben zu viel Raum her. Wir schaffen es nicht, einen großen Raum zu verteidigen, weil wir die Eins-gegen-Eins-Duelle verlieren. Da sind wir momentan einfach nicht gut genug. Deswegen müssen wir schauen, dass die Abstände geringer werden und wir uns gegenseitig besser unterstützen können. Die Wege zum Mitspieler dürfen nicht zu weit sein, im Ballbesitz, aber auch gegen den Ball. Ich nehme die Mannschaft in Schutz. Ich habe heute die Vorgaben gegeben und war mir sicher, dass wir das wieder umsetzen können, so wie in den ersten Wochen. Aber es war ganz klar zu sehen, dass das aktuell nicht möglich ist.“
… über die Verletzung von Paul Komposch und die heftige Reaktion von Markus Schopp
„Im Spiel habe ich es gar nicht so mitbekommen. Ich habe nur gesehen, dass Hofleitner eine Spur zu spät gekommen und ihm auf den Fuß gestiegen ist, glaube ich. Es war mit Sicherheit keine Absicht und auch keine Vorgabe. Unser Spiel ist zwar darauf aufgebaut, aggressiv gegen den Ball zu sein und Druck am Ball auszuüben, aber ein Foul unterbricht jedes Pressing. Das heißt, es ist eine ganz klare Vorgabe, ohne Fouls zu spielen. Denn wenn du ein Foul machst, ist der Ball wieder beim Gegner und unser Ziel ist es ja, den Ball zu gewinnen. Es tut mir leid, wenn sich der Spieler verletzt hat.“
… über den Vergleich mit der Verletzung von Sturm-Torhüter Daniil Khudyakov
„Ich glaube, dass man die Situation mit Sturm absolut nicht vergleichen kann. Gegen Sturm war es maximal unglücklich, weil das zweite Bein ausschlaggebend für den Kontakt war. Da waren wir ganz weit weg von einem Foul. Es ist auch nicht meine Aufgabe zu bewerten, ob das ein Foulspiel ist oder nicht. Dafür gibt es andere Herren. Ich verstehe aber auch Markus Schopp, dass er erzürnt und emotional ist, wenn es einen seiner Spieler trifft. Wir hatten vor vier Tagen auch einen Zweikampf, bei dem sich Ludwig Vraa das Kreuzband gerissen hat. Das war für mich auch keine angenehme Situation, weil es ein sehr junger Spieler ist, der jetzt sieben bis acht Monate ausfällt. Wir haben aber auch nicht einen anderen Spieler beschuldigt. Ich glaube, dass wir alle in diesem Sport das Risiko eingehen, dass Verletzungen im Training oder im Spiel passieren. Von Absicht zu sprechen, wäre fatal.“
… über mögliche Veränderungen in der Startelf
„Es gibt Spieler, die bisher vielleicht weniger zum Einsatz gekommen sind, weil ich eine Mannschaft während der Saison übernommen habe und man Zeit braucht, bis gewisse Abläufe funktionieren. Jetzt kann man aber sagen, dass der eine oder andere eine neue Chance bekommt, weil es mit denen, die aktuell am Platz stehen, nicht funktioniert. Wir als Gesamtes, Trainerteam und Mannschaft, müssen wieder einen Plan kreieren, der der aktuellen Situation entspricht. Wir werden vielleicht gefühlt einen Schritt zurückgehen müssen, um danach wieder einen Schritt nach vorne zu machen.“
… über die Entscheidung für Petar Markovic und gegen Donovan Pines
„Für mich ist wichtig, dass ein Innenverteidiger Kopfballduelle klar gewinnt. Es geht viel um Kommunikation und Spielverständnis. Wir haben mit Michael Sollbauer einen absoluten Führungsspieler in die Mannschaft geholt. Deswegen habe ich mich für ihn entschieden und mit Donovan Pines ein sehr gutes Gespräch gehabt. Das waren rein strategische und sportliche Gründe. Donovan ist sehr professionell mit der Situation umgegangen und hat der Mannschaft auch im Training immer eine gute Energie gegeben. Heute habe ich überlegt, ob er spielt oder ob wir Petar Markovic eine Chance geben. Ich bin ein Förderer von jungen Spielern und glaube, dass man gerade in schwierigen Situationen auch einmal einen jungen Spieler ins kalte Wasser werfen kann.“
… über seine Verantwortung für die frühe Auswechslung von Markovic
