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Es ist Spiel eins nach der überraschenden Entlassung von Trainer Thorsten Legat. Für den FC Germania Mallorca wird Kapitän und Sportdirektor Bastian Müller am Sonntag um 19 Uhr im Heimspiel gegen den Tabellenletzten C.F. Playa de Palma als Interimstrainer im Camp de Futbol Nova Cabana an der Linie stehen. Das Mallorca Magazin sprach mit dem 35-jährigen Ex-Profi über seine neue Herausforderung – und mit seinem Vorgänger Thorsten Legat über dessen Rauswurf. Die Bundesliga-Legende kritisiert seinen Nachfolger – und geht auf die Club-Führung los: „Ich bin in meinem Leben noch nie so verletzt und gedemütigt worden.“
Die Trennung von Thorsten Legat Anfang der Woche möchte Bastian Müller nicht kommentieren – aber er sagt: „Thorsten und ich hatten immer ein gutes Verhältnis. Ich schätze ihn als Mensch und Sportler. Aber es war eine Entscheidung der Club-Führung, die wir zu akzeptieren haben. Ich möchte jetzt dafür sorgen, dass wir wieder in die Erfolgsspur kommen. Das ist meine Aufgabe.“ Nach sechs Liga-Spielen und zwei Niederlagen steht der „From Zero to La Liga“-Club mit sechs Punkten Rückstand auf Tabellenführer SCD Independiente Camp Redó enttäuschend nur auf Rang sechs.
Welche Prognose hat der neue Trainer für das Spiel gegen den punktlosen Tabellenletzten? Bastian Müller zu MM: „Wir tun in unserer jetzigen Situation alle gut daran, keine großen Vorhersagen zu treffen. Klar aber ist: Wir müssen gewinnen. Neue Spieler konnten schon verpflichtet werden. Vom FC Miami United stößt der Argentinier Guido Gacciabue zu uns.“ Der 28-jährige Mittelfeldspieler kickte schon in der amerikanischen Baller-League für die Midnight Wizards. Gegen den C.F. Playa de Palma ist er noch nicht spielberechtigt. Müller: „Dazu kommen zwei Spieler von der Insel. Wir hoffen, dass uns am Sonntag schon einer von ihnen helfen kann. Der Kader ist vergrößert – das hilft uns angesichts der langen Verletztenliste. Zuletzt hatten wir nur einen Feldspieler auf der Bank.“ Müller ist noch immer verletzt, kuriert seinen Muskelfaseriss aus. „Ich würde den Jungs gerne auf dem Platz helfen – aber es dauert mit dieser Verletzung noch eine Zeit.“
Der FC Germania Mallorca teilte mit, dass Bastian Müller das Traineramt „vorerst übernimmt“. Der Mittelfeld-Stratege kenne das Team bestens. „Er ist selbst Spieler bei uns und gleichzeitig als Sportlicher Leiter eng in die sportliche Arbeit eingebunden.“
Könnte die Amtszeit als Chef-Coach auch länger dauern? Müller, vor seinem Umzug vor zwei Jahren auf die Insel noch Aufstiegsheld bei Alemania Aachen: „Ausschließen kann man im Fußball grundsätzlich nichts. Es könnte möglicherweise aber meine Arbeitskapazität überlasten. Deshalb prüfen wir erst einmal, ob wir den richtigen neuen Trainer finden. Wir haben keinen Zeitdruck. Nachdem bekannt wurde, dass Thorsten den Verein verlässt, gab es in kurzer Zeit unzählige Anfragen auch von namhaften Trainern aus dem In- und Ausland. Sogar aus Asien und Südamerika waren Bewerbungen dabei. Das zeigt, wie groß die Strahlkraft unseres Projekts auch international ist. Das Fischnetz – wie man auf Mallorca sagt – ist voll. Jetzt sehen wir uns alles genau an.“
Das Anforderungsprofil an den neuen Trainer? Bastian Müller: „Jung, dynamisch, nah am Spieler. Und gewisse Erfolge sollte er als Trainer schon nachweisen können.“ Was kann ein Coach beim deutschen Insel-Club verdienen? „Das Portemonnaie“, so Müller, „ist beim FC Germania nicht unbedingt riesig. Die Chance und Herausforderung aber schon.“
Mit 19 Jahren wechselte der gebürtige Ostwestfale vom SC Verl zum großen FC Bayern München. Die Fußball-Legenden Louis van Gaal und Jupp Heynckes waren beim Rekordmeister seine Trainer. Was hat er von ihnen gelernt? „Von beiden konnte ich mir für meine neue Aufgabe viel abgucken.“ Und was ist die Fußball-Philosophie von Trainer Neuling Bastian Müller? „Flach spielen – und hoch gewinnen.“
Thorsten Legat hält von seinem Nachfolger als Germania-Coach offenbar nicht viel. Zum Mallorca Magazin sagt er: „Bastian hat keine Trainer-Lizenz. Das kann man nicht im Internet lernen. Ich bin seit 40 Jahren im Geschäft. Ich hatte Einblick in die Mannschaft wie kein anderer. Wenn ich an die Trainingseinheiten von Bastian Müller denke, muss ich sagen: Meine waren deutlich besser.“
Dann folgt seine Abrechnung mit dem Club: „Was unser Präsident in der Öffentlichkeit alles gesagt hat, will ich nicht weiter kommentieren. Nur so viel: Ich hätte mir von den anderen Gründern mehr Unterstützung gewünscht. Ich wurde noch nie so verletzt, beleidigt und gedemütigt. Aber Karma wird das richten. Mein Herz ist gebrochen, es ist kaputt. Das geht so schnell nicht vorbei. Sie haben mir mein Baby weggenommen.“