„Ich habe mir das zugetraut, weil Peter sehr gut trainiert hat, und wollte ihm Vertrauen schenken. Wir haben mit Souleyman Mandey und Petar Markovic zwei sehr interessante österreichische Spieler, die wir entwickeln müssen. Entwicklung geht über Training, aber auch über Spielzeit. Ich habe mich vor dem Spiel für Peter entschieden, aber die Mannschaft ist aktuell nicht stabil genug, um das zu verkraften. Es tut mir leid für ihn, dass er von mir in diese Rolle gedrängt wurde. Als Trainer muss man dann auch Fehler ausbessern können. Vor dem Spiel hast du eine Meinung, aber du musst deine Meinung auch ändern können. Donovan hat dann gute Energie ins Stadion gebracht. Die Fans lieben ihn. Von den Rängen ist erstmals etwas Positives gekommen, weil seine Einwechslung auch das erste Positive war. Er wird in den nächsten Wochen sicher eine Rolle spielen.“
… über die mentale Verfassung und die Möglichkeit eines Mentaltrainers
„Wenn man mit einem Mentaltrainer arbeitet, dann sollte man immer mit einem Mentaltrainer arbeiten. Es gibt keinen Guru, der kommt und alles heilt. Mentaltrainer sind dazu da, Spieler und Mannschaften zu unterstützen und zu entwickeln. Wenn wir immer mit einem Mentaltrainer arbeiten würden, würde ich das sehr begrüßen. Aktuell ist es aber nicht so und deswegen werde ich jetzt auch niemanden anrufen. Es kommt keiner, legt die Hand auf und dann bekommt man keine Gegentore mehr. Das muss man grundsätzlich vielleicht für die Zukunft überlegen. Aber es gibt auch gute und schlechte Mentaltrainer, so wie es gute und schlechte Fußballtrainer gibt. Jetzt sind das Trainerteam, die Spieler und ich gefordert, gewisse Dinge zu ändern.“
… über die körperliche Verfassung der Mannschaft
„Ich denke, dass wir körperlich auf einem sehr guten Niveau sind. Wir haben uns die Werte angeschaut und sind, glaube ich, noch nie so viel gesprintet wie heute. Darum muss man mit diesen Werten immer aufpassen. Wenn du ein Spiel gewinnst und viel sprintest, sagt man, dass du gewonnen hast, weil du so viel gesprintet bist. Wenn du aber ein Spiel verlierst und die maximalen Sprintwerte der Saison erreichst, dann kann man auch sagen, dass du dem Ball viel nachlaufen musstest, weil du ihn nicht gewonnen hast. Daten sind für mich eine Unterstützung, aber man muss sie immer relativieren und anschauen, wie sie entstehen. Die Mannschaft ist körperlich aktuell auf einem Top-Niveau. Daran liegt es heute nicht.“
… über die Proteste und die zunehmende Unzufriedenheit der GAK-Fans
„Als Trainer muss man damit umgehen, dass die Fans zufrieden sind, wenn Spiele gewonnen werden, und unzufrieden, wenn Spiele verloren gehen. Das ist eine normale Reaktion und sie haben auch das Recht, unzufrieden zu sein oder Plakate hochzuhalten. Damit muss ich umgehen. Aber ich habe von Beginn an gesagt, dass es unsere Aufgabe ist, den Funken vom Platz auf die Tribüne überspringen zu lassen und nicht umgekehrt. Wenn man so viele Gegentore bekommt und teilweise hilflos oder überfordert wirkt, wie das in den letzten beiden Heimspielen in einzelnen Situationen der Fall war, dann darf man sich nicht den Zuspruch aller Fans erwarten.“
… über seine eigene Zukunft und den Rückhalt im Verein
„Ich bekomme trotzdem viele Rückmeldungen, dass die Leute an mich und an den GAK glauben und die Situation gut einschätzen können. Das gibt Rückhalt und Sicherheit. Ich habe absolut keine Befürchtungen. Ich fürchte mich prinzipiell vor wenigen Dingen, aber im Fußball habe ich keine Angst. Es gibt andere Dinge, vor denen ich wirklich Angst habe, aber die haben nichts mit Fußball zu tun. Ich bin schon sehr lange Trainer, habe sehr viele Phasen durchlebt und kann damit ganz gut umgehen. Wir werden auch wieder den Weg aus dieser Situation finden. Dann macht es auch wieder mehr Spaß, nach dem Spiel bei einer Pressekonferenz zu sitzen.